Chronik | Burgenland
12.02.2017

Zwischen Sautanz und Haute Cuisine

Im Gasthof Gregorits wird den Bräuchen des zweisprachigen Dorfes gefrönt und ausgezeichnet gekocht.

"Ich bin im Wirtshaus aufgewachsen. Da war es nie ein Thema, dass ich den Betrieb einmal übernehme", sagt Paul Gregorits. Im gleichnamigen Gasthof in Klingenbach bewirtet er gemeinsam mit Ehefrau Andrea in dritter Generation seine Gäste. Seine Arbeit macht das Wirtspaar ausgezeichnet, wurde auch im Falstaff-GourmetRestaurant Guide befunden. Die "ehrliche, grundsolide Küche" und eine "stilsichere Weiterentwicklung pannonischer Genüsse", so heißt es bei Falstaff, hat dem Familienbetrieb eine Nennung unter den Top 5 Gastrosiegel-Betrieben eingebracht.

1924 hatte Paul Gregorits’ Großvater das Haus erworben. Lange Zeit war es vor allem als Einkehrgasthof auf dem Weg ins benachbarte Ungarn bekannt. Nach Lehr- und Wanderjahren unter anderem im Haubenlokal Taubenkobel und beim Panhans am Semmering ist Juniorchef Paul zu seinen Wurzeln zurückgekehrt. Seit 1995 führt der Jungchef den Gasthof gemeinsam mit seiner Frau.

Während der Chef vor allem die Hoheit über den Herd innehat, kümmert sich Andrea Gregorits um das Service und das Ambiente im Gasthof. "Wir wollen Wirte sein, bei denen sich jeder wohlfühlen kann", erklären beide unisono ihr Motto. Dass die Erfüllung dieses Credos nicht immer einfach ist, auch das schildert das Ehepaar. "Wir versuchen, den Spagat zwischen Dorfwirtshaus mit bodenständiger Küche und gehobener Kulinarik zu schaffen."

"Zweites Wohnzimmer"

Die Wirtsstube – in der burgenlandkroatischen Ortschaft Klingenbach auch Krčema genannt – bildet das Herzstück des Hauses. "Hier kommen alle Generationen, vom 20-Jährigen bis zum Pensionisten zusammen, hier leben die Traditionen auf", sagt die Juniorchefin über das "zweite Wohnzimmer der Dorfbewohner".

Am Stammtisch wird Kroatisch gesprochen, "das ist Teil unserer Kultur". In der Stube wird vom Frühschoppen, über Kirtage bis zum Dorfsautanz alles gefeiert. Tradition hat auch der Šari večer, der bunte Abend, zu dem sich Dorfbewohner ein bis zwei Mal im Monat einfinden. Dabei wird geplaudert, gesungen und gegessen. Je nach Lust und Laune seiner Gäste kocht der Hausherr Suppe, oder serviert Grammeln. Viele Rezepte hat der Juniorchef von seiner Mutter übernommen. Wildspezialitäten, Krautroulade oder das klassische burgenländische Hochzeitsmenü mit Leberknödelsuppe, Tafelspitz und Wiener Schnitzel sind nach wie vor ein Renner.

Spezialitäten

Glacierte Gänseleber, Gänseleberpralinen, Rindsfilet-Carpacchio auf Rucola, oder Meeresfrüchte stehen aber ebenso auf der Speisekarte. Bei deren Auslegung die Gregorits’ allerdings flexibel sind: "Bekommen wir zum Beispiel spontan eine frische Kalbsleber, ist das unsere Tagesempfehlung."

Regionalität wird im Hause Gregorits groß geschrieben. Fleisch bezieht die Familie grundsätzlich nicht aus dem Großmarkt, sondern von heimischen Betrieben. Das Gemüse kommt aus dem eigenen Anbau auf die Teller. "Die kleine Landwirtschaft betreibt unser 13-jähriger Sohn, das ist sein Hobby", sagt Mutter Andrea. Einer Weiterführung des Betriebes in vierter Generation stünde damit nichts mehr im Wege.