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Chronik Burgenland
12/13/2019

Wildschweine in bester Eisenstädter Lage

Im Burgenland dringen Schwarzkittel in Wohngebiete vor, Eisenstadt ist besonders betroffen

von Thomas Orovits

Gaby Schwarz nimmt‘s mit Humor: „Die Wildschweine haben das Gebiet erobert und wir sind nur geduldet“, sagt die Eisenstädterin herzhaft lachend. Ihr Haus liegt an den Ausläufern des Leithagebirges und hier grüßt täglich nicht das Murmeltier, sondern das Wildschwein. Zwei Bachen mit acht bis zehn Frischlingen sieht Schwarz regelmäßig, jüngst hat sogar ein Keiler die Straße gequert, als die stellvertretende Klubchefin der ÖVP nächtens aus dem Parlament heimgekommen ist. „Ich bin kein Angsthase, aber dem möchte ich nicht zu Fuß über den Weg laufen“, sagt Schwarz.

Dass sich in Eisenstadts Randlagen unterhalb des Leithagebirges ungeniert Wildschweine tummeln, ist seit Jahren gang und gäbe. Besonders betroffen ist die Gegend zwischen Buchgrabenweg, der zum ORF-Landesstudio führt, und Hartlsteig, der zum Landhaus führt. Die Schwarzkittel haben es sich demnach in der prominentesten Ecke der Landeshauptstadt gemütlich gemacht.

5.000 gerodet

Zu gemütlich, meinen Anrainer und Stadt: Deshalb wurden am Donnerstagvormittag im Auftrag des Magistrats mehrere verwilderte Grundstücke inmitten bebauten Gebiets gerodet, weil die Vermutung bestand, dass im Unterholz „Wildschweine hausen“, hieß es aus dem Rathaus. Die sechs Grundeigentümer der insgesamt 5.000 müssen die Kosten selbst tragen, die Stadt habe aber einen günstigen Anbieter organisiert, hieß es. Dass die Wildschweinplage in Eisenstadt damit beendet wird, glaubt aber keiner.

Das Problem sei im gesamten Burgenland „stark im Zunehmen“, weiß Landesjägermeister Roman Leitner. Die Population steige dank moderater Witterung und großen Nahrungsangebots stetig an. Am stärksten betroffen seien Gemeinden mit Siedlungsgebieten bis an den Waldrand – wie in Eisenstadt. Dort finden die allesfressenden Wildschweine auch in Gärten und Komposthaufen reichlich delikate Nahrung. Anders als Füchse, die danach wieder spurlos verschwinden, ackern die Schwarzkittel zum Ärger der Hausbesitzer aber oft den ganzen Garten um.

Nachtsichtgerät

Der Ruf nach dem Jäger muss ungehört verhallen, denn Siedlungsgebiete sind tabu, hier herrscht dauernde „Jagdruhe“. Was die Waidmänner und -frauen dürfen, ist die verstärkte Bejagung in stadtnahen Waldgebieten. Wenn es denn Freizeitsportler „mit Stirnlampe in der Dunkelheit“ nicht verunmöglichen, wie Jägermeister Leitner gallig anmerkt. 2018 wurden rund um die Landeshauptstadt 38 Wildschweine erlegt, heuer bis dato schon 70 – und davon 25 in Stadtnähe, heißt es aus dem Landesjagdverband. Zum Vergleich: Im Burgenland wurden im Vorjahr 7.161 Stück Schwarzwild erlegt. Wildschweine haben nur Schonzeit, solange die Bache Frischlinge hat. Um die Bejagung in der Dämmerung zu erleichtern, diskutiert die Jägerschaft, ob man sich vom nächsten Landtag die Freigabe von Nachtsichtgeräten wünschen soll.

Viele Anrainer haben indes zur Selbsthilfe gegriffen und statt des Maschendrahtzauns in eine Wildschwein-hemmende Umzäunung investiert. 20.000 Euro habe das gekostet, so Schwarz. Seither habe sie zumindest im eigenen Garten Ruhe.