Chronik
19.08.2015

HCB-Teststopp sorgt für Zwist

Kontaminierte Rinder werden nach Wartezeit ohne Beprobung freigegeben.

Wenn sich Politiker und Beamte der Landesregierung aus Klagenfurt ins nicht allzu ferne Görtschitztal bemühen, um dort die Bürger über den aktuellen Stand im Hexachlorbenzol-Skandal zu unterrichten, bleibt es nicht bei der Information. Denn dann schwappen stets die Emotionen über – wie in Eberstein am Montagabend. Stein des Anstoßes ist diesmal die Entscheidung des Landes, kontaminierte Rinder nach Ablauf einer Wartezeit zur Schlachtung freizugeben – ohne neuerliche HCB-Beprobung.

"Meine Familie ist mit HCB belastet, ich selbst und meine Tiere. Und jetzt sollen die Rinder nicht mehr untersucht werden. Das ist ja lachhaft", ruft Isa Priebernig. Sie bezieht sich auf ein Schreiben des Landes, das an Hunderte Bauern erging und in dem es heißt, dass mit HCB belastete Rinder nach Ablauf einer Wartezeit nicht mehr getestet und zur Schlachtung freigegeben werden, weil der HCB-Gehalt automatisch unter den gesetzlichen Grenzwert falle. "Skandal ist ein Hilfsausdruck für dieses Handeln. Aber das Land hat ja kein Geld mehr für die Beprobungen", vermutet Horst Reichmann aus Brückl.

"Geld-verprassen"

Besagter Brief stammt von Landesveterinär Holger Remer, der erklärt: " 188 Tage nach dem Futtermitteltausch sind Rinder HCB-frei. Flächendeckende Tests wären sinnloses Geld-Verprassen."

Gesundheitsreferentin Beate Prettner (SPÖ) will die Causa noch einmal überdenken. Umweltreferent Rolf Holub (Grüne) wischt indes eilig die Befürchtung vom Tisch, Labors würden aufgrund der angespannten Kärntner Finanzlage Beprobungen verweigern. "Wir haben um 230.000 Euro ein Gerät für HCB-Tests erworben. Diese können künftig in Klagenfurt durchgeführt werden."

Ansonsten bleiben die Bürger ziemlich ratlos zurück. HCB-Grenzwerte für die betroffene Bevölkerung müssten gesenkt werden, unterstreicht Hans-Peter Hutter von der MedUni-Wien.

Erneut wird von Seiten des Landes deponiert, dass Obst und Gemüse aus den eigenen Gärten unbedenklich sei. "Aber bei Wild und Fischen würde ich nicht so leichtfertig Entwarnung geben, wie es das Land tut", betont Helmut Burtscher von Global 2000.

Und da wären noch 140.000 Tonnen kontaminierter Blaukalk, die in Brückl lagern und – so die Befürchtung der Görtschitztaler – wieder im Zementwerk in Klein St. Paul landen könnten. "Diese Wahrscheinlichkeit ist sehr, sehr gering", betont Holub. Die Reaktion von Greenpeace-Chemiker Herwig Schuster: "Ich bin mir nicht ganz so sicher wie der Herr Landesrat."