© Roland Pittner

Chronik Burgenland
07/15/2019

Wo Zackelschaf und Turopolje Schwein zu Hause sind

Seltene Tierrassen werden am Qu-Bio-Hof von Martina Neumann und Rudolf Strobl in Maria Bild gehalten.

von Roland Pittner

Martina Neumann geht mit einem Kübel auf die Weide. Ein paar Mal klappert sie mit dem Griff und die Herde Zackelschafe gerät in Bewegung. Weg vom schattigen Liegeplatz, hin zur Biogerste im Kübel. „Die mögen sie besonders gern“, sagt Neumann und füttert die Schafe mit der Hand. Es habe lange gedauert, bis die scheue Rasse Vertrauen aufgebaut hat. „Das erste halbe Jahr sind wir schon fast verzweifelt, aber wir sind dran geblieben“, sagt die Biobäuerin.

Seit 2014 leben sie und ihr Lebensgefährte Rudolf Strobl auf dem Hof in Maria Bild im Bezirk Jennersdorf. „Wir haben beide in Wien gearbeitet und gelebt und kommen ursprünglich aus der Steiermark“, sagt Neumann. Ihr Mann hatte schon immer den Traum von der eigenen Landwirtschaft, um dort seltene Tierrassen zu halten. „Ich habe Kurse und Schulungen besucht und bin jetzt hauptberuflich am Hof“, erklärt Neumann. Die seltenen Zackelschafe hielten schon die Vorbesitzer. Die Rasse ist sehr alt, robust und stammt aus Ungarn.

Turopolje

Mit dem Gerste-Kübel geht es weiter zur Schweineweide. Das Klappern mit dem Kübel kennen auch die Turopolje-Schweine und laufen grunzend und quiekend zusammen. Die Rüsseltiere sind ebenfalls eine gefährdete Haustierrasse. Ebenso wie die Mangalitza, die die beiden halten.

70 Schweine und 120 Schafe leben mittlerweile am Hof. „Sie haben bei uns genug Auslauf und wir füttern sie nur mit Bio-Futter“, sagt die Landwirtin. Beste Bedingungen für die Tiere sind den beiden wichtig. Zuerst wollten sie nur die Nachzuchten verkaufen. „Mein Onkel hat uns dann auf die Idee gebracht, das Fleisch direkt zu vermarkten“, sagt Neumann.

 

So sorgsam die Landwirte mit den Tieren auf der Weide umgehen, so geht es bei der Schlachtung weiter. „Wir haben Partner, die unsere Tiere komplett stressfrei schlachten, das war uns wichtig“, sagt Neumann. Das Fleisch wird dann am Hof veredelt. Vom Schwein gibt es Lardo, luftgetrockneten Speck, Schinken oder Leberaufstrich. Auch von den Schafen werden Knabbernossi und andere Spezialitäten hergestellt. Konservierungsstoffe verwenden sie keine. Verkauft werden die Waren ab Hof oder bei Märkten im Burgenland und der Steiermark. Neben den Lebensmitteln gibt es auch Schaffelle, Wolle und Hörner zu kaufen.

Seltene Rassen

Die Erhaltung der Rassen hat Priorität. „Wir sind ein Arche Noah Betrieb, bei der Züchtung achten wir immer auf die passenden Verpaarungen und machen Bluttests bei den Tieren“, sagt Neumann. Heuer war ein gutes Jahr, „wir haben 52 Schafe bekommen“, so die Bäuerin.

Jeden Tag um halb fünf aufstehen, um zu sehen wie es den Tieren geht, macht beiden nichts aus. „Wir teilen uns die Arbeit, mein Mann kümmert sich um den Ackerbau und ich mich vorwiegend um die Tiere und die Vermarktung“, sagt Neumann. Oft wird bis in die Nacht gearbeitet, wenn Marktbesuche anstehen. „Aber es ist genau das, was wir uns vorgestellt haben. Es ist unser Lebenstraum“, sagt die Biobäuerin.