Gefährlicher Freizeitspaß: Bootsverkehr am Wörthersee gefährdet Ökosystem

Grazer Geodäten nehmen den Wörthersee in den Blick. Hightech-Bojen ermöglichen eine präzise Messung der Wellenhöhe. Gewisse Fische können negative Effekte verstärken.
Wörthersee

Motorboote, Segelboote, Linienschiffe - österreichische Seen werden intensiv für den Freizeit- und Tourismusverkehr genutzt. Das schlägt wortwörtlich Wellen und kann zugleich viel Schlamm aufwühlen und das Ökosystem belasten. 

Vermessungsspezialisten der TU Graz können millimetergenau untersuchen, inwieweit der Boots- und Schiffverkehr die Seen beeinflusst. Im Detail wurde das innovative System nun für den Wörthersee in Kärnten erprobt.

Österreichische Seen sind beliebte Ausflugsziele und werden auch intensiv für Freizeitaktivitäten wie Fahrten mit dem Elektro- oder Motorboot genutzt. Diese Aktivitäten sollten im Einklang mit den Bedürfnissen des Ökosystems See stehen, der Lebensraum für viele Tier- und Pflanzenarten ist. Der Bestand an Wasserpflanzen (Makrophyten) hat aber beispielsweise im Wörthersee in den vergangenen Jahren merklich abgenommen. Lokale Gewässerökologen sehen einen möglichen Verursacher im verstärkten Bootsverkehr.

Freizeitspaß mit Folgen

Am Wörthersee ist die Zahl der Bootslizenzen für Motorboote zwischen 2007 und 2025 von 400 auf rund 900 und damit auf mehr als das Doppelte gestiegen. Wie groß der Einfluss der Boots- und Schiffswellen auf die Uferzonen ist, wurde von den Instituten für Geodäsie sowie Wasserwirtschaft der TU Graz gemeinsam mit dem Kärntner Institut für Seenforschung und der FH Kärnten erhoben.

Die Ergebnisse würden zeigen, dass der See unter erheblichem Druck steht und die von Booten verursachten Wellen eine signifikante Auswirkung auf die ökologische Funktionsfähigkeit des Sees haben, wie die TU Graz am Donnerstag mitteilte. "Wir konnten erstmals wissenschaftlich belegen, wie stark Motorbootswellen zur Aufwirbelung von Sedimenten und damit zur Trübung des Wassers beitragen und insbesondere den Unterwasserpflanzen zusetzen", erklärte Philipp Berglez vom Institut für Geodäsie der TU Graz. Diese sogenannten Makrophyten gelten als Bio-Indikatoren für den Zustand eines Gewässers.

Millimetergenaue Vermessung von Wellen

Grundlage war ein neu entwickeltes Mess- und Simulationssystem zur Erfassung und Bewertung von Seewellen, das Aufschluss über das Zusammenspiel von Wellen, Sedimenten und Makrophyten gibt. Herzstück sind spezielle Messbojen, die mit Satellitenortung (GNSS) und Beschleunigungssensoren (INS) ausgestattet sind. Diese messen die Wellenhöhe mit einer Präzision von unter zehn Millimetern: Ein Novum, wie es vonseiten der TU Graz hieß: "Messbojen zur Wellenhöhenbestimmung sind bisher für maritime Anwendungen wie Tsunamiwarnungen ausgelegt und erreichen bei Weitem nicht die Messgenauigkeit für die deutlich kleineren Wellenbewegungen im See", betonte Berglez.

Neben ihrer Höhe kann das Monitoringsystem auch die Ursache der Wellen - Boote oder Wind - erkennen und klar unterscheidbar darstellen. Die FH Kärnten hat zudem eine KI-basierte Bootserkennung entwickelt, die es aufgrund von Drohnenaufnahmen zusätzlich erlaubt, die Wellen von Motor- und Segelbooten sowie Linienschiffen zu differenzieren und den Verursachern zuzuordnen.

Gewässerökologie und Meteorologie

Ergänzt wurde die Forschung durch gewässerökologische Untersuchungen, wie Trübemessungen und ein Monitoring der Wasserpflanzen, sowie meteorologische Erhebungen. Die Messdaten der zusätzlichen meteorologischen Erhebung wurden zu einem Wellenatlas zusammengeführt, der die Oberflächenwellen veranschaulicht und - unter Berücksichtigung der Uferverbauungen - zeigt, wie stark exponiert die Uferbereiche sind.

Die bisherigen Untersuchungen ergaben aber auch erste Aussagen über die Wirksamkeit von Schutzmaßnahmen. Laut den Experten zeigte sich, dass natürliche, unverbaute Buchten den besten Schutz vor den zerstörerischen Kräften der Wellen bieten. Schilfzäune können zwar helfen, den Wellengang vom Ufergürtel fernzuhalten bzw. dämpfen, aber gegen Bootswellen bieten sie keinen hundertprozentigen Schutz.

Auch Rolle der Fische im Fokus

Neben den Wellen und damit einhergehenden Strömungen dürften aber auch gewisse Fische ein wesentlicher Faktor für den Schwund der Makrophyten sein: Karpfen, Rotaugen und Rotfedern wühlen das Sediment auf, das sich dann an den Pflanzen ablagert und deren Photosynthese behindert. "In Kombination mit Bootswellen führt das zu einer gefährlichen Abwärtsspirale für die Pflanzenbestände", fasste es Berglez zusammen.

Die Seenmodelle lassen anhand punktueller Messungen Aussagen und Simulationen für den gesamten See zu. Ziel sei es nun, das Monitoringkonzept weiter auszugestalten und Langzeitdaten auch an weiteren Seen zu erheben. Das Projekt WAMOS wurde bisher von der Österreichischen Forschungsförderungsgesellschaft (FFG) in der Förderlinie Austrian Space Applications Programme 2022 gefördert.

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