Wollen  eine Familie bleiben: Andrea Roschek mit Elena, Georgina Miruna und Maria Yoana in ihrem Zuhause in Nebersdorf

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Nebersdorf
10/21/2014

Waisen bangen wieder um ihre Zukunft

Geht es nach rumänischem Jugendamt müssen die minderjährigen Mädchen in ihre Heimat zurück.

von Natascha Marakovits

"Wir sind verzweifelt. Erst letzte Woche haben wir uns gefreut, dass nun alles überstanden ist. Aber schon zwei Tage später kam der Anruf von Maria aus Rumänien. Sie hat nur geweint und gesagt, dass die Mädchen zurück müssen", erzählt Andrea Roschek, die Maria Yoana (18), Elena (13) und Georgina Miruna (7) nach dem Krebstod ihrer Mutter und einer schweren Krankheit des Vaters im Februar bei sich aufgenommen hat (der KURIER berichtete).

Maria, die Älteste sollte die Vormundschaft über ihre Schwestern übernehmen, wofür sie ein Sparbuch mit 20.000 Euro nachweisen musste. Nach einer unglaublichen Welle an Hilfsbereitschaft ist es gelungen, das für eine Niederlassungsbewilligung in Österreich erforderlichen Geld zu sammeln.

Nun, wo alles geregelt zu sein schien, tauchen neue Probleme auf. Weil der Vater der Mädchen vor Kurzem gestorben ist, war Maria in ihre Heimat gefahren, um das Begräbnis zu organisieren. Daraufhin kam die Hiobsbotschaft von der Kinderschutzstelle in Rumänien: Damit Maria die Obsorge bekomme, brauche sie 12.000 Euro. Außerdem solle sie einen Job in Rumänien annehmen und mit ihren Schwestern in Rumänien leben. Erst dann wolle man schauen, ob sie die Vormundschaft bekommt.

Für Roschek und die Kinder eine Katastrophe, sind sie doch mittlerweile eine richtige Familie geworden. "Elena und Miruna gehen hier zur Schule. Es gefällt ihnen." Das bestätigt auch Elvira Heisinger, Schulleiterin der Neuen Mittelschule in Großwarasdorf. "Elena ist zwar erst seit diesem Schuljahr bei uns, aber schon jetzt gut integriert. Die Schicksalsschläge zu verkraften, sind für das Mädchen nicht einfach und es wäre schade, wenn sich jetzt wieder alles ändern würde."

Prominente Hilfe

In ihrer Verzweiflung hat sich Andrea Roschek an Ioan Holender gewandt. Schon eimal hat der ehemalige Staatsoperndirektor, der selbst aus Rumänien stammt, den Mädchen geholfen, indem er im Juni bei einem Benefizkonzert aufgetreten ist. Nun setzt er sich wieder für sie ein. "Ich habe bei der Kinderschutzstelle in Rumänien angerufen, diese waren aber nicht bereit mir Auskunft zu geben", sagt Holender. "Ich finde die ganze Geschichte absurd. Andrea Roschek ist ein Engel, die Kinder sollen bei ihr bleiben dürfen."

Noch einmal will er mit Hilfe eines Benefizkonzerts Spenden sammeln. "Mein Sohn Livio tritt am 26. November im Alten Rathaus in Wien auf. Die Einnahmen sollen für die Kinder sein", meint Holender.

Unterdessen will Andrea Roschek nicht aufgeben und sich an die rumänische Botschaft wenden. "Ich hoffe, dass sie uns helfen können."

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