In ein paar Tagen geht es hier wieder rund: Der Formel-1-Zirkus kehrt nach zehn Jahren Pause wieder nach Spielberg zurück. Manchen ist es dort aber nicht nur an diesen paar Tagen zu laut.

© APA/ERWIN SCHERIAU

Spielberg
06/16/2014

Formel 1 kurz vor der Rückkehr

Die Fans rüsten sich für den Grand Prix, doch manchem Anrainer ist es zu laut.

von Elisabeth Holzer

Die Geburtstagsfeier zum 70er auf dem Red-Bull-Ring hat Dietrich Mateschitz gespritzt. Sei’s drum, die Spielberger feierten ohne ihn und hielten ein paar "Danke, Didi"-Transparente in die Höhe.

Geschenke braucht der reichste Österreicher ohnehin vermutlich keine, die hat er selbst verteilt: Das "Projekt Werkberg" machte kolportierte zehn Millionen Euro für jene Ortsbewohner flüssig, die ihre Häuser schmuck herrichteten, für die Gemeinden rund um den Red-Bull-Ring gab’s 1000 Fahrräder. Mit dem Radl zum Rennen wird im TV-Werbespot die umweltfreundliche Anreise zum Motorsportspektakel am Sonntag angepriesen.

Siegfried Madl steht auf einer der Tribünen, die neu errichtet wurden. "Viele sagen, Mateschitz kauft sich die Leut’. Aber da gibt’s jetzt viel Neid von denen, die nichts gekriegt haben", überlegt er. "Eigentlich hat er sehr viel für die Region getan."

Erzherzogs Almosen

Einer, von dem die Kritik am Ring schon erwartet wird, ist Karl Arbesser. Er gehört zu jenen zehn Anrainern, die mit ihrem Einspruch gegen das steirische Veranstaltungsgesetz die Schattenseiten aufzeigen. "Ich habe keine Lust zu kommentieren, wofür Herr Mateschitz Geld ausgibt. Er kann heizen damit, wenn er will", sagt Arbesser. "Aber das hat für mich den Geruch des erzherzoglichen Almosentums, wenn mildtätige Gaben unters Volk gebracht werden."

Arbesser ist der einzige der Gruppe, der sich namentlich äußert. Nur anonym traut sich auch ein zweiter Anrainer aus der Deckung. "Wir sind nicht gegen den Grand Prix, die paar Tage im Jahr sind nicht das Problem", beteuert der Mann. "Aber von April bis September ist da immer was los, von 8.30 bis 20 Uhr." Er überlege wegzuziehen. "Der Lärm ist unerträglich." Erich, 80, zieht auf dem Mountainbike seine Runden beim Ring. Lärm? Er zeigt gegen den Himmel. "Die Abfangjäger fliegen da wie die Wilden. Aber da hat niemand was davon, außer den Piloten."

Allein im Mai habe es an 25 Tagen Motorsportveranstaltungen am Ring gegeben, rechnet aber Arbesser vor. "Ich will ja das Projekt nicht umbringen. Aber wenn man zum Schlafen in den Keller gehen muss, dann verdrießt einen das schon." Am Ringgelände schaut sich derweil Harald aus St. Veit an der Glan in Kärnten um. Er sieht das Ganze pragmatisch. "Die Leut’ hier werden lernen müssen, damit zu leben."

Mithilfe ihres Wiener Anwalts Lorenz Riegler will das kleine Grüppchen rechtliche Unterstützung von ganz oben holen. Sie haben das erst 2012 geänderte steirische Veranstaltungsgesetz vor den Verfassungsgerichtshof gebracht: Weil es die Anrainerrechte eliminiere, sei es verfassungswidrig.

Doch der Grand Prix ist exakt nach jenem Gesetz bewilligt worden, statt eine neue Umweltverträglichkeitsprüfung zu machen. "Das ist so, als hätte man einen Flughafen und prüft nur, wie sich das Gebäude und die Piste auf die Nachbarn auswirken", vergleicht Riegler. "Aber wie viele Flugzeuge dort fliegen, gilt als Veranstaltung, und da werden Anrainer nicht gefragt."

2007 wurde der Ring als Teststrecke mit Rennsporttauglichkeit genehmigt. Die damals bewilligten 25.000 Besucher pro Tag wurden sukzessive erweitert, bis es nun am Rennsonntag 95.000 sein werden, am gesamten Wochenende 225.000. Das Höchstgericht wird aber nicht vor Herbst entscheiden: Sollte es das Gesetz tatsächlich kippen, bliebe bis zum nächsten Grand Prix Zeit zur Reparatur.

Es heißt, an die 240 Millionen € wurden in das Gesamtprojekt gesteckt, die Formel 1 allein komme auf 40 Millionen €. KPÖ-Gemeinderat Erich Wilding stößt sich an den Landeszuschüssen. "Sicher hat er viel Geld reingesteckt. Es hat natürlich auch ein Herr Mateschitz auf Steuergelder zurückgegriffen." Drei Millionen € Projektförderung kamen vom Land Steiermark. "Das hätte man auch anders verwenden können, für Projekte zur Energieautarkie vielleicht", kommentiert Wilding. "Ich halte das für eine verfehlte Politik in Zeiten des Klimawandels."

Im Land kontert man mit Studien: 74 Millionen Euro Wertschöpfung gäbe es allein am Rennwochenende. Auch Zimmervermieter reiben sich die Hände: Die Region Murtal ist ausgebucht, Grand-Prix-Fans nächtigen bis hinunter nach Graz und hinüber nach Kärnten. Lärm-Aufpasser Arbesser nickt. "Schon wahr. Aber es rettet keinen einzigen Betrieb, wenn er eine Woche ausgebucht ist."

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