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Chronik
03/01/2012

Kampusch-DNA: Polizist belastet Ex-OGH-Präsidenten

Ein Wiener Polizist soll illegal versucht haben, DNA-Proben eines Kindes zu bekommen, um eine Verschwörungstheorie zu bestätigen.

Das Verwirrspiel um DNA-Proben eines angeblichen Kindes von Natascha Kampusch geht weiter: Der Polizist, der illegal DNA-Proben eines Schulkindes besorgt haben soll, hat laut Informationen der Wochenzeitung Falter vor dem Bundesamt für Korruptionsbekämpfung ausgesagt, dass er im Auftrag des ehemaligen OGH-Präsidenten Johann Rzeszut gehandelt habe. Dieser bestreitet die Vorwürfe. Rzeszut war Mitglied der Kampusch-Evaluierungskomission und hat in den vergangenen Monaten massive Kritik an der Justiz in Sachen Kampusch-Ermittlungen geübt.

Verschwörungstheorie

Wie das Nachrichtenmagazin News zuvor berichtete, schlich sich der Polizeibeamte vergangene Woche in eine Volksschule ein – mit dem Vorwand, er wolle Verkehrserziehung machen. In weiterer Folge versuchte er eine Lehrerin dazu zu bringen, "DNA-hältige Spuren" eines bestimmten Mädchens zu beschaffen - DNA von der Tochter jener Frau, die die Schwester von Ernst H. ist, den Nachlass Priklopils geregelt und sein Begräbnis organisiert hatte. Die Lehrerin lehnte ab, die Mutter erstattete Anzeige.

Mit den DNA-Spuren wollte er beweisen, dass das Mädchen in Wirklichkeit eine gemeinsame Tochter von Natascha Kampusch und Wolfgang Priklopil ist. Das sind die grotesken Auswüchse der in FPÖ-Kreisen gehandelten Verschwörungstheorie, wonach Kampusch während ihrer Gefangenschaft ein Kind geboren habe. Dieses Kind werde nun von der Schwester von Ernst H. aufgezogen – jenem Priklopil-Freund, dem im geheimen Unterausschuss des Parlaments eine Mittäterrolle zugedacht wird. Der Polizeibeamte ist auch FPÖ-Gemeinderat aus Niederösterreich.

 

Krankenstand

Das Bundesamt für Korruptionsbekämpfung hat bereits Ermittlungen aufgenommen. Sämtliche dienstrechtliche und auch strafrechtliche Umstände würden geprüft – "das volle Paket", heißt es aus dem BAK. Der Beamte befindet sich derzeit im Krankenstand. Aus Polizeikreisen verlautet, dass er sicher keinen Dienst mehr auf der Straße machen werde – egal, wie das Verfahren für ihn ausgeht. "Sollte er zurückkommen, bleibt ihm nur mehr eine Aufgabe bei der Objektbewachung," meinte dazu ein Kollege. Zurückhaltend reagierte man bei den Freiheitlichen. Für FPÖ-Nationalratsabgeordnete Dagmar Belakowitsch-Jenewein handelt es sich um bisher nicht bewiesene Anschuldigungen. Man werde prüfen, was es mit den Vorwürfen auf sich hat, heißt es aus dem FPÖ-Parlamentsklub.

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