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Chronik Burgenland
07/21/2019

„Wir leben hier wie im Mittelalter“

Handwerken, spielen und schmausen wie vor mehr als 1000 Jahren gilt es im (Museums-)Dorf zu erleben

von Claudia Koglbauer-Schöll

Strom, klingelnde Handys, Verkehrslärm. Darauf kann man hier lange warten. „Wir leben hier wie im Frühmittelalter“,sagt Willi Heißenberger. Entschleunigung lautet das Motto in dem idyllischen Dörfchen am Waldesrand, erklärt der Obmann des Vereins Freilichtmuseum Frühmittelalterdorf . Ziel ist die authentische geschichtliche Vermittlung jener Epoche.

Die Grubenhäuser und schilfgedeckten Hütten haben Archäologen und Studenten der Uni Wien errichtet – so wie es sie zwischen 500 und 1000 nach Christus auch gegeben hat. Die Gesellschaft war landwirtschaftlich orientiert, man lebte in kleinen Weilern zusammen. So wie damals meist üblich, besteht auch das Frühmittelalterdorf heute aus fünf Wohn- bzw. Handwerksgebäuden, einem Keramikbrenn- und einem Backofen. „Nur die Schmiede ist etwas abseits, so wie man das zum Schutz der Wohnhäuser vor dem Feuer gemacht hat.“

Alles muss authentisch sein. Sogar die Hütten wurden ohne Schrauben gebaut.

Handwerken

Töpfern, Schmieden sowie die Herstellung von Pfeil und Bogen – die Besucher des kleinen Dorfes können überall selbst Hand anlegen. Brot wird im Lehmofen selbst gebacken, geschlafen wird in Hütten auf Stroh.

Vor Kurzem ist Heißenberger auch noch auf einen– ganz anderen – Geschmack gekommen: „Ich habe mir gedacht, wir könnten ja frühmittelalterliche Gerichte gemeinsam mit Haubenköchen und Gastronomen kochen.“ Gesagt, getan. Mit Hubert Fasching, einem pensionierten Profi-Koch eines Kurhotels und Emil Lang, dem Gastronomen der Gemeinde, beschreitet man neue kulinarische Pfade.

Dinkel, Beeren und Pilze

„Zum Frühstück gibt es Brennesseltee und Dinkelvollkornbrot, zur Jause wird Deftiges wie Grammeln, Speck und Ei kredenzt.“ Über die Mittagszeit wird Eintopf mit Gemüse und Fleisch gekocht und für das Abendmahl wird Fleisch über Stunden in der Erdgrube gegart. Erdäpfel, Paradeiser und Kukuruz sucht man vergeblich. „Die gab es ja damals auch noch nicht.“

Die Zutaten kämen vor allem aus der Region und von Biobauern . „Unsere Gäste gehen aber auch in den Wald und suchen Schwammerl, Beeren oder Kräuter auf der Wiese.“ Die kommen dann auch in den Topf, ebenso wie Rüben, Kraut, Lamm- oder Schweinefleisch.

Auf die Feuerstelle kommen – je nach Speise – die verschiedenen Hölzer aus dem Wald. „Das Problem mit Klima und Umwelt, das haben die Menschen damals auch nicht gekannt.“ fruehmittelalterdorf.at

Nachgefragt: "Infrastruktur und Mobilität sind noch ausbaufähig

Willi Heißenberger  war von 2004 bis 2010 Landtagsabgeordneter  und bis  Oktober 2010 Bürgermeister der Gemeinde Unterrabnitz-Schwendgraben. Der 64-Jährige ist Lehrer an der HTL Mödling. Zudem ist er Obmann des 2003 gegründeten Vereins Freilichtmuseum Frühmittelalterdorf  Unterrabnitz.  

KURIER: Was schätzen Sie am Landleben:
W. Heißenberger: Die Unbeschwertheit und die Ruhe schätze ich sehr. Und auch dass es die Möglichkeit einer Versorgung mit natürlichen Rohstoffen gibt. Man hat ja am Land die Möglichkeit, auf das Angebot der Direktvermarkter zurückzugreifen.

Wo ist Ihr Lieblingsplatz?
Ich bin gerne  auf der Ruine Landsee. Dort hat man eine imposanten Blick bis zum Neusiedler See. Für mich ist das ein Kraftplatz. 

Vermissen Sie die Stadt?
Überhaupt nicht. Dort fahre ich nur im Notfall hin.

Wo sehen Sie die Probleme am Landleben? 
Entscheidend  sind Infrastruktur und Mobilität – beides ist ausbaufähig. Man müsste da auf den Ausbau der Bahn und Elektromobilität setzen und versuchen, energieautark zu werden.

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