Pflegeheim Rudersdorf wird vom Land „intensiv geprüft“

Soziallandesrat Schneemann (SPÖ) präzisiert Vorwürfe gegen Heimbetreiberin Petra Wagner. Diese beklagt, dass sie die Vorwürfe nur aus den Medien kenne, weil das Land nicht mit ihr rede.
Landesrat Leonhard Schneemann (SPÖ)

Die Kündigung der Tagsatzvereinbarung durchs Land per Ende Juli ist nicht das einzige Ungemach für Petra Wagner, Pflegeheimbetreiberin in Rudersdorf. Am Dienstag kündigte der zuständige SPÖ-Soziallandesrat Leonhard Schneemann in Eisenstadt an, dass es demnächst „eine intensive Prüfung vor Ort“ geben werde. 

Auch die anderen „noch nicht gemeinnützigen“ neun Pflegeheime im Land (von insgesamt 45 Heimen) müssen sich auf eine strengere Nachschau einstellen.

Wie berichtet, hat Landeshauptmann Hans Peter Doskozil (SPÖ) am vergangenen Donnerstag in der Fragestunde des Landtags die Kritik an der früheren FPÖ-Nationalrätin Wagner intoniert. Demnach habe sie ihr Pflegeheim um knapp zwei Millionen Euro an eine Gesellschaft verkauft, in der Wagner Eigentümerin sei. Abzüglich der noch offenen Verbindlichkeiten von 600.000 Euro fürs Haus habe die Betreiberin demnach „als Privatperson einen Gewinn von rund 1,3 Millionen Euro erzielt“. Dazu habe sich Wagner ein Geschäftsführergehalt von rund 190.000 Euro brutto ausbezahlt und einen Mercedes als Dienstwagen. „Wir müssen das finanzieren. Das ist nicht normal und kann es nicht geben“, wetterte Doskozil.

„Woher kommen die Gewinne?“

Am Dienstag bekräftigte Schneemann die Kritik Doskozils und nannte weitere Details. So habe die Wagner Pflegeheim Betriebs GmbH für 18 Heimbewohner zuletzt vom Land im Jahr 1,4 Millionen Euro Fördermittel (Tagsätze) bekommen. 2024 habe die GmbH einen Gewinn von 166.000 Euro ausgewiesen, der wohl ausgeschüttet worden sei (2025: 170.000), und Wagner habe sich ein Geschäftsführergehalt von 196.000 Euro ausbezahlt - obwohl es „laut Richtlinien des Landes“, die 2022 auch von Wagner unterschrieben worden seien, bis 28 Betten überhaupt kein Geschäftsführergehalt geben dürfe.

Schneemann sieht zwar keinen strafrechtlich relevanten Tatbestand, ortet aber dennoch Aufklärungsbedarf: „Wie sind diese Gewinne möglich und woher kommen sie?“ - das soll die zuständige Abteilung des Landes nun in einer Prüfung vor Ort klären.

Am Sonntag hatte sich Wagner erstmals - schriftlich - zu Wort gemeldet und die Vorwürfe zum Teil zurückgewiesen. Die Aussagen Doskozils hätten sie „erschüttert und meine Mitarbeiter und die Bewohner meines Hauses enorm verunsichert“, so Wagner damals. Sie zeigte sich aber überzeugt, dass „im persönlichen Austausch mit Vertretern des Landes die Themen aufgeklärt und offensichtlich vorliegende Missverständnisse ausgeräumt werden können“.

„Das Land spricht nicht mit mir“

Als sie der KURIER am Dienstag mit den aktuellen Äußerungen von Landesrat Schneemann konfrontiert, beklagt Wagner abermals, sie erfahre immer nur aus den Medien von den Vorwürfen. „Das Land hat mit mir bisher nicht gesprochen, die Aussagen des Landeshauptmanns im Landtag kamen für mich aus heiterem Himmel.“ Sie müsse erst zu Unterlagen kommen, um zu wissen, was ihr das Land vorwerfe, so Wagner.

Seines Wissens gebe es derzeit „keine konkreten Gespräche“ mit Wagner, meinte Schneemann, „wir verweigern uns aber nicht“. Die Prüfung vor Ort gebe aber ohnehin Gelegenheit zum Austausch.

Kommentare