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Chronik Burgenland
02/27/2020

Warum fast 7 von 10 Burgenländern ein Auto haben (müssen)

Die Anzahl der Pkw wächst im Burgenland seit 2005 stärker als die Bevölkerung. Dafür gibt es einige Gründe.

von Michael Pekovics

Ein Burgenländer geht nur dann zu Fuß, wenn er zu seinem Auto geht. Eine Zuspitzung? Vielleicht. Tatsächlich ist der Besitz eines Pkw in ländlichen Regionen essenziell, um von A nach B zu kommen. Das gilt für das Burgenland ebenso wie für das Waldviertel oder die Obersteiermark – wenn auch noch verstärkt durch die zahlreichen pannonischen Streusiedlungen und die vor allem im Mittel- und Südburgenland häufigen Ortsteile.

Kein Wunder also, dass die Statistik Austria für das Burgenland 675 Pkw pro 1.000 Einwohner ausweist – mit Abstand der höchste Wert in Österreich. Allerdings legen die Burgenländer pro Jahr und Kopf nur 7.120 Kilometer zurück, was im Bundesländervergleich Rang 4 ergibt.

Dass allerdings die Anzahl der Pkw seit 2005 mehr als doppelt so stark gewachsen ist wie die Bevölkerung – nämlich um 38.700 im Vergleich zu einem Plus von 15.400 Personen – bedarf einer genaueren Analyse.

Die Situation in den Bezirken

Hauptgrund für den hohen Pkw-Anteil pro 1.000 Einwohner ist das mangelhafte Angebot im öffentlichen Verkehr. Das zeigt sich auch daran, dass die Anzahl der Pkw von Nord nach Süd zunimmt – in den Bezirken Güssing und Jennersdorf haben mehr als 7 von 10 Personen einen Pkw. Mitgerechnet sind dabei übrigens auch jene Menschen, die noch nicht lenkberechtigt sind, was den Anteil pro Kopf noch einmal vergrößert. Jedenfalls zeigt sich: Je besser das öffentliche Verkehrssystem ausgebaut ist, also je nördlicher, desto weniger Pkw pro Einwohner.

Mehr Arbeit braucht mehr Mobilität

Meist wird das Auto nämlich in Ermangelung von Öffis für eines genutzt: die tägliche Fahrt in die Arbeit. Nun steigt die Anzahl der Erwerbstätigen im Burgenland seit Jahren – von rund 85.000 im Jahr 2005 auf über 105.000. Diese 20.000 zusätzlichen Arbeitnehmer müssen natürlich mobil sein. Etwa drei Viertel der burgenländischen Arbeitnehmer fahren mit dem eigenen Pkw in die Arbeit, umgerechnet sind das allein rund 15.000 Pkw zusätzlich.

Wer mehr verdient, leistet sich mehr

Mit der steigenden Erwerbstätigkeit einher geht auch eine Zunahme der Kaufkraft, was Autos insgesamt leistbarer macht. Auch deshalb, weil viele Burgenländer als Tages- oder Wochenpendler zu ihrem Arbeitsplatz in andere Bundesländer fahren und dort mehr verdienen, als es in der Heimat möglich wäre. Oft ist dafür aber ein eigenes Auto Voraussetzung. In den vergangenen Jahren ist die Kaufkraft im Burgenland kontinuierlich gestiegen, 2019 lag man mit mehr als 24.000 Euro pro Kopf und Jahr bereits auf dem 4. Platz im Bundesländervergleich.

Frauen in Teilzeitarbeit

Ein weiterer Faktor für das starke Plus bei der Anzahl der Pkw ist die zunehmende Erwerbstätigkeit von Frauen: Sind in einem Haushalt zwei Personen berufstätig und ist einer auf das Auto angewiesen, braucht der oder die andere – je nach Öffi-Angebot und Arbeitsplatz – auch eines. Der Anteil der erwerbstätigen Frauen hat sich im Lauf der Jahre auf mehr als 66 Prozent hochgeschraubt, liegt aber noch immer unter dem österreichischen Durchschnitt. Das allerdings bei einer vergleichsweise hohen Teilzeitquote, bei der sich einmal mehr ein Nord-Süd-Gefälle zeigt: Je weiter südlich, desto eher arbeiten Frauen in Teilzeit.

Die Auswirkungen der Entwicklung

Weil es so viele Autos gibt, wird fast jede Strecke damit gefahren – auch kurze Strecken. Ein Drittel aller Beschäftigten wohnt nur 5 Kilometer vom Arbeitsplatz entfernt, rund die Hälfte etwa 12 Kilometer. Zwar keine Strecke, die man täglich zu Fuß gehen will. Die aber vielleicht für Alternativen wie E-Auto oder E-Fahrrad geeignet wäre.

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