Initiative
02/27/2013

Experten fordern längere Schulpflicht

Elternberatung und Schülergespräche sollen Schulabbrüche verhindern

von Ute Brühl

25.000 Schüler verlassen jedes Jahr die Schule, ohne sinnerfassend lesen zu können. Viele haben zwar ein Hauptschulzeugnis in der Hand. Doch das sagt offensichtlich wenig darüber aus, was die Jugendlichen wirklich können. Das kritisiert Soziologe Mario Steiner vom Institut für Höherer Studien. Auch Konrad Zimmermann vom Nachhilfeinstitut Lernquadrat ist das ein Dorn im Auge.

Steiner weist darauf hin, dass besonders Migranten sich mit dem Lesen schwer tun. „Zwei Drittel der Kinder, die in der erster Generation hier sind, haben große Schwierigkeiten, einfache Texte zu verstehen. In der zweiten Generation sind es immer noch mehr als 40 Prozent. Damit ist Österreich in der EU das Schlusslicht, wenn es darum geht, den Zuzüglern die Landessprache beizubringen“, sagt Steiner.

Ärgerlich ist für Steiner ein weiterer Aspekt: „Viele Migranten werden in die Sonderschule abgeschoben. Nicht weil sie Lernprobleme haben, sondern weil sie die deutsche Sprache nicht ausreichend beherrschen.“ Das habe Folgen für die Volkswirtschaft: „Wer schlecht ausgebildet ist, bekommt keine oder nur schlecht bezahlte Jobs. Er wird sein Leben lang auf Transferzahlungen angewiesen sein.“

Dem Soziologen machen nicht nur die Jugendlichen Sorgen, die zu früh aus dem System fallen. „Auch die 20.000 Schulabbrecher, die in Oberstufenklassen scheitern, brauchen Hilfe.“ Lernexperte Zimmermann nimmt die Politik in die Pflicht: „Es ist das Schulsystem, das versagt“, kritisiert er. „Die Schulen sind zu sehr am Gängelband der Parteien. Schulposten werden nach Proporz vergeben. Höchste Zeit, den Parteien diese Pfründe zu entreißen.“

Die Politik scheue sich, den Schulen auf die Finger zu schauen. Soziologe Steiner kritisiert, dass „in Österreich die Schulen zu wenig für die Ergebnisse verantwortlich gemacht werden, die sie produzieren“. Erfolgreiche Länder zeigen, wie es geht, meint Zimmermann: „Die Schulen entscheiden vor Ort über Budget, Personal und Unterrichtsform. Ob die Schüler Lernfortschritte machen, wird von externen Prüfern kontrolliert.“

Schulpflicht

Das alleine genüge nicht, meint Zimmermann und fordert: „Die Schulpflicht muss bis 17 Jahre angehoben werden. Die Schulen müssen ihre Drop-out-Rate offenlegen, damit Eltern einen Qualitätsvergleich haben. Die pädagogische Ausbildung der Lehrer an berufsbildenden Schulen muss besser werden.“

Das Nachhilfeinstitut wolle einen Beitrag leisten, um die Zahl der Schulabbrecher zu verringern. „Wir bieten Elterngespräche an. Wo Eltern das wollen, nehmen wir Gespräche mit Lehrern auf. Wir beraten Schüler, welcher Schultyp wohl am geeignetsten ist. Wir moderieren Gespräche in der Schule. Alle Angebote sind kostenlos.“

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