Chronik | Niederösterreich
20.04.2012

109 Waggons kamen unter den Hammer

Manche Waggons werden renoviert und im Ausland weiter betrieben. Der Großteil ging aber an Schrotthändler.

Die Ybbstalbahn fährt jetzt auch in Rumänien. Teilweise zumindest. Denn fünfzehn der am Donnerstag versteigerten alten Waggons ergatterte Georg Hocevar, ein Österreicher, der in Rumänien vier  touristische Schmalspurstrecken betreibt. "Ich werde sie renovieren. Die älteren wandern dann in ein slowenisches Museum, der Rest wird wieder in Betrieb genommen," sagt Hocevar. Auch eine Bietergruppe aus Polen war mit dabei. Die Betreiber einer Bahn in Schlesien freuten sich, die gewünschten drei Personenwagen ergattert zu haben. Zwei weitere gingen an eine Bahn in Tschechien.

Doch Liebhaber alter Eisenbahnen wie sie waren bei der Auktion der 109 ausrangierten Waggons der NÖVOG in der Minderheit. Der Großteil ging an Schrotthändler, die sich vor allem bei den vielen Rollwägen im Eiltempo überboten. Für bis zu 2700 Euro gingen die alten Wägen über den Tisch. "Der Schrottwert ist derzeit sehr hoch, da ist so eine Auktion durchaus interessant", erklärt Karl-Heinz Gratz, Schrotthändler aus Oberösterreich. Er kaufte 22 Wagen ein, die er dann zerschnitten an Stahlwerke weiterverkaufen möchte. Weitere 20 Stück gingen an einen Händler aus Deutschland. Sie sollen gleich in Österreich in Einzelteilen zerlegt wieder an den Mann gebracht werden. Zahlt es sich aus, dafür nach Waidhofen an der Ybbs zu reisen? "Hoffentlich."

Roland Hölbling von der Zillertalerbahn musste mit leeren Händen den Saal schon vorzeitig verlassen. "Mir war leider ein Limit vorgegeben, das haben die Schrotthändler immer überboten", ist der Werkstättenleiter etwas enttäuscht. Neun Rollwägen wollte er mit nach Tirol und dort wieder in Betrieb nehmen.

Premiere

Zufrieden ist hingegen Gerhard Stindl, Geschäftsführer der NÖVOG. Immerhin konnte ein Gesamtumsatz von 215.000 Euro erzielt werden. "Wir wussten nicht, wie es ausgeht. Eine solche Auktion hat es in Österreich noch nie gegeben." Zu dem Verkauf entschieden hatte man sich, weil der Güterverkehr auf der Ybbstalstrecke eingestellt wurde, man die Waggons also nicht mehr benötigte. "Dazu kamen dann noch ein paar alte Personenwagen in sehr schlechtem Zustand."

Im vollen Saal waren auch einige am Geschehen interessierte Anrainer. "Die Preise waren fair, aber es stimmt mich teils traurig, dass so viel an Schrotthändler verkauft wurde. Die Ybbstalbahn als Kulturgut ist somit zerstört", meinte ein Waidhofener. Ähnlich empfindet auch Georg Hocevar. "Ich habe versucht während der Auktion nicht darüber nachzudenken, sonst hätte ich gleich alles gekauft. Dafür haben wir, wie die meisten Museen, aber leider nicht das Geld."