Chronik | Burgenland
01.02.2012

Zwei Prozesse wegen Vergewaltigung

Landesgericht Eisenstadt: 28-Jähriger soll Schwägerin vergewaltigt haben, ein 38-Jähriger hat laut Staatsanwalt die Ehefrau zum Sex gezwungen.

Dem Schöffensenat unter dem Vorsitz von Richter Wolfgang Rauter wurde am Dienstag einiges an Konzentration abverlangt. Bei den beiden Prozessen musste sich jeweils ein Angeklagter zum Vorwurf der Vergewaltigung verantworten.

Im ersten Fall wurde einem 28-jährigen gebürtigen  Nigerianer vorgeworfen, seine Schwägerin im Oktober des Vorjahres mit Gewalt zum Sex gezwungen zu haben. An besagtem Tag habe er die Schwägerin – sie wohnte im selben Haus – gebeten, ihm die Haare zu schneiden.  Nachdem sie der Bitte nachgekommen sei, habe der Angeklagte sie aufs Bett geworfen. Er soll dreimal versucht haben, die Frau zu vergewaltigen. "Als sie nicht aufhörte zu schreien, hat er sie auf die Matratze gedrückt und ihr mit der Faust auf den Kopf geschlagen", so  Staatsanwältin Beatrix Resatz.
Die Frau habe bei den Abwehrversuchen Hämatome und Kratzspuren  davongetragen, am Handrücken habe sie  eine Bisswunde erlitten.

Der 28-jährige Arbeiter – er lebt mit seiner Frau  im Nordburgenland –  zeigte sich zu den Vorwürfen nicht geständig. "Ich hatte mit meiner Schwägerin  2007 einmal einvernehmlich Sex." Seither habe sie ihn einige Male zum Geschlechtsverkehr überredet. "Sie wollte sonst alles meiner Frau erzählen. Sie sagte, ich soll meine Frau verlassen und mit ihr leben."

Die Frau sei Ende Oktober zu ihm gekommen und wollte mit ihm schlafen. "Ich konnte das nicht. Ich hatte Angst, dass meine Frau heim kommt." Danach sei es zu Handgreiflichkeiten gekommen. Sie habe ihn geschlagen, worauf der Angeklagte zurückgeschlagen habe.
Die Schwägerin sei schon immer eifersüchtig gewesen, so der Verteidiger. "Das, was ihre Schwester hatte, wollte auch sie haben."

Die Verhandlung wurde vertagt. Richter Rauter will  noch ein Gutachten über die Glaubwürdigkeit der Belastungszeugin einholen.

"Komplott"

Im zweiten Prozess wurde einem 38-jährigen Südburgenländer vorgeworfen, seine Frau zwei Mal vergewaltigt zu haben. Ein Vorfall sei im Badezimmer des Wohnhauses passiert, der zweite  habe sich auf einem Parkplatz ereignet und wurde von zwei Männern beobachtet.

Der 38-Jährige bekannte sich nicht schuldig. "Meine Frau belastet mich falsch, damit sie sich scheiden lassen kann." Sie habe eine Affaire mit einem der beiden Zeugen gehabt, aus dem Grund hätten die drei ein Komplott gegen ihn geschmiedet. Der Schöffensenat hielt diese Theorie für wenig glaubwürdig. Das Urteil – zehn Monate bedingte Haft und eine Geldstrafe von 5400 Euro – ist nicht rechtskräftig.