Chronik | Burgenland
28.10.2017

Wild auf den Gehege-Hirsch

Wildfleisch wird immer beliebter, 1700 Landwirte halten Damhirsche und Co.

Im Herbst stehen Rehrücken, Hirschragout oder Wildschweinschnitzel am Speiseplan. Es ist Wildzeit. Für die Farmwildhalter ist Hauptsaison. Die Hirsche und Kühe in den Gehegen werden jetzt "geerntet".

"Eigentlich können wir Wildfleisch das ganze Jahr über anbieten, jetzt ist die Nachfrage aber am höchsten", erklärt Charlotte Klement, Obfrau des burgenländischen Wildtierzuchtvereins. Die Tierärztin und Landesjägermeister-Stellvertreterin hat selbst ein Gehege, in dem sie Schwarzwild hält. Wildfleisch liegt im Trend, trotzdem konsumiert der durchschnittliche Österreicher pro Jahr nur rund 900 Gramm davon. Im Gegensatz werden pro Kopf und Jahr 33,5 Kilogramm Schweinefleisch gegessen.

9000 Tonnen Wildfleisch werden pro Jahr konsumiert, etwa die Hälfte wird importiert, das meiste aus Neuseeland. "Das ist vielen Konsumenten nicht bewusst, hier setzen wir auf Regionalität", sagt Jürgen Laban, Obmann der Wildtierhalter Österreichs. Er hält Rotwild in einem Gehege in Semriach in der Steiermark.

1700 Betriebe

In ganz Österreich gibt es rund 50.000 Wildtiere, die landwirtschaftlich auf 20.000 Hektar Fläche gehalten werden. Rund 1000 Betriebe sind in Vereinen organisiert, insgesamt gibt es rund 1700 Halter. Die Hauptwildart dabei ist das Damwild. "Es wird schon ewig bei uns gehalten und eignet sich auch am besten dazu", weiß Klement. Aber auch Rot- und Sikahirsche, Mufflon und Wildschweine werden gehalten.

Johannes Gstöhl von der burgenländischen Landwirtschaftskammer ist für die Farmwildhaltung zuständig. "Die Gehegehaltung von Wild hat Zukunft", sagt Gstöhl. Es kommen jedes Jahr einige Betriebe dazu und es könnten noch mehr sein. Denn das Wild kann auch auf Hang- und Restflächen gehalten werden, auf denen eine normale landwirtschaftliche Nutzung nur schwer möglich ist.

Hohe Qualität

Die Schlachtung (mit einem gezielten Schuss) erfolgt in der gewohnten Umgebung, ohne Transport oder Stress für die Wildtiere. "Jedes Stück wird vom Tierarzt beschaut und in einem Aufarbeitungsraum verarbeitet", sagt Klement. "Die meisten Halter vermarkten ihr Wildfleisch selbst", sagt Gstöhl. Hier will der Verein in Zukunft noch enger zusammenarbeiten und das Angebot an Farmwildfleisch bündeln. "Wir wollen es regional verkaufen und nicht weit transportieren", sagt Gstöhl. Bundesweit werde gerade an diesem Vorhaben gearbeitet. Das Fleisch habe wenig Fett, hohen Eiweißgehalt und wertvolle Fettsäuren sowie einen hohen Vitamin B Anteil. "So eine hohe Fleischqualität ist nur selten erzielbar, selbst bei Wild in freier Wildbahn", weiß Laban.

www.wildhaltung.at