79-Jährige nach zwei Nächten geborgen

Elfriede E. erholt sich im Krankenhaus Amstetten nach den Strapazen am Berg. Todesangst habe sie in den Nächten aber nicht gehabt, sagt sie.
Foto: Wolfgang Atzenhofer

Nach zwei Tagen und Nächten alleine in Bergnot erholt sich Elfriede E., 79, im Spital Amstetten sehr rasch: "Hatte nie Angst um mein Leben".

Man muss seine Grenzen kennen und die Nerven behalten." Die 79-jährige Wienerin Elfriede E. erholt sich im Klinikum Amstetten von einem dramatischen Wochenende. Die begeisterte und geübte Bergsteigerin war zwei Tage und zwei Nächte im Gebiet des Dürrenstein bei Lunz am See unterwegs gewesen. Orientierungslos geriet sie nach zwei gefährlichen Stürzen in Bergnot. Am Sonntag konnte sie, wie berichtet, von Bergrettern und Alpinpolizisten nach einer fast ganztägigen Suche gerettet werden.

Die zum 80er geplante Geburtstagstour über den Rauhen Kamm zum Ötschergipfelkreuz habe sie vorerst gestrichen, sagt E., während sie auf dem Spitalsbalkon prüft, ob ihre Bergschuhe schon trocken sind. Blutergüsse im Gesicht, schwere Prellungen am Körper und tiefe Schürfwunden an den Beinen blieben der Seniorin als Erinnerung an die vergangenen Tage. "Eine außergewöhnliche Frau", beurteilt Unfallprimar Andreas Pachucki.

Ihre insgesamt vier Tage dauernde Tour beschreibt Elfriede E. genau: Am Donnerstag hatte sie auf der Ybbstalerhütte genächtigt. Am Freitag ging es weiter auf den Dürrenstein-Gipfel. Beim Abstieg auf teils markierten, teils unmarkierten Wegen begann das Übel. Nach einem Sturz mit Kopflandung nächtigte E. im mitgeführten Biwak-Zelt. Am Samstag wollte sie zur Herrenalm weiter, Trinkwasser und Lebensmittel waren zu Ende. Sie marschierte stundenlang, "aber in die falsche Richtung".

Absturz

Heftiger Gewitterregen und ein Absturz über einen Steilhang zwangen E. erneut, ihr Nachtlager im Freien aufzuschlagen. Sonntagfrüh ("es wäre unvernünftig gewesen, einen Schritt zu gehen") alarmierte sie per Handy die Einsatzkräfte über den Euro-Notruf 112.
Unbewusst gab die Frau aber einen falschen Standort an. Deshalb war die Suche nach ihr für die mehr als 70 Retter so schwierig. Vom Polizeihelikopter auf 1200 Meter Seehöhe geortet, seien die Bergretter und die Notarzthubschrauber-Crew dann unheimlich nett zu ihr gewesen, ist E. dankbar. Mit einer Taschenlampe, lauten Schreien und einer Pfeife versuchte sie die Retter auf sich aufmerksam zu machen.

Die Liebe zu den Bergen blieb Elfriede E. trotzdem erhalten. Und über den K2-Sieg von Gerlinde Kaltenbrunner hat sie sich von Herzen gefreut.

(kurier) Erstellt am
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