Schmerzliche Bettensperre, weil Ärzte fehlen: Landesklinikum Mauer

© KURIER/Wolfgang Atzenhofer

Mauer
07/12/2014

Ärztemangel: Klinik muss 25 Betten sperren

Weil Posten nicht nachbesetzt werden können, muss Neuro-Primaria die Bettenzahl kürzen.

von Wolfgang Atzenhofer

Die Auswirkungen des Ärztemangels sind in Landgemeinden schon schmerzlich spürbar, jetzt machen sie sich auch in den Spitälern immer stärker bemerkbar. Jüngstes Beispiel liefert das NÖ Landesklinikum Mauer bei Amstetten. Dort mussten jetzt in der neurologischen Abteilung 25 der rund 90 Spitalsbetten wegen akuten Facharztmangels gesperrt werden.

Vom auf Psychiatrie und Neurologie spezialisierten Landesspital Mauer werden derzeit auf Internetplattformen vier Fachärzte, darunter ein Primararzt, gesucht – vergebens. Der Leiterin der Neurologie, Primaria Susanne Asenbaum-Nan, ließ die aktuelle Medizinernot keine andere Wahl, als 25 Patientenbetten aus dem Betrieb zu nehmen. Der Schritt sorgt in der Belegschaft für Unbehagen. Steht doch in Mauer eine Generalerneuerung des 444-Betten-Hauses an.

Abteilungschefin Asenbaum-Nan überlässt das Kommentieren ihrer Notaktion dem Kliniksprecher Harald Höllmüller. "Es wurden in einer Station zehn und in einer zweiten 15 Betten gesperrt", bestätigt er. Konkret seien der Neuro-Abteilung zwei Fachärzte, für deren Stelle sich bislang niemand gefunden habe, abhanden gekommen. Ein EU-Ausländer hat einen Job in seiner Heimat, ein Österreicher in seinem Heimatbundesland angenommen.

Akutfälle

Akutpatienten fänden auf der Neurologie, die gemeinsam mit jener im Klinikum Amstetten geführt wird, weiterhin jederzeit Aufnahme, versichert Höllmüller. Von der vorübergehenden Sperre seien nicht akutmedizinische Bereiche der Remobilisation betroffen. Auf die besonders wichtigen Stroke Unit-Betten für Schlaganfallpatienten hat die Teilsperre keine Auswirkungen. Sehr wohl aber auf Patienten, die auf einen Platz zur Rehabilitation oder Therapie warten.

Der Mangel an Turnusärzten in den Spitälern Österreichs macht auch vor Niederösterreich nicht halt. NÖ-Ärztekammer-Präsident Christoph Reisner sieht derzeit auch keine Besserung für die Zukunft: „Viele Ärzte wollen nicht in kleinen Spitälern arbeiten und flüchten quasi in die Großstädte. So bleiben aber viele Krankenhäuser am Land übrig und haben zu wenig Ärzte.“
Einer der Gründe ist für Reisner ganz klar die Selektion an den Universitäten: „Das Auswahlverfahren hat nichts mit dem späteren Berufsleben zu tun. Dadurch fehlen schon viele Ärzte, weil sie einfach nicht zum Studium zugelassen werden.Wenn man das nicht ändert, gibt es in ein paar Jahren kaum noch Ärzte.“ Denn wie Reisner aus eigener Erfahrung weiß ist es jetzt schon knapp: „Auf der Orthopädiestation in Wiener Neustadt, wo ich selbst arbeite, wurden alle Turnusärzte gestrichen, weil es einfach keine mehr gibt.’’

Bei Fachärzten, vor allem in den weniger attraktiven Fächern Pathologie, Psychiatrie oder Radiologie und natürlich bei Turnusärzten herrsche in NÖ ein Mangel, bestätigt Cornelia Bunkrad, von der NÖ Landeskliniken-Holding. Entsprechende Stellen seien ausgeschrieben. Das strukturelle Problem wirke sich an kleinen Anstalten drastischer aus als in großen Spitälern. Als Rezept gegen die Ärztenot empfiehlt die Holding die Anhebung der Studienplätze an den Universitäten. NÖ habe mit der Installierung der Karl Landsteiner Uni in Krems schon einen Beitrag geleistet.

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