Causa Ruck: Der Walter bleibt (vorerst) - aber wo ist Michi?
Zusammenfassung
- Wiens ÖVP will nicht länger für Walter Ruck salutieren: In der Stadtpartei formiert sich Widerstand gegen den Wirtschaftsbund-Chef.
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Oft erwarten wir mit Spannung, was politisch am Tag passieren wird. An manchen Tagen ist aber sogar noch spannender, was nicht passieren wird. Heute ist einer dieser Tage.
Nicht stattfinden wird heute das von ÖVP-Wirtschaftsminister Wolfgang Hattmannsdorfer angekündigte Pressegespräch zum Thema „Versorgungssicherheit, Netzausbau und Trassenfreihaltung“. Es wurde gestern am Abend um 20:50 Uhr kurzfristig abgesagt.
Der Grund liegt wohl in den neuesten Publikationen in der Causa Walter Ruck. Wie berichtet, steht der Präsident der Wiener Wirtschaftskammer heftig in der Kritik, seit Medien ein Wortprotokoll eines vermeintlich vertraulichen Gesprächs veröffentlichten, in dem der ÖVP-Politiker allerlei Unappetitliches gesagt haben soll.
Gestern am Abend gab es Nachschub. Wie das profil berichtet, soll Ruck in dem Gespräch auch - und hier schließt sich der Kreis - Wolfgang Hattmannsdorfer mit abschätzigen Kommentaren bedacht haben: Der Minister sei eher der Typ „Sachbearbeiter und Vorstandsassistent“, soll Ruck unter anderem über ihn gesagt haben. Auch Industrielle beleidigte der Wiener Wirtschaftskammer-Chef - er nannte sie laut Protokoll „degeneriert“.
Hattmannsdorfer will - um in der Diktion zu bleiben - die „Sache“ wohl nicht morgen Früh vor den Medien „bearbeiten“ - und sagte deshalb ab. Ein Statement zur heiklen Causa ist, wie man hört, aber dennoch zu erwarten. Es ist davon auszugehen, dass es wenig freundlich ausfallen wird. Der gebürtige Oberösterreicher kann - das wissen jene, die ihn besser kennen - durchaus ungemütlich werden.
Die Causa hat Ruck gestern - wie berichtet - schon mehrere Rücktrittsaufforderungen eingebracht; darunter eine von seinem Parteichef und Kanzler Christian Stocker. Ruck ließ antworten: Der „Walter“ bleibt.
In der Wiener ÖVP wächst unterdessen der Ärger, den die Funktionäre - und Funktionärinnen! - auch verbalisieren: Kritik kommt unter anderem von ÖVP-Frauen-Chefin Sabine Keri und Seniorenbund-Chefin Ingrid Korosec. Wiens ÖVP-Obmann Markus Figl hätte die seltene Chance, sich vom mächtigen Wirtschaftskammer-Boss zu emanzipieren.
Nichts passieren wird morgen übrigens wohl auch bei der Wiener SPÖ. Und das ist sogar noch spannender. (Und eigenartiger.) Denn Wiens Bürgermeister Michael Ludwig gilt als derjenige, der die Zukunft von seinem Freund Walter Ruck nun in der Hand hat.
Alle warten gespannt, ob der „Michi“ (wie ihn Ruck laut Protokoll gerne nennt) den Daumen nach oben reckt oder ihn senkt. Wie der KURIER erfuhr, wird es wohl noch dauern, bis sich Ludwig an die Öffentlichkeit wagt.
Bleibt abzuwarten, was sonst noch alles nicht passiert an diesem schönen Dienstag.
Ihr Christoph Schwarz
PS: Sie können ganz beruhigt sein. Hattmannsdorfers Büro hat angekündigt, das Pressegespräch zum Thema Versorgungssicherheit zu einem späteren Zeitpunkt nachzuholen.