Initiatoren der Plattform: Otto Simon (nicht auf dem Bild), Martina Buchinger, David Zistl und Stefanie Haslauer.

© KURIER/Gerhard Deutsch

Österreich
01/07/2015

Internet-Plattform bietet WG-Zimmmer für Flüchtlinge

Auf einer Online-Plattform werden jetzt Flüchtlinge und Wohngemeinschaften miteinander vernetzt.

von Julia Schrenk

In seinem Haus ist Platz für einen oder zwei Flüchtlinge. Als sich Otto Simon beim Amt der steiermärkischen Landesregierung erkundigte, was er tun muss, um Flüchtlinge privat aufnehmen zu können, habe man ihm gesagt: "Na, das zahlt sich ja gar nicht aus für Sie." Doch ums Geld geht es Otto Simon (50) nicht. Er will helfen. So wie auch Martina Buchinger (22), David Zistl (25) und Stefanie Haslauer (30). Gemeinsam haben die vier den Österreich-Ableger der in Deutschland gegründeten Plattform "Flüchtlinge Willkommen" gegründet.

Seit Sonntagabend ist die Plattform online (www.fluechtlinge-willkommen.at). Alle vier haben von dem deutschen Projekt gehört und wollten das auch in Österreich umsetzen. Die Initiatoren in Deutschland haben die vier schließlich miteinander vernetzt.

Kennengelernt haben sie einander erst vor knapp drei Wochen. "Wenn wir es schaffen, nur ein bisschen Integration zu fördern, hat es sich schon ausgezahlt," sagt Stefanie Haslauer. Die 30-Jährige aus Baden bei Wien wollte "nicht immer reden, sondern auch etwas tun".

Das Konzept

Die Konzept von "Flüchtlinge Willkommen" ist einfach erklärt (siehe Info-Bericht): Wer ein Zimmer in seiner Wohngemeinschaft oder seinem Haus frei hat, meldet das online. Die Initiatoren treten dann mit NGOs in Kontakt und vermitteln der WG einen oder mehrere Flüchtlinge. Bevor ein Vertrag zur Untermiete abgeschlossen wird, können Flüchtling und WG-Mitglieder einander kennenlernen.

Einen Flüchtling "aussuchen" kann man sich freilich nicht. "Wir versuchen aber auf Wünsche einzugehen", sagt Initiatorin Martina Buchinger. "Wenn eine Mädchenwohngemeinschaft zum Beispiel nur eine Frau aufnehmen will, ist das okay." Bekannte von Buchinger haben in deren WG in Berlin schon einen Flüchtling aufgenommen. "Ich fand das wundervoll." In ihrer Studenten-WG sei zwar derzeit kein Zimmer für einen Flüchtling frei. Aber: "Wenn ich umziehe, ist das definitiv eine Option."

Sobald der WG ein Flüchtling vermittelt wurde, startet die Finanzierung. Zuständig dafür ist die Wohngemeinschaft. "Man fragt Eltern und Freunde um Spenden oder startet ein Crowdfunding-Projekt", sagt Initiator Otto Simon. Dem Flüchtling bleiben dann pro Monat 320 Euro (120 Euro Mietzuschuss, 200 für das tägliche Leben) aus den Mitteln des Fonds Soziales Wien.

Noch wurde über "Flüchtlinge Willkommen Österreich" kein Flüchtling vermittelt – aber das soll sich bald ändern. Demnächst will man sich mit Caritas, Diakonie und Flüchtlingshilfe vernetzen. Und wenn alles klappt, wird man bald über "Flüchtlinge Willkommen" die ersten Flüchtlinge willkommen heißen.

So wird man zum Quartiergeber

Über die in Deutschland gegründete Plattform „Flüchtlinge Willkommen“ werden Flüchtlinge und Wohngemeinschaften miteinander vernetzt. Ziel ist es, Flüchtlinge abseits von Massenunterkünften unterzubringen. Seit Sonntagabend gibt es jetzt „Flüchtlinge Willkommen“ auch in Österreich.

Wer ein freies Zimmer in seiner Wohnung oder im Haus hat, meldet das online und bekommt von den Initiatoren der Plattform einen Flüchtling vermittelt. Dieser muss den Behörden einen „Privatverzug“ melden, anschließend wird ein Mietvertrag abgeschlossen (und beim Finanzamt vergebührt). Für die Finanzierung der Miete ist die WG zuständig.

Aufgenommen werden können Flüchtlinge, die zum Asylverfahren zugelassen wurden oder bis zum Zeitpunkt ihrer Abschiebung eine Unterkunft brauchen.

Wer kein freies Zimmer hat, aber trotzdem helfen will, kann übrigens eine Patenschaft für einen Flüchtling übernehmen oder einfach spenden.

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