85-Jähriger samt Auto verschwunden

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Seit drei Wochen fehlt von einem Pensionisten jedes Lebenszeichen. Die Ungewissheit lähmt seine Angehörigen.

Seit gestern habe ich das Gefühl, dass er nicht mehr lebt. Drei Wochen lang hatte ich Hoffnung. Jetzt wünsche ich mir nur noch das Ende der Ungewissheit", sagt Aloisia Dangl, 80. Die einst mollige Pensionistin ist schmal geworden, seit ihr 85-jähriger Mann Josef mit seinem Auto zum Service gefahren und nicht mehr heim gekommen ist - nach Windigsteig im Waldviertel. Wenige Stunden vor der Vermisstenanzeige haben Polizisten den Mann in Heidenreichstein, Bezirk Gmünd, kontrolliert. Seither gibt es von Auto und Lenker keine Spur.

"Fahr halt über Paris", hat Aloisia Dangl, 80, gescherzt, als ihr Mann an diesem Tag ankündigte, er wolle auf der Heimfahrt einen Umweg machen. Damit er ein paar Kilometer auf den Wagen bringt. Vor zwei Jahren hat er sich mit dem braunen BMW 116 einen lang gehegten Wunsch erfüllt. "Er war so gut aufgelegt, weil es ihm gesundheitlich gut ging. Er ist Diabetiker, hat die Anweisungen der Ärztin genau eingehalten", erzählt sie.

Noch am selben Tag hat die Polizei eine groß angelegte Suche organisiert. Feuerwehr, Freunde, Jäger - wohl mehrere hundert Personen - haben sich beteiligt. Sie blieb so ohne Ergebnis wie Aufrufe in Medien. "Man hört nicht auf, nachzudenken, weiß aber nicht, was man tun soll. Das Schlimmste ist, zwei Mal am Tag zur Tante zu fahren und keine Neuigkeit berichten zu können", sagt der Neffe des Vermissten, Landwirt Gerald Dangl. Mitten in der Nacht sei er schon aufgewacht, mit dem sicheren Gefühl in den Wald hinaus gefahren, ihn an einem bestimmten Ort zu finden.

Teiche

Josef Dangl: 160 cm groß, korpulent, im BMW unterwegs
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"Ein Mensch kann verschwinden, aber ein Auto? Ich kann mir nur vorstellen, dass er in einen Teich gefahren ist. Aber die haben wir nach zwei Wochen kontrolliert, ob ein Ölfilm darauf schwimmt. Nichts", sagt Gerald Dangl resignierend. Seine Tante kann kaum essen: "Es bleibt im Hals stecken. Und bei jedem Telefonläuten schrecke ich hoch", erzählt Aloisia Dangl.

Mittlerweile kümmert sich auch das Landeskriminalamt Niederösterreich um den mysteriösen Fall. "Wir haben nochmals die Route des Abgängigen rekonstruiert und abgefahren", berichtet ein Ermittler der Fahndungsgruppe. Eine heiße Spur wurde noch nicht gefunden. "Eher auszuschließen", sei laut Kriminalisten, dass das Verschwinden des Mannes einen kriminellen Hintergrund haben könnte. Sachdienliche Hinweise werden unter 059133/303333 erbeten.

Erstellt am 05.12.2011