Wo es in Österreich noch Königinnen gibt
Zusammenfassung
- In Österreich werden weiterhin regionale Königinnen wie die Erdbeerkönigin von Wiesen gekrönt, um Tradition und Regionalmarketing zu verbinden.
- Die Erdbeerkönigin wird jährlich von der Bevölkerung gewählt und repräsentiert die Wiesener Ananas-Erdbeere bei Veranstaltungen im ganzen Land.
- Die Tradition der Erdbeerkönigin in Wiesen besteht seit rund 50 Jahren und begleitet die Erdbeerernte in einer der wichtigsten Anbauregionen Österreichs.
Am 12. November 1918 wurde Österreich zur Republik ausgerufen. Mit dem Ende der Monarchie verschwanden Kaiser, Erzherzöge und Hofstaat aus dem öffentlichen Leben.
Und doch werden hierzulande bis heute Jahr für Jahr neue Königinnen gekrönt. Sie führen keine Kriege, schließen keine Bündnisse und verheiraten keine Königskinder. Ihre Reiche sind Weinberge, Marillengärten und Erdbeerfelder.
Erdbeerkönigin von Wiesen
Erst vor wenigen Tagen kam eine weitere Hoheit hinzu: die Erdbeerkönigin von Wiesen. Die 18-jährige Ines Gebhardt aus Eisenstadt trägt künftig Krone und Schärpe für die „Wiesener Ananas-Erdbeere“.
Ihre Aufgabe: eine Frucht zu vertreten, die längst mehr ist als ein landwirtschaftliches Produkt und zum Markenzeichen einer ganzen Gemeinde geworden ist.
Die aktuelle Königin Ines Gebhardt neben der ehemaligen Erdbeerkönigin bei der Krönung.
Doch warum werden im Jahr 2026 überhaupt noch Erdbeer-, Wein- und Marillenköniginnen gekürt?
Die Antwort liegt irgendwo zwischen Brauchtum und Regionalmarketing.
„Die Tradition gibt es in Wiesen seit rund 50 Jahren“, erzählt Vizebürgermeister Christoph Ramhofer. „Früher hatten wir eine Ananaskönigin, benannt nach der Wiesener Ananas-Erdbeere. Vor etwa 15 Jahren wurde daraus die heutige Erdbeerkönigin.“
Krönung am Erdbeerfest
Gekürt wird sie nicht von einer Jury, sondern von der Bevölkerung selbst. Jedes Jahr erhalten die Wiesenerinnen und Wiesener Stimmzettel per Post. Die Auszählung erfolgt beim Erdbeerfest, dem wichtigsten Fest der Gemeinde.
Dort verabschiedet die amtierende Königin ihre Nachfolgerin, bevor die neue Hoheit ihre Krone erhält und ihre erste Rede hält.
Ines die Erste
Heuer fiel die Wahl auf die 18-jährige Ines Gebhardt. Für die kommenden zwölf Monate wird sie die Gemeinde und die Wiesener Erdbeere bei Veranstaltungen im ganzen Land vertreten. Dazu gehören Empfänge, Messen und offizielle Termine.
Als Erdbeerkönigin wird sie unter anderem den Bundeskanzler sowie den Wiener Bürgermeister treffen. Als Zeichen ihrer Amtszeit erhält sie eine Schärpe mit ihrem Namen. Zudem wartet ein Reisegutschein im Wert von 500 Euro.
Tradition am Leben erhalten
Beworben habe sie sich vor allem aus einem Grund: „Ich wollte, dass die Tradition erhalten bleibt.“ In den vergangenen Jahren hatten bereits mehrere Freundinnen von Gebhardt das Amt der Erdbeerkönigin inne. Deren Erzählungen hätten sie schließlich dazu motiviert, selbst anzutreten.
Für die 18-Jährige steht deshalb weniger die Krone im Mittelpunkt als die Freude, ihre Heimatgemeinde vertreten zu dürfen. Für ein Jahr ist sie nun „Ines I.“ – die Trägerin einer Tradition, die in Wiesen seit einem halben Jahrhundert gepflegt wird.
Wiesens rote Wiesen
Während die neue Erdbeerkönigin ihr Amt antritt, läuft auf den Feldern rund um Wiesen die Haupternte. Nach einem trockenen Frühjahr haben Regen und wärmere Temperaturen den Erdbeeren zuletzt gutgetan. Die Produzenten erwarten besonders aromatische Früchte. Die Erntemenge dürfte durchschnittlich sein, die Qualität hingegen überdurchschnittlich.
Das Burgenland zählt zu den wichtigsten Erdbeerregionen Österreichs. Auf rund 40 Hektar bauen knapp 30 Betriebe Erdbeeren an, etwa die Hälfte der Fläche liegt im Bezirk Mattersburg rund um Wiesen. Im vergangenen Jahr wurden im Burgenland knapp 500 Tonnen Erdbeeren geerntet. Österreichweit isst jede Person durchschnittlich 3,8 Kilogramm Erdbeeren pro Jahr. Die Saison in Wiesen läuft voraussichtlich noch bis Ende Juni.
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