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Chronik Burgenland
06/19/2019

Zentrale Bahnhöfe: Doskozils Idee für Wien-Pendler

Landeshauptmann Doskozil schlägt zentrale Verkehrsknotenpunkte im Norden und Süden als Lösung für Pendlerverkehr vor.

von Michael Pekovics

Rund 270.000 Menschen pendeln täglich aus dem Umland nach Wien ein. Darunter befinden sich auch viele Burgenländer, in Pannonien gibt es circa 50.000 tägliche Auspendler in andere Bundesländer – der Großteil davon fährt nach Wien.

Beim „Unique-Talk“ am Montagabend diskutierten die drei Landeshauptleute der Ostregion – Michael Ludwig, Hans Peter Doskozil (beide SPÖ) und Johanna Mikl-Leitner (ÖVP) – über aktuell wichtige Themen der am stärksten wachsenden Region Österreichs, darunter war auch der Verkehr. Dabei ließ der burgenländische Landeshauptmann mit einer Aussage aufhorchen: Es gebe bereits weit gediehene Verhandlungen, die Förderung des Individualverkehrs per Auto für Pendler nach Wien zurückzufahren, um diese in stärkerem Maß als bisher auf die Schiene zu bringen.

„Neuer Denkansatz“

Dabei gehe es eher um die grundsätzliche Diskussion, wie der Verkehr in einer wachsenden Region in den kommenden Jahren besser in den Griff zu bekommen sei, heißt es dazu auf eine KURIER-Anfrage aus dem Büro von Doskozil.

Die Aussage beziehe sich nicht auf eine mögliche Änderung der Pendlerpauschale, wird von einem Sprecher versichert. Vielmehr sei angedacht, mittelfristig je einen zentralen Verkehrsknotenpunkt für das Nord- und das Südburgenland zu schaffen, wo die burgenländischen Pendlerströme gebündelt werden sollen – idealerweise an Bahnhöfen.

„Das wird aber natürlich nicht von heute auf morgen gehen, schließlich ist das ein ganz neuer Denkansatz“, sagt ein Doskozil-Sprecher. Hintergrund dessen sind auch die seit einigen Jahren laufenden Diskussionen rund um die geplante Bahnschleife Eisenstadt, deren Baustart sich immer wieder verschiebt und durch die die Fahrtzeit nach Wien verringert werden soll.

Zentrale Bahnhöfe?

Neben der Beschleunigung des Pendlerverkehrs gehe es laut Doskozil aber auch darum, den Verkehr umweltschonender zu gestalten, also die Verlagerung auf die Schiene zu forcieren. Als mögliche Standorte für einen nördlichen burgenländischen „Zentralbahnhof“ werden die Bezirke Eisenstadt, Mattersburg und Oberpullendorf genannt – konkrete Pläne gebe es aber noch nicht, wird versichert, wohl aber „enge Verhandlungen mit Bund und ÖBB“.

Die Umsetzung eines Verkehrsknotenpunktes im Süden müsse laut Auskunft des Büros des Landeshauptmannes „gut überlegt“ sein und sei natürlich „schwieriger“, weil die Infrastruktur, also Bahnhöfe, nicht vorhanden sei. Durchaus denkbar sei allerdings eine grenzüberschreitende und von der EU geförderte Lösung mit Ungarn.

Lob für den Vorstoß zur Ausweitung des Angebots öffentlicher Verkehrsmittel gibt es von den burgenländischen Grünen. Die beziehen sich in ihrer Aussendung allerdings hauptsächlich auf eine Umstellung der Pendlerpauschale, die aber von Doskozil gar nicht konkret angedacht wurde.