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Blue Jeans, Sinatra und Elvis: Was wir den USA alles zu verdanken haben

Die USA haben in ihrer 250-jährigen Geschichte als Mutterland der Demokratie und als Land der unbegrenzten Möglichkeiten auch schon bessere Zeiten gesehen. Doch ihre historischen Leistungen sind uns allen zugute gekommen.
Humphrey Bogart und Ingrid Bergman stehen in Trenchcoats und Hüten vor einer Filmkamera.

Amerika brachte uns die Blue Jeans, den Jazz und das Musical. Nicht, dass von dort aus nur Segnungen nach Europa gelangt wären, aber vieles davon hat unser Leben bereichert. Seien es Coca-Cola, McDonald‘s, Frank Sinatra, der Kaugummi oder die „Ami-Schlitten“ genannten schönen, alten Autos.

Der Import amerikanischer Produkte begann schon mit Christoph Columbus, der auf seiner Rückreise von dem neu entdeckten Kontinent viele, bis dahin in Europa unbekannte Pflanzen und Früchte mitbrachte, darunter Kartoffeln, Erdnüsse, Bohnen, Paprika, Kürbis, Ananas, Kakao, Vanille und – leider auch – den Tabak.

15 Millionen Autos

Jahrhunderte nach der Entdeckung Amerikas sollten die USA Europa entdecken – als Absatzmarkt für Waren, die die Industrialisierung mit sich brachten. Im Jahr 1903 gründete der damals 40-jährige gelernte Maschinist Henry Ford die Ford Motor Company, mit deren Fahrzeugen er zunächst den amerikanischen Markt überschwemmte. In den Jahren 1909 bis 1927 verkaufte er allein vom Modell T (Ford Lizzy) – dem ersten Auto, das am Fließband hergestellt wurde – mehr als 15 Millionen Fahrzeuge. Heute zählt Ford zu den größten Automobilkonzernen der Welt, hat aber mit der Konkurrenz aus China zu kämpfen. Weitere Erfolgsmarken sind Cadillac, Chevrolet und Chrysler, deren edel geschnittenen Limousinen aus den 1950er- und 1960er-Jahren Klassiker sind und bleiben.

Ein roter Chevrolet Oldtimer fährt vor einem Gebäude mit kubanischen Flaggen und blühenden Flammenbäumen vorbei.

Die schönen „Ami-Schlitten“: Chevrolet Bel Air, 1956.

Der Erfinder Edison

Ehe Henry Ford sein Autoimperium gründete, war er in der Edison Illuminating Company des Erfinders Thomas Alva Edison tätig. Der machte den amerikanischen Traum wahr und schaffte es tatsächlich vom Zeitungsverkäufer zum Multimillionär, indem er mehr als 2.000 Produkte zum Patent anmeldete. Edison vervollkommnete Glühbirne und Telefon, er erfand den Phonographen (Sprechmaschine) und das Kinetoskop.

Dem Kinetoskop wiederum verdanken wir das erste Abspielen von Filmen und somit die Gründung der Traumfabrik Hollywood, einer weiteren Institution, die uns von Amerika „geschenkt“ wurde. Die frühen US-Stummfilme waren in New York gedreht worden, bis 1904 einem Regisseur der Kragen platzte, weil dort wegen oftmaligen Regenwetters jeder zweite Drehtag ins Wasser fiel. Die Rettung hieß Kalifornien, das Land der ewigen Sonne, wohin er mit seinem Filmteam zog und ein paar brachliegende Grundstücke kaufte, die später als Hollywood Geschichte schrieben.

Ja, und hier drehten sie alle, Humphrey Bogart und James Dean, Cary Grant, Grace Kelly, John Wayne, Marilyn Monroe, Liz Taylor, Leonardo DiCaprio, Meryl Streep … und jeder ihrer Filme lief auch in unseren Kinos. Nicht genug damit, kleideten wir uns wie die Hollywoodstars, richteten unsere Küchen ein wie die in der Filmhandlung, ließen uns wie sie die Haare schneiden, rauchten Marlboro und tranken wie sie Coca-Cola.

Das Geschäft mit Cola

„Coke“ war 1886 in Atlanta als Medizin-Sirup kreiert worden und wurde erst, als man es mit Sodawasser anreicherte, zum Modegetränk. Darüber hinaus sollte das vorerst angeblich kokain- und koffeinhaltige Coca-Cola – das Rezept wird bis heute geheim gehalten – gegen Müdigkeit, Kopfschmerzen, Depressionen und Impotenz helfen. Neben dem Geschmack ist der Drink auch ein Produkt genialer Marketingstrategie. Während der Apotheker Asa Griggs Candler die Rechte an Coca-Cola gegen Ende des 19. Jahrhunderts um 2.300 Dollar gekauft hatte, verkaufte sein Sohn dieselben Rechte 1919 für 25 Millionen! Seit den späten 1920er-Jahren wird Coca-Cola auch in Europa vertrieben, heute ist es das weltweit meistverkaufte Cola-Produkt.

Musik aus den USA

Etwas härtere Getränke nahm „The Rat Pack“ (Rattenmeute) zu sich, bestehend vorrangig aus Frank Sinatra, Sammy Davis Jr. und Dean Martin. Sie brachten den Swing via Schallplatte nach Europa. Aber auch der Jazz, verkörpert durch Größen wie Louis Armstrong und Ella Fitzgerald, das Musical, geschaffen von George Gershwin und Leonard Bernstein, und der Rock ‘n‘ Roll eines Elvis Presley sind unverkennbar Made in USA.

Elvis Presley steht mit Gitarre vor gestreiftem Bühnenhintergrund.

Die Welt verdankt den USA Elvis Presley und auch die 1873 in San Francisco zum Patent angemeldeten Jeans.

Von dort kommen auch McDonald‘s, der Kaugummi, die Harley-Davidson-Maschinen, die Antibabypille (wiewohl vom Wiener Carl Djerassi entwickelt), der Marshallplan, Zahnpasta, Hochhäuser, Kaufhäuser, Fernsehshows, die Werbung ...

Ehemaliger Hausierer

... und die Jeans. Diese hatte der in der Nähe von Bamberg geborene und in die Vereinigten Staaten ausgewanderte Kaufmann Levi Strauss im Jahr 1873 in San Francisco zum Patent angemeldet. Die aus einem festen Baumwollstoff, verstärkt durch Metallnieten, erzeugte Hose wurde anfangs – weil besonders strapazierfähig – an Goldgräber verkauft. Mit gigantischem Erfolg. Der ehemalige Hausierer Levi Strauss errichtete eine Fabrik mit mehr als 500 Angestellten. Nach seinem Tod im Jahr 1902 wurden die Blue Jeans zum Modeartikel, der nach dem Zweiten Weltkrieg durch US-Soldaten nach Europa und somit auch nach Österreich gelangte. Heute hat die Firma Levi Strauss & Co weltweit 15.000 Mitarbeiter, sie liefert ihre Produkte in 100 Länder und schreibt einen Umsatz von 6,2 Milliarden Dollar.

Bewunderung aus Europa

Generationen von Europäern haben bewundernd aufgeschaut auf das Land der unbegrenzten Möglichkeiten, mit seinem Wohlstand und der ältesten durchgehenden Demokratie der Welt, die uns von Hitler befreite.

Doch die Geschichte hat sich gewandelt. Heute blicken nicht wenige US-Bürger auf europäische Länder, um deren inneren Frieden und deren soziale Sicherheit zu bestaunen.

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