Warum sich Doskozil von Schneemann vertreten lässt
Was in Artikel 66 der Burgenländischen Landesverfassung steht, klingt eindeutiger als es ist: „Der Landeshauptmann wird durch den Landeshauptmann-Stellvertreter vertreten“.
De facto übernimmt die grüne Landeshauptmannvize Anja Haider-Wallner vom rekonvaleszenten Landeshauptmann Hans Peter Doskozil (SPÖ) nur den Vorsitz in den regelmäßigen Sitzungen der Landesregierung, wie es auch in der erläuternden Geschäftsordnung der Landesregierung steht. Einspringen müsste sie auch, wenn es ums Unterschreiben unaufschiebbarer Dekrete oder Ernennungen geht.
Ansonsten vertraut Doskozil wie schon nach früheren Operationen ganz auf SPÖ-Landesrat Leonhard Schneemann, der ihn in seinen öffentlichen Ressortfunktionen vertritt – Doskozil ist u. a. für Finanzen, Gesundheit und die Landesholding verantwortlich.
Wobei sich diese Delegierung meist nur auf öffentliche Verpflichtungen erstreckt, etwa bei Veranstaltungen oder wenn Landtagsabgeordnete Fragen zu Doskozils Zuständigkeitsbereich stellen. Das allermeiste kann Doskozil auf elektronischem Weg selbst erledigen. Er muss nicht physisch anwesend sein, um die Richtung vorzugeben – wie man in den vergangenen Jahren verschiedentlich feststellen konnte.
Warum Doskozil Schneemann zu seinem Statthalter macht? Der Wirtschafts- und Soziallandesrat ist dem Landeshauptmann am stärksten verpflichtet: Als Christian Illedits im Zuge der Causa Commerzialbank im Sommer 2020 zurücktrat, holte Doskozil den ebenfalls aus dem Bezirk Oberwart kommenden früheren Pädagogen und Bürgermeister in die Regierung.
Und nach der Landtagswahl 2025 hielt Doskozil Schneemann in der Regierung, obwohl der Landesrat bei der Wahl im Bezirk Oberwart als Zweitgereihter von Christian Drobits (4.) und Christian Dax (6.) überholt wurde.
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