Chronik
09.01.2018

Medizinischer Versorgungs-Engpass

Dienste bei der hausärztlichen Bereitschaft unbesetzt, weil der Feiertag auf einen Samstag fiel.

Es werde nie wieder passieren, hieß es vor genau einem Jahr, als es in Kärnten beim hausärztlichen Bereitschaftsdienst zu Engpässen gekommen war. Und doch ist es am vergangenen Wochenende wieder passiert: Zwölf von 76 Diensträdern waren unbesetzt (siehe unten), die Notversorgung für die Region Völkermarkt war sogar von Freitag, 14 Uhr, bis Sonntag, 7 Uhr, vakant.

Der Hauptgrund für die Unterbesetzung ist durchaus skurril: ein Kompetenzstreit bei der Diensteinteilung zwischen Ärztekammer, Krankenkasse (GKK) und Rotem Kreuz. Letzteres ist für die Erstellung der Notdienste unter der Woche zuständig, Ärztekammer und Gebietskrankenkasse für jene an Feiertagen und Wochenenden. "Da diesmal der Dreikönigstag auf einen Samstag fiel, war anfangs unklar, ob der Nachtdienst auf Samstag vom Roten Kreuz oder von uns organisiert werden muss. Und bis das geklärt war, ließen sich zu wenige Ärzte finden", sagt Wilhelm Kerber, Kurienobmann der Niedergelassenen Mediziner in der Ärztekammer.

"Zahl extrem hoch"

Das Rote Kreuz übernimmt die Verantwortung für das Malheur. "Wir waren zuständig. Aber die Besetzung des hausärztlichen Bereitschaftsdienstes wird immer schwieriger, wir können die Ärzte ja nicht zwingen", sagt Sprecherin Melanie Reiter. Und weiter: "Zum Glück gab es heuer keine Grippewelle, die Leitstelle verzeichnete keine Probleme." Für Patientenanwältin Angelika Schiwek kein Argument: "Der Dienstplan zeigt eine extrem hohe Zahl an Nicht-Besetzungen, eigentlich undenkbar", wundert sich Schiwek. "Im schlimmsten Fall kann ein Patient bei dieser Unterversorgung zu Schaden kommen. Würde die Einteilung zentral erfolgen, hätten wir nicht andauernd diese Probleme." Vor zwölf Monaten waren in Kärnten bereits Engpässe aufgetreten: Nur 98 von 263 niedergelassenen Medizinern hatten über Weihnachten und Sylvester ordiniert – wegen unglücklicher Urlaubsplanung und Akut-Erkrankungen der Ärzte, hatte es geheißen.

"Keine Vertretung"

"Auch diesmal gab es Samstag und Sonntag Krankheitsfälle, eine Nachbesetzung war nicht möglich", argumentiert Kurienobmann Kerber. Von der Kasse bekommt er Rückendeckung. "Die Dienstliste vom Wochenende ist kein Normalzustand. Aber aufgrund der Altersstruktur unserer Ärzte wird es immer schwieriger, Mediziner für die Bereitschaft bzw. Vertretungen zu finden", deponiert Elke Jenkner, Leiterin der GKK-Vertragspartnerabteilung. Man arbeite an einer Problemlösung. FPÖ-Chef Gernot Darmann ortet eine solche in einer besseren Entlohnung der Mediziner.

Engpässe ergaben sich letztes Wochenende in den Kärntner Regionen Kühnsdorf/Eberndorf/St. Kanzian, Wolfsberg Süd, Lavamünd, Hermagor/St. Stefan/ Rattendorf/ Weissbriach,Kirchbach/Kötschach, St. Lorenzen, Spittal, Villach Nord, Grafenstein/Poggersdorf/Ebental, St.Jakob/Rosegg/Faak/Feistritz/ Fürnitz/Ledenitzen sowie Völkermarkt/Ruden/St. Kanzian.