© Roland Pittner

Reportage
01/01/2021

Wie aus einer Krise ein gutes Team entsteht

Mit 12 Jahren kam Sabine in das SOS Kinderdorf Pinkafeld. Seit einem Jahr lebt die 17-Jährige wieder zu Hause

von Roland Pittner

Sabine sitzt mit ihrer Mutter auf der Couch. An der Wand der Wohnküche hängen Kinderfotos. Eine Katze streift durch den Raum. Die 17-Jährige isst selbst gebackene Weihnachtskekse und freut sich auf den gemeinsamen Jahreswechsel mit ihrer Mutter. Seit etwas mehr als einem Jahr lebt sie wieder bei ihr. Davor war sie im SOS Kinderdorf untergebracht.

Langer Weg zurück

„Es war ein Weg, der Kurven und Hügel hatte, viele Gefühle und Emotionen spielen da mit. Die Zusammenarbeit mit der Mutter hat gepasst und so war es möglich, dass Sabine wieder nach Hause gekommen ist“, sagt Claudia Krainz. Die Mitarbeiterin des SOS Kinderdorfs hat sich in Pinkafeld fast fünf Jahre um Sabine gekümmert und die Rückkehr zu ihrer Mutter Anita vorbereitet.

Sabine war zwölf, als sich ihr Leben verändert hat. „Meine Mama hat gesagt, wir fahren wo hin und ich hatte keinen Plan, da sind wir ins Frauenhaus gekommen“, schildert die 17-Jährige die Flucht vor der damals bedrückenden familiären Situation. Fast zwei Monate lebte sie mit ihrer Mutter dort, bis das Jugendamt beschloss, dass Sabine in eine Pflegefamilie muss. „Das war eine wirklich schlimme Zeit für mich, ich war eineinhalb Monate dort und bin dann abgehaut und zur Polizei gegangen. Für eine Nacht kam ich in eine andere Pflegefamilie“, sagt Sabine. Danach bekam sie einen Platz im SOS-Kinderdorf. „Es war komisch und eine komplett andere Umgebung, aber ich habe mich ab dem ersten Tag wohl gefühlt“, erzählt Sabine.

Mit sechs anderen Kindern lebte sie im Haus zusammen. Ihre Mutter durfte sie anfangs nur alle 14 Tage für drei Stunden mit Begleitung sehen. Auch für die Mutter war es eine schwierige Zeit, doch die Zusammenarbeit mit den Betreuern hat gut funktioniert. „Vertrauen ist das Zauberwort. Wir wissen, wie wichtig die Eltern für die Kinder sind, auch wenn es traumatische Vorfälle gegeben hat. Deshalb haben wir Familienberater angestellt, die auch mit den Eltern arbeiten“, erklärt Bernadette Kalcher, pädagogische Leiterin der mobilen Familienarbeit.

„Bin jetzt überglücklich“

„Nach einiger Zeit konnte ich dann auch fast jedes Wochenende zum Schlafen heim“, sagt Sabine. „Wir haben immer zusammengehalten“, sagt ihre Mutter, die sich stets bemüht hat, alle Vorgaben zu erfüllen, damit ihre Tochter wieder nach Hause kommen kann. „Jetzt bin ich überglücklich“, sagt sie. Seit etwas mehr als einem Jahr ist Sabine wieder da. „Wir haben richtig darauf hingearbeitet. Sie hat ihre Schule fertiggemacht und ich habe alle Auflagen erfüllt“, sagt Anita. In der Übergangsphase war noch eine Betreuerin da, die öfters Hausbesuche gemacht hat. Ein wenig Wehmut war beim Auszug aus dem Kinderdorf auch dabei, verabschiedet wurde Sabine mit einer Gesangseinlage beim Kinderdorffest. Den Kontakt zu ihren Kinderdorf-Geschwistern und ehemaligen Betreuern hält sie aufrecht.

„Je besser es uns gelingt, mit den Eltern in Kontakt zu sein, ihr Vertrauen zu gewinnen und uns gut abzustimmen, umso besser können wir die Kinder im Dorf betreuen. Und wenn die Familie dann wieder Vertrauen in sich gefunden hat, Probleme und Konflikte zu bewältigen, kann auch die Rückkehr der Kinder gut gelingen“, sagt Kalcher. 2019 konnten so 167 Kinder und Jugendliche aus der Fremdunterbringung im SOS Kinderdorf wieder in ihre Familien zurückkehren.

Sabine denkt gerne an ihre Zeit im Kinderdorf zurück. Jetzt hat sie klare Ziele, will die Matura machen und Krankenschwester werden. Mit ihrer Mutter sei sie ein „gutes Team“ geworden, sie sind froh einander wieder zu haben.

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