„Wahlkampf ist meins“, sagt Siegfried Nagl. Er muss es wissen, der 53-Jährige ist bereits zum vierten Mal Spitzenkandidat der ÖVP in Graz

© APA/ERWIN SCHERIAU

Analyse
01/28/2017

Graz wählt: Die Nagl-Probe

Die ÖVP inszenierte eine One-Man-Show. Platz zwei wird Match zwischen ganz links und rechtsaußen.

von Elisabeth Holzer

"Kurz, dezent und unaufdringlich." Sigrids Beschreibung des Grazer Wahlkampfes ist höflich im Vergleich zu Einschätzung Wiener Journalisten, die das Auf und Ab der angeblich nicht wahlkämpfenden Bundesregierung gewöhnt sind. Sie nennen ihn nämlich despektierlich langweilig und fad.

Dabei geht es um Neuwahlen in Graz, das allein hätte schon für Spannung sorgen können. Dann die FPÖ, die durch die Formulierung "Fremd in der eigenen Stadt?" auf ihren Plakaten zum typischen Ausländer-Wahlkampf ansetzte.

Auch der Auslöser für die Neuwahlen wäre ein heißer Kandidat für Kontroversen gewesen: Wasserkraft, ja oder nein? Millionenverschwendung oder doch Aufwertung der Stadt? Das hätte Platz für hausgemachte Spannung geboten: Erst der Streit um das neue Murkraftwerk ließ im November das Budget und somit jede Regierungsarbeit platzen.

ÖVP-Stadtchef Siegfried Nagl setzte danach aber flugs den frühestmöglichen Wahltermin fest und sich seither in Szene: Eine Ex-Profisportlerin, ein Szene-Gastwirt und gar ein Ex-SPÖ-Stadtrat stehen an seiner Seite. Die ÖVP ordnete im Wahlkampf alles der Nagl’schen Konstante unter, die es seit 2003 im Rathaus gibt.

Ein Routinier

"Nagl nimmt seine Partei mit", analysierte Politologe Peter Filzmaier vor Kurzem. "Ohne Nagl bräuchte die Grazer ÖVP vom Dreier vor dem Ergebnis nicht einmal träumen." Es ist Nagls viertes Mal als Spitzenkandidat. "Wahlkampf ist meins", ließ er sich bei einem Medientermin entlocken und bestätigte damit unbewusst die Nag(e)l-Probe. Klappt seine Wohlfühl-Strategie jetzt, könnte es in ein paar Jahren doch der Poker um den Landeshauptmann werden.

Und die anderen? Die haben sich längst mit dem Kampf um die hinteren Ränge abgefunden. Platz Zwei macht es dann doch wieder spannend: KPÖ und FPÖ rittern darum, also ganz links gegen rechts. Das ist schon ungewöhnlich, aber typisch für die launische Grazer Wechselwählerschaft.

45 Minuten nach Wahlschluss dürfte der Sieger feststehen

Wähler

228.856 Menschen sind bei den Gemeinderatswahlen stimmberechtigt, so viele wie nie zuvor, 2012 waren es 209.895. Unter ihnen sind auch rund zwölf Prozent EU-Bürger mit Grazer Hauptwohnsitz. Weiters gibt es 25.364 Wahlberechtigte für den Migrantenbeirat, der zeitgleich gekürt wird.
Wahlbeteiligung Schon 2012 war die größte „Partei“ jene der Nichtwähler 44,5 Prozent der Stimmberechtigten blieben zu Hause, die Wahlbeteiligung betrug bloß 55,5 Prozent.

Neben der Briefwahl existiert auch der vorgezogene Wahltag zehn Tage vor dem Termin, der wählen leichter macht: Freitag waren einige Wahllokale bis 20 Uhr geöffnet. 9698 Grazer nutzten diese Möglichkeit. Das sind 4,35 Prozent der Wahlberechtigten. 2012 waren es 4,19 Prozent.


Wahlbeisitzer

In Graz gibt es 268 Wahlsprengel. ÖVP und KPÖ stellen als stimmenstärkste Fraktionen die Beisitzer in den Wahllokalen, sie haben 600 nominiert. Die anderen im Gemeinderat vertretenen Parteien dürfen Vertrauensleute schicken, die bei Stimmabgabe und -auszählung dabei sind. Die Stadt bestellte von Amts wegen 700 Beisitzer. Damit die Auszählung nicht wie bei der ersten Bundespräsidenten-Stichwahl in Verruf gerät, gab es im Vorfeld Schulungen


Wahlergebnis Wahlschluss ist 16 Uhr. Ein brauchbarer Trend ist ab 16.45 Uhr zu erwarten, da dürften 20 Prozent der Stimmen ausgezählt sein. Das vorläufige Endergebnis soll um 20 Uhr feststehen, Montag dann das endgültige samt Briefwahlstimmen: www.wahlergebnis.graz.at

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