Vom Traum zum eigenen Bierschaum

Peter Döllinger baute weltweit Brauanlagen und arbeitete für Großbrauereien. Nun stellt er sein eigenes Schlossbier her.

Mit 14 machte er seinen ersten Schluck Bier. „Damals wusste ich noch nicht, dass ich einmal Bierbrauer werde“, sagt Peter Döllinger. Durch seine berufliche Karriere begleitete ihn der Gerstensaft. Jetzt braut er sein eigenes Bier in Kobersdorf. Davor arbeitete er bei verschiedenen Großbrauereien und führte ein Ingenieursbüro. Seit 2009 lebt er seinen Traum und arbeitet in seiner eigenen Brauerei.

Laufbahn

Schon während seines Studiums der Lebensmittel- und Biotechnologie zog es ihn nach Ottakring in die Brauerei. „Ich habe nebenbei dort gearbeitet, nach dem Studium kam ich dann ins Financial Controlling“, erklärt der 52-Jährige. Sein Job bei Ottakringer brachte Döllinger auch nach Afrika. „Fast ein Jahr lang war ich in Kamerun tätig, dort haben wir das Ottakringer Goldfass in Lizenz gebraut.“ Die Arbeitsbedingungen in Douala waren hart, die Rohstoffe hatten lange Transportwege, und die Mitarbeiter waren meist ungelernt. „Die Arbeit in Afrika war mir eine Lehre fürs Leben, so schnell bringt mich seither nichts mehr aus der Ruhe, egal wo ich arbeite“, erzählt Döllinger.

Nach seiner Zeit bei Ottakringer ging er zu Stiegl-Brauerei. Daraufhin zog es ihn nach Schladming, dort baute er erstmals eine Brauerei komplett um. „Danach gründete ich mein Ingenieursbüro.“ Er plante und stattete Brauereibetriebe rund um den Globus aus. „Es waren auch richtige Industriebetriebe dabei, die 14 Millionen Hektoliter im Jahr produzieren“, schildert Döllinger. Eine Brauerei, die er in St. Petersburg mit aufbaute, war 14 mal so groß wie jene in Schwechat. Seine Arbeit führte ihn von Sibirien bis nach Südamerika.

Eigenkreation

Döllingers Schloßbier
© Bild: Roland PittnerRoland Pittner

2005 verwirklichte er seine Idee vom eigenen Bier, braute es aber noch nicht selbst. „Ich wollte das Risiko klein halten, weil ich ja noch unterwegs war“, sagt Döllinger.

Doch 2009 ergab sich die Gelegenheit, eine Brauanlage zu kaufen. „Da hat dann alles gepasst, und ich habe mein Ingenieursbüro ruhend gestellt.“ Nun braut er 600 Hektoliter von seinem Kobersdorfer Schlossbier und verkauft es im Burgenland und in Wien an die Gastronomie. „Jeder Bierbrauer träumt von seinem eigenen Bier, das habe ich mir jetzt verwirklicht“, sagt der 52-Jährige. Andere würden an die Pension denken, der Gerstensaft-Produzent hat aber noch Einiges vor. Dieses Jahr will er noch sein Pils auf den Markt bringen, nebenbei braut er immer wieder spezielle Biere für Vereine oder Veranstaltungen.

Der vielgereiste Unternehmer ist noch immer oft unterwegs, nur nicht mehr zwischen Caracas und St. Petersburg, eher im Burgenland. Denn in Kobersdorf fühlt er sich nun erstmals zu Hause, wie er sagt. Auch sein Schlossbier passt gut ins Burgenland, deshalb ist sein Motto: „Dein Bier aus der Heimat“.

Variationen fürs Faschings- oder Keltenfest

Noch im alten Jahr war Bierbrauer Peter Döllinger fleißig und legte den Grundstein für das erste Faschingsbier in der Gemeinde. Gemeinsam mit Korbersdorfs evangelischer und katholischer Burschenschaft entstand die Idee zum besonderen Gerstensaft. Am 30. Dezember wurde der erste Sud gebraut. Bis zur Faschingswoche ist das Bier dann fertig. „Bei uns wird der Fasching noch richtig gefeiert, da wird auch das eine oder andere Bier getrunken“, erklärt Andreas Berger, Chef der katholischen Burschenschaft. 980 Liter Faschingsbier sollten bis Aschermittwoch geleert werden.

Anlassbiere Spezialaufträge bekommt der Bierbrauer öfters. „Ich habe auch schon ein Honigbier für ein Keltenfest gemacht“, sagt Döllinger. Ab einer gewissen Bestellmenge, stellt der Bierbrauer auch Sonderanfertigungen für jedermann her. Diese Arbeit macht dem 52-Jährigen besonders Spaß, wie er sagt. „Bei den Anlassbieren kann ich nämlich so richtig kreativ werden.“

( Kurier ) Erstellt am 08.01.2012