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Chronik Burgenland
02/04/2019

Zukunft der Brettljause gesichert

Längere Öffnungszeiten, süße Speisen auf der Karte und weniger Bürokratie für die Buschenschank

von Roland Pittner

Jürgen Horvath aus Rechnitz ist im Stress. „Wir haben gerade unsere Buschenschank geöffnet“, sagt der Winzer. Zum neuen Buschenschankgesetz konnte er sich noch nicht viele Gedanken machen. „Doch, dass wir nur mehr einmal die Termine fürs ganze Jahr anmelden müssen, ist sicher eine Erleichterung“, sagt Horvath, der vier Hektar Weingarten bewirtschaftet. 2006 hat er aus dem ehemaligen Stall eine neue Buschenschank gemacht. Seine Familie betreibt die Buschenschank seit etwa 20 Jahren klassisch – kalte Speisen und eigener Wein.

Neues Gesetz

Fast 40 Jahre lang war das alte Buschenschankgesetz gültig. Die Landesregierung hat die Novelle Ende Jänner beschlossen. Für die Betreiber bringe es einige bürokratische Erleichterungen, wie die einmalige Anmeldung aller Termine im Jahr bei der Gemeinde. Auch die Gleichstellung von Vollerwerbs- und Nebenerwerbslandwirten sei nun gegeben. Bei den Öffnungszeiten und beim Speisenangebot hat das neue Gesetz auch Erleichterungen gebracht. „Die Gäste haben nicht verstanden, dass sie im Buschenschank in Niederösterreich oder der Steiermark Süßspeisen bekommen haben, im Burgenland aber nicht“, sagt Friederike Schmitl von der Landwirtschaftskammer Burgenland. Denn im alten Gesetz waren Kuchen, Strudel, Salzstangerl oder Grammelpogatscherl nicht erlaubt. Eigener Uhudler-Frizzante darf jetzt ebenfalls auf der Getränkekarte stehen. Viele dieser Forderungen gab es schon seit Jahren.

„Nach dem Schock bei der Barrierefreiheit, der Registrierkasse und dem Nichtrauchergesetz haben viele Betriebe aufgehört“, weiß Schmitl. Allein seit 2011 haben hundert Betriebe den „Buschen“ für immer abgenommen. Rund 380 Schenken gibt es noch, „viele, die sich für den Betriebszweig interessieren, haben das neue Gesetz abgewartet, jetzt gibt es ein Aufatmen“, meint Schmitl.

Tourismusgemeinde

Die längeren Öffnungszeiten hätten auch positive Auswirkungen für den Tourismus. „Es gab immer wieder Beschwerden von Tourismusgemeinden, wenn die Buschenschank in der Hochsaison zusperren musste“, sagt Schmitl. Viele hätten nur die Wahl gehabt, ins Gastgewerbe zu gehen und ein Heurigen-Restaurant aufzusperren. Doch mit der neuen Regelung, dass neun Monate durchgehend geöffnet sein kann, wurde das gelöst.

Was Interessierte allerdings zu beachten haben, „ohne professionelle Ausbildung geht es heute nicht mehr“, sagt Schmitl. Gute Weinqualität und Kreativität beim Speisenangebot seien notwendig, um am Markt zu bestehen. Aufholbedarf sieht die Expertin noch bei der Zusammenarbeit in den Regionen. „Wenn für die Buschenschank Produkte zugekauft werden, sollte das bei Direktvermarktern passieren“, sagt Schmitl. So würde die ganze Region gestärkt.

Tradition

Winzer Jürgen Horvath setzt auf die Landwirtschaft und ist seit drei Jahren im Vollerwerb auf seinem Betrieb. „Für die Vermarktung des Weins ist unsere Buschenschank wichtig, es kommen vor allem im Sommer viele Tagestouristen zu uns nach Rechnitz“, sagt Horvath. Auch wenn allein in Rechnitz von etwa 60 Betrieben fast 40 die Pforten für immer geschlossen haben, „die Buschenschank ist schon wichtig und gehört gepflegt – es ist doch Tradition“.

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