Chronik
01.09.2017

Mordfall Roland Krenn: Todesursache ist nicht mehr feststellbar

Neues Gutachten brachte keine weiteren Erkenntnisse. Die Staatsanwaltschaft will dennoch bald Anklage erheben.

Im Mordfall Roland Krenn fehlt den Ermittlern weiterhin die Todesursache des 63-jährigen Opfers. Nach Abschluss eines umfangreichen Obduktionsgutachtens durch die Gerichtsmedizin steht fest, dass an der stark verwesten Leiche "keine nachweisbare Todesursache" mehr festzustellen ist.

Bei der Staatsanwaltschaft ist man dennoch zuversichtlich, dass es bald zu einer Anklage gegen die beiden Verdächtigen kommen wird. Aufgrund der Beweise sei trotz fehlender eindeutiger Todesursache dringender Tatverdacht gegen die beiden inhaftierten Männer gegeben, meinte Barbara Fischer, Sprecherin der Staatsanwaltschaft Salzburg. Die Ermittler gehen von gewaltsamem Ersticken aus, weil über den Kopf der Leiche ein Stoffbeutel gestülpt war.

Der Tote wurde im Mai in einem Stallgebäude in Haigermoos (Bezirk Braunau) entdeckt. Dort dürfte er bereits seit Monaten gelegen habe. Die Leiche lag eingewickelt in Kunststofffolie unter Abfällen und war bereits stark verwest. Davor war Krenn seit Juli 2016 als vermisst gemeldet gewesen.

Der Hinweis zum Leichenfundort kam von einem 24-jährigen Flachgauer, der Ende April in Untersuchungshaft genommen wurde. Im Zuge der Hausdurchsuchung wurde der 29-jährige Gastwirt, dem der Stall gehört, ebenfalls festgenommen. Auf die Spur der beiden waren die Ermittler über die Auswertung von Handydaten gekommen, mit denen sie Bewegungsprofile erstellten. Alleine in einer Nacht Mitte Juli 2016, in der Krenn wahrscheinlich gestorben ist, sollen die Verdächtigen einander binnen kurzer Zeit 77 SMS geschrieben haben.

"Mord ist Spekulation"

Franz Essl, Anwalt des 24-jährigen Flachgauers, interpretiert die Ergebnisse der Untersuchungen so: "Die Gutachten entlasten meinen Mandanten vom Verdachtsvorwurf des Mordes." Dass Krenn erstickt sei, stütze sich nicht auf Befunde, sondern darauf, dass über den Kopf der Leiche ein Stoffbeutel gestülpt gewesen sei. Die Mord-Annahme sei daher "spekulativ", sagt Essl. Der 24-Jährige gab in Vernehmungen an, dass Krenn und er in dessen Haus überfallen worden seien und die maskierten Täter mit Krenn geflüchtet seien.

Der Anwalt des ebenfalls in U-Haft befindlichen Innviertler Gastwirts war am Donnerstag für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.