Frühdienst Test Artikel
Zusammenfassung
- Warum Symbolik wirkt
Martin Gebhart über kirchliche Gespräche, internationale Auftritte und ihre Bedeutung für die FPÖ
- Die wichtigsten Meldungen des Tages
Pilnacek-U-Ausschuss und neue Befragungen, Bablers und die Medienkompetenz, Trumps ICE-Rückzug und die vergessenen Krisen 2025 weltweit sowie aktuelle Zahlen zu E-Auto-Neuzulassungen.
- Der Blick von außen
Michael Pammesberger zur Weltlage: Hä. Wos? – Glei’ ...
Drei Stunden lang wurde am Samstag im Stephansdom die Weihe des neuen Wiener Erzbischofs Josef Grünwidl gefeiert. Es war ein Fest für die katholische Kirche, im Dom wurde gleich mehrmals Applaus gespendet. Mit Josef Grünwidl und seinem Vorgänger Christoph Schönborn feierten nicht nur alle weiteren österreichischen Bischöfe sowie die Vertreter anderer Kirchen, sondern auch die Politik. Allen voran Bundespräsident Alexander Van der Bellen, Kanzler Christian Stocker, Innenminister Gerhard Karner sowie die Landeshauptleute Johanna Mikl-Leitner und Michael Ludwig. Nicht dabei waren hohe Vertreter der FPÖ bei dieser hl. Messe. Wer den Grund dafür in so manchen Differenzen zwischen der katholischen Kirche und der FPÖ sah, lag falsch. Die FPÖ hatte zwei Tage vor der Bischofsweihe ein Treffen mit Vertretern der Bischofskonferenz. Parteichef Herbert Kickl war mit seinem engsten Umfeld - Michael Schnedlitz, Christian Hafenecker, Susanne Fürst, Udo Landbauer und Christian Schandor - ins Erzbischöfliche Palais in der Wiener Innenstadt gekommen, um mit den Bischöfen eine Aussprache zu führen. Ihnen gegenüber saßen die Bischöfe Franz Lackner, Wilhelm Krautwaschl, Manfred Scheuer sowie der Generalsekretär der Bischofskonferenz, Peter Schipka. Öffentlich wurde danach nur verlautet, dass es ein "konstruktiver Austausch in respektvoller Haltung" gewesen sei. Ein überraschend positives Resümee, nachdem es Wochen davor einen verbalen Konflikt zwischen Kickl und Erzbischof Lackner gegeben hatte. Der Anlass: Der Umgang der FPÖ mit christlichen Zitaten.
Jetzt ist dieses Treffen der Bischöfe mit der FPÖ nichts Außergewöhnliches. Der Spitze der katholischen Kirche pflegt immer wieder den Austausch mit den Parteien. Nach der FPÖ wird es auch Treffen mit anderen Parlamentsfraktionen geben. Irritierend war nur für viele, die am Samstag den Gottesdienst im Stephansdom besucht hatten, dass das Treffen just vor der Bischofsweihe angesetzt worden war. Wirklich freuen darüber konnte sich nur Herbert Kickl, der das auch tat. Noch am Freitag postete er das offizielle Foto vom Treffen auf mehreren sozialen Plattformen. Nach dem Motto: Wir werden von den offiziellen Vertretern der katholischen Kirche in Österreich respektiert. Dieses Bild wird höchstwahrscheinlich auch in Zukunft auftauchen, wenn es darum geht, diese Gesprächsbasis zu dokumentieren.
Ein ähnlich hochrangiges Händeschütteln gab es am Wochenende auch in Israel. Da war der EU-Abgeordnete der FPÖ, Harald Vilimsky, bei einem Treffen mit Israels Ministerpräsident Benjamin Netanyahu. 45 Minuten habe das Gespräch mit Netanyahu gedauert, wurde danach vom Freiheitlichen Parlamentsklub per OTS verkündet. Mit dabei ein Foto, das Vilimsky mit Netanyahu zeigt. Für die FPÖ ist das erneut eine Art Dokument, das sicherlich auch innenpolitisch eingesetzt werden wird. Rechtzeitig vor dem Holocaust-Gedenken im Parlament ist es an die Öffentlichkeit gelangt. Wohl sehr zum Ärger mancher hoher Vertreter der Israelitischen Kultusgemeinde in Wien, die ja mit der FPÖ nichts zu tun haben will. Deren Vertreter waren es, die verhindert haben, dass FPÖ-Parlamentspräsident Walter Rosenkranz beim Nationalfonds für Opfer der Nazis und bei den Gedenkfeiern eine Rolle spielt. Jetzt müssen sie zur Kenntnis nehmen, dass der israelische Ministerpräsident solche Berührungsängste nicht kennt. Dazu kommt, dass in wenigen Tagen Bundeskanzler Christian Stocker nach Israel reist, um unter anderem Benjamin Netanyahu zu treffen. Im Bundeskanzleramt wird man jedenfalls genauso wenig über dieses Händeschütteln mit den EU-Patrioten erfreut sein.
Auch wenn so mancher diese Fotos nur für Symbolpolitik hält, sie bleiben dennoch im Gedächtnis haften. Die FPÖ wird das mit Zufriedenheit registrieren. So wie sie am Sonntag über einen Wahlerfolg in der niederösterreichischen Landeshauptstadt St. Pölten jubeln konnte. Deren Spitzenkandidat Martin Antauer für die Blauen von rund 9 auf 19 Prozent. Kleiner Wermutstropfen: Das Ziel, den zweiten Platz hinter der SPÖ zu erlangen, wurde verfehlt. Diese Platzierung konnte die ÖVP halten. Der große Wahlverlierer war an dem Abend SPÖ-Bürgermeister Matthias Stadler, der 13 Prozentpunkte mit seiner Partei einbüßen musste und damit auch die absolute Mehrheit verloren hat. Dazu hätte man ihn in der ZIB2 gerne befragt, sein Kommen war auch angekündigt worden. Dieses Händeschütteln am Küniglberg gab es aber dann doch nicht. Matthias Stadler hatte kurzfristig abgesagt.
Es bleibt also spannend und dynamisch. Das wünsche ich Ihnen auch persönlich in dieser Woche.
Martin Gebhart