Chronik | Burgenland
08.04.2017

Vorwürfe gegen Ex-Krages-Chef: Suppe bleibt dünn

Rene Schnedl soll Sonderprüfung behindert haben und Auszahlung von Boni schlecht dokumentiert haben.Streitpunkt dürfte aber eher KH Oberwart sein

Seit Montag herrschte Rätselraten über die Hintergründe der überfallsartigen Entlassung von Krages-Geschäftsführer René Schnedl. Die einzige Erklärung, die sich der als Gesundheitslandesrat und Aufsichtsratsvorsitzender der landeseigenen Krankenanstaltengesellschaft doppelt zuständige Norbert Darabos (SPÖ) bislang abgerungen hatte: Es habe dienstrechtliche "Verfehlungen und Unregelmäßigkeiten" gegeben, die im Zuge der laufenden Krages-Sonderprüfung zutage gefördert worden seien. Anlass der Prüfung: die Eingliederung der Krages in die Landesholding.

Freitagnachmittag wurde der Krages-Aufsichtsrat in einer außerordentlichen Sitzung von den Prüfern, den Anwälten Johannes Wutzlhofer und Alexander Sporn sowie dem schon von der Begas-Sonderprüfung mit pannonischen Phänomenen vertrauten Wirtschaftsprüfer Richard Kohlhauser, informiert. Danach sickerten Details durch: Etwa, Schnedl solle die Sonderprüfung "aktiv verschleppt" haben, indem er Termine blockierte oder Mitarbeitern "Weisungen erteilte", bestimmte Unterlagen nicht ans Land weiterzuleiten. Zudem soll es "Unregelmäßigkeiten bei der Auszahlung von Boni" an den Geschäftsführer gegeben haben. Nicht, dass sie ihm nicht zugestanden wären, aber sie seien "relativ willkürlich und undokumentiert" erfolgt, hieß es.

Rechtfertigt das wirklich das Auffahren von so schwerem Geschütz oder sollte damit bloß ein unliebsamer Manager abgeschossen werden? Schnedl hat als weisungsgebundener Geschäftsführer einer Landesgesellschaft wiederholt mit Bestimmtheit seine Position vertreten – manche sagen mit übergroßem Selbstbewusstsein.

Gerade beim politisch überaus heiklen Neubau des Krankenhauses Oberwart soll das bei Darabos und vor allem Landeshauptmann Hans Niessl gar nicht gut angekommen sein. Das teuerste Einzelprojekt in der Geschichte des Landes hängt – wieder einmal – in der Luft. Vor gut zehn Jahren wollte man sanieren, 2014 beschloss die rot-schwarze Regierung den Neubau. Die Kostenschätzungen stiegen stetig, zuletzt war aber immer von 165 Millionen Euro die Rede. Aber seit Ende des Vorjahre sind die Planungen unterbrochen, u.a. weil es noch immer keine Entscheidung gibt, ob das Spital über 308 oder deutlich mehr Betten verfügen soll.

Zudem sollen die Kosten mittlerweile bei bis zu 205 Millionen Euro liegen. Inklusive Zinsbelastung auf 40 Jahre müsste das Land gar eine Summe jenseits von 240 Millionen Euro stemmen. All das soll Schnedl Darabos und Niessl unmissverständlich mitgeteilt haben. Blöd auch, dass Darabos die Eröffnung mit 2021 angekündigt hat, 2023 aber weit realistischer und Basis für den Generalplaner ist. Die Gretchenfrage: Wer ist der Sündenbock für Kostenexplosion und Spätstart?

Diesen Kelch will Schnedl nicht leeren. Der 43-Jährige klagt offene Ansprüche aus seinem bis Mitte 2019 laufenden Vertrag ein. Und Wiedereinstellung? Schnedl: "Bestimmt nicht".