© Woschitz Group

Chronik Burgenland
09/09/2021

Wie Windkraft einer Brücke Flügel verleiht

Aus ausgemusterten Rotorblättern aus dem Windpark Parndorf wird in Bad Tatzmannsdorf eine Fahrradbrücke gebaut.

von Paul Haider

Im Burgenland produzieren derzeit mehr als 220 Windräder 130 Prozent des Strombedarfs des Landes. Viele der Windkraftanlagen sind mittlerweile in die Jahre gekommen und werden sukzessive durch leistungsstärkere Modelle ersetzt. Die Energie Burgenland will in den nächsten fünf Jahren 233 Millionen Euro in das „Repowering“ der Windparks investieren.

Doch was passiert eigentlich mit den alten Windrädern, die nicht mehr für die Stromerzeugung taugen? Mit der „ReUse Challenge“ wollte die Energie Burgenland eine nachhaltige Antwort auf diese Frage finden. Im Frühjahr 2020 wurde der Ideenwettbewerb ausgerufen, bei dem in Summe 85 Projekte von 52 Teilnehmern aus fünf Bundesländern (und Deutschland) eingereicht wurden. Eine Experten-Jury wählte daraus die zehn einfallsreichsten Wiederverwertungsvorschläge aus, die auch technisch umsetzbar erschienen (siehe dazu Infobox).

ReUse Challenge
Die folgenden zehn Konzepte wurden aus 85 Einreichungen beim Ideenwettbewerb der Energie Burgenland für die Wiederverwertung von ausgedienten Windkraftanlagen ausgewählt:

  • Strandkörbe 
  • Bushaltestelle
  • Umkleidekabinen
  • Fahrradbrücke
  • Hochbeete
  • Liegeflächen
  • Rahmen für Fotovoltaikmodule
  • Überdachungskonstruktion 
  • Säulen für eine Installation bei der Volksschule Zurndorf
  • Kletterwand aus Windradflügeln
  • Teile eines Bewegungsparks 

Welche Projekte tatsächlich realisiert werden, soll nun mit Machbarkeitsstudien geklärt werden. Wie Energie Burgenland-Sprecher Jürgen Schwarz den KURIER wissen lässt, haben bisher drei der Top-10-Projekte Grünes Licht bekommen: So soll etwa ein Rotorblatt zu einer Bushaltestelle umfunktioniert werden und ein Windrad-Klettergerüst ist ebenfalls schon fix. Ein drittes, besonders spektakuläres Projekt, geht bereits in die Umsetzung.

Im Jahr 2018 wurde die Bahnbrücke über der B50 zwischen Oberschützen und Bad Tatzmannsdorf abgerissen. Die Woschitz Group, die auch schon das nahe gelegene „Reduce“-Gesundheitsresort errichtet hat, lieferte den Vorschlag für eine neue, futuristisch anmutende Querung für Radfahrer und Fußgänger. Zwei vollständige Rotorblätter einer ausgedienten Windkraftanlage werden als Trägerkonstruktion der neuen Brücke dienen. Der mit Glasfaser und Kohlenstofffaser verstärkte Kunststoff, aus dem die Flügel bestehen, würde sich ideal für den Brückenbau eignen, erklärte die Woschitz Group schon bei der Projektpräsentation im Vorjahr: Die Biegezugfestigkeit sei zehnmal höher als die von Stahl; das Material dehnt sich so gut wie gar nicht.

Belastungstests & Monitoring

Wie das Unternehmen wissen lässt, habe eine Prüfanstalt mittlerweile einen Teil eines Flügels einem Belastungstest unterzogen – mit dem Ergebnis, dass das Material der 2,5-fachen Normbelastung standhält. Theoretisch könnten sich 1.000 Personen gleichzeitig auf der Windrad-Brücke aufhalten, ohne dass diese ins Wanken gerät. Nichtsdestotrotz soll das Bauwerk mit einem intelligenten Monitoring-System ausgestattet werden, das im Fall der Fälle Alarm schlagen würde.

Anfang August traten die Rotorblätter ihre Reise aus dem Nord- in das Südburgenland an. Derzeit warten sie am Oberwarter Bauhof auf den Start der Arbeiten. 2022 soll die Flügel-Brücke für den Fahrrad- und Fußgängerverkehr zwischen Bad Tatzmannsdorf und Oberschützen freigegeben werden.

eine Newsletter Anmeldung Platzhalter.

Wir würden hier gerne eine Newsletter Anmeldung zeigen. Leider haben Sie uns hierfür keine Zustimmung gegeben. Wenn Sie diesen anzeigen wollen, stimmen sie bitte Piano Software Inc. zu.

Jederzeit und überall top-informiert

Uneingeschränkten Zugang zu allen digitalen Inhalten von KURIER sichern: Plus Inhalte, ePaper, Online-Magazine und mehr. Jetzt KURIER Digital-Abo testen.