Warum im Burgenland heuer mehr Zivildiener fehlen
Neun Rettungsdienste führten mit zwei Dutzend Fahrzeugen die Evakuierung durch (Symbolbild)
Wenn in Österreich ein Rettungswagen ausrückt, im Pflegeheim oder Kindergarten Unterstützung gebraucht wird oder ein Mensch im Alltag auf Hilfe angewiesen ist, dann ist sehr oft ein Zivildiener zur Stelle. Die Funktionsfähigkeit des Zivildienstes entscheidet darüber, ob Hilfe kommt – oder ob sie fehlt.
Die aktuellen Zahlen für das erste Quartal 2026 zeigen im Burgenland ein klares Bild: Das Interesse am Zivildienst ist hoch, aber der Druck auf das System steigt. Hintergrund sind geburtenschwache Jahrgänge und ein wachsender Bedarf im Sozial- und Pflegebereich.
Mit Stand 1. April liegt die Bedarfsdeckung im Burgenland bei 72,3 Prozent und damit um 12 Prozentpunkte unter dem Wert des ersten Quartals 2025. Damit weist das Bundesland im Österreich-Vergleich einen der niedrigsten Werte auf, nur Kärnten liegt mit 63,7 Prozent darunter.
338 Zivis im Einsatz
Der gemeldete Bedarf der Einrichtungen beträgt 83 Plätze und ist damit um 6 höher als im Vergleichszeitraum des Vorjahres. Gleichzeitig wurden lediglich 60 Zuweisungen verzeichnet – ein Rückgang um 15. Die Zahl der Zivildiensterklärungen ist hingegen gestiegen: 158 Meldungen bedeuten ein Plus von 56 gegenüber dem ersten Quartal 2025. Aktuell stehen im Burgenland 338 Zivildiener im Einsatz. Die meisten sind im Rettungswesen tätig (157), gefolgt von Sozial- und Behindertenhilfe (69) sowie Altenbetreuung (56). Im Bundesländervergleich erreichen OÖ (92,8 %), NÖ (92,4 %) und Vorarlberg (92 %) die höchsten Bedarfsdeckungen.
Ministerin Claudia Bauer (ÖVP) verweist auf die strukturellen Ursachen: „Wir haben im Zivildienst noch kein System, das kippt, aber der Druck nimmt zu – und dieser Druck kommt nicht von ungefähr.“ Deutlich weniger junge Männer bei einer älter werdenden Gesellschaft bedeutet für Bauer: „Der Spielraum wird kleiner.“ Und sie verweist auf die langfristige Entwicklung: „Der Zivildienst ist eine tragende Säule unseres Sozialsystems. Es geht um die zentrale Frage, wie wir diese tragende Säule aufrechterhalten. 2040 werden die aktuellen Jahrgänge wehrpflichtig sein. Bei ähnlichem Verhältnis zwischen Wehr- und Zivildienst werden uns ab 2040 jährlich 4.000 Zivildiener fehlen.“ Vor diesem Hintergrund plädiert die Ministerin für eine Verlängerung des Zivildienstes auf zwölf Monate, wenn die Wehrpflicht verlängert wird.
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