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Ärzte dringend gesucht: Stellen in NÖ seit zehn Jahren unbesetzt

32 Kassenstellen für Allgemeinmedizin und 35 Facharztstellen ausgeschrieben. Eine Besetzung in der Buckligen Welt sticht besonders hervor.
Ein Arzt untersucht mit einem Otoskop das Ohr einer Person mit kurzem, blondem Haar.

Das Gesundheitssystem ist aktuell eine der großen Baustellen der Politik. Der Ärztemangel, gerade im ländlichen Raum, ist seit Jahren ein Dauerbrenner in Niederösterreich. Am 15. Mai hat die nö. Ärztekammer per Ausschreibung wieder einen neuen Versuch unternommen, Dutzende freie Landarzt-Praxen und Facharzt-Ordinationen neu zu besetzen. In zahlreichen Fällen wird das Unterfangen zur unendlichen Geschichte.

Zehn Versuche

Wie prekär die Lage ist, zeigen die aktuellen Zahlen der Ärztekammer. Diese Woche wurden 18 neue Kassenstellen für Allgemeinmedizin in elf Bezirken in Niederösterreich ausgeschrieben. „Davon sind elf Stellen bereits vakant und sieben noch besetzt“, erklärt Birgit Jung von der nö. Ärztekammer. Zusätzlich habe man 14 Stellen dauerhaft ausgeschrieben, die seit mehr als zehn Ausschreibungsrunden unbesetzt sind.

Geht man ins Detail, wird die Tragweite deutlich. In Gresten im Bezirk Scheibbs ist die Hausarztpraxis seit sage und schreibe zehn Jahren unbesetzt, in Großdietmanns im Bezirk Gmünd eine Kassenarztstelle seit mittlerweile neun Jahren.

Seit acht Jahren kein Hautarzt

Das ist abseits der großen Städte und Ballungszentren aber nur die Spitze des Eisbergs. Parallel sind derzeit 35 Kassenplanstellen für Fachärzte in Niederösterreich ausgeschrieben. In Waidhofen an der Thaya ist die Kassenstelle für einen Hautarzt seit 1. Jänner 2018, also seit über acht Jahren unbesetzt.

Und die Lage könnte noch weit schlimmer werden. Denn laut Ärztekammer werden bis zum Jahr 2035 bundesweit über 18.000 Ärzte das Pensionsalter von 65 Jahren überschreiten, damit ergibt sich für Österreich ein jährlicher Bedarf von mehr als 1.800 Ärztinnen und Ärzten. Demgegenüber stehen jährlich aber nur etwa 1.700 Studienplätze für Humanmedizin an den öffentlichen Universitäten. Noch dazu wird davon rund ein Viertel von „Numerus-Clausus-Flüchtlingen“ aus Deutschland besetzt.

Wie sehr das Thema der Bevölkerung und den Patientinnen und Patienten unter den Fingernägeln brennt, verdeutlicht ein aktueller Fall aus dem Bezirk Wiener Neustadt.

Ex-Schuldirektorin Monika Seidl und Pfarrvikar Christoph Sperrer haben 650 Unterschriften für eine Ärztin gesammelt.

Ex-Schuldirektorin Monika Seidl und Pfarrvikar Christoph Sperrer haben 650 Unterschriften für eine Ärztin gesammelt.

650 Unterschriften für eine Ärztin

In der Kurgemeinde Bad Schönau war bis diese Woche eine Kassenarztstelle für Allgemeinmedizin samt Hausapotheke ausgeschrieben – und es gibt mehrere Bewerbungen. Das nächste Hearing findet am 9. Juni statt, dort wird sich entscheiden, wer die Stelle übernehmen wird, erklärt Birgit Jung.

In der Region hat man eine Wunschkandidatin. Eine Initiative, die vom Vikar der Pfarren Kirchschlag und Bad Schönau, Christoph Sperrer, sowie der pensionierten Schuldirektorin Monika Seidl ausgeht, spricht sich klar für die Allgemeinmedizinerin Renate Grandits-Jakel aus.

Großes Vertrauen

In einer Petition mit 650 Unterschriften unterstützt man ihre Bewerbung. Die Wahlärztin aus Kirchschlag habe sich über viele Jahre „durch ihre außergewöhnliche fachliche Kompetenz, ihr unermüdliches Engagement sowie ihre menschliche und einfühlsame Art in der medizinischen Betreuung der Bevölkerung ausgezeichnet“, heißt es in der Petition. Wie Sperrer und Seidl erklären, wird der Ärztin großes Vertrauen entgegengebracht.

„Neben strukturierten Ordinationszeiten war und ist ihr die wohnortnahe Versorgung durch zahlreiche Hausbesuche ein besonderes Anliegen. Die unterzeichnenden Patienten bestätigen aufgrund ihrer persönlichen Erfahrungen die herausragende Expertise von Renate Grandits-Jakel“, so Sperrer und Seidl.

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