© FREMD/Nationalpark Neusiedler See Seewinkel

Nach Abschüssen
06/27/2014

Vogelparadies unter Beschuss

"Der gute Ruf des Burgenlands ist jetzt dahin", kritisiert der WWF.

von Claudia Koglbauer-Schöll

Die Fälle rund um abgeschossene Greifvögel im Burgenland nehmen kein Ende. Wie der KURIER berichtete, haben Ermittler erst vor Kurzem bei einer Hausdurchsuchung zweier Jäger im Mittelburgenland elf Präparate sowie 24 tote Greifvögel entdeckt. Die Tiere – darunter Eulen, Habichte und Bussarde – waren in einer Tiefkühltruhe gelagert. Jetzt wurde erneut ein Fall von möglicher Wilderei bekannt. In St. Andrä am Zicksee im Bezirk Neusiedl am See wurde ein Fischadler mit neun Schrotkugeln im Rücken gefunden, in Apetlon, wurde laut der Tierschutzorganisation Vier Pfoten vor einer Woche eine Rohrweihe, ein Greifvogel, erschossen.

Auch der Fischadler hatte keine Überlebenschance, er starb während der Operation. Der Greifvogel war Ende April angeschossen worden, ein Mitarbeiter des WWF hatte am Freitag Anzeige erstattet. Das Landeskriminalamt Burgenland ermittelt.

"Das Burgenland hatte in den vergangenen Jahren immer Vorbildfunktion. Doch dieser gute Ruf ist jetzt dahin", sagt Christian Pichler, Mitarbeiter des WWF zu den jüngsten Vorfällen illegaler Abschüsse von Greifvögeln.

Auf der Durchreise

In Österreich, so Pichler, gebe es ohnehin nur noch wenige der geschützten Vögel. Jener schwer verletzte Fischadler, der in St. Andrä gefunden wurde, dürfte nur auf der Durchreise im Seewinkel gewesen sein. "Gerade Fischadler kommen sehr selten vor. Das nächste Brutpaar lebt in Deutschland."

Vor ein paar Jahren habe man in Österreich kaum noch Adler gesehen. "Von den Seeadlern gibt es jetzt 20 Brutpaare, da zählt jeder Vogel." Pichler vermutet, dass die Greifvögel so manchem Jäger ein Dorn im Auge sein könnten. "Oft hört man, Greifvögel würden Überhand nehmen und Fischteiche leerfressen oder Hasen und Fasane reißen. Ich glaube, dass Konkurrenzdenken der Hauptgrund für die Abschüsse ist."

Bei der Tierschutzorganisation Vier Pfoten verdächtigt man – zumindest im Fall der 24 toten Greifvögel, die in der Gefriertruhe gelagert wurden – die Jäger der "illegalen Geschäftemacherei mit geschützten Tieren". Die Tiere, so Vier Pfoten, seien eingefroren worden, um sie später präparieren zu lassen.

Im Fall der abgeschossenen Vögel im Seewinkel sei das Motiv für die Tierschützer unklar. "In der Gegend muss ein Verrückter unterwegs sein", sagt Brigitte Kopetzky von Vier Pfoten. Auch im Mai wurde ein Storch in Pamhagen im Seewinkel angeschossen. Das Tier wurde in die Greifvogelstation Haringsee, NÖ, gebracht. "Er ist der einzige, der die Schüsse überlebt hat", sagt Kopetzky. Ob der Storch wieder fliegen kann, wird sich kommende Woche weisen.

"Kein Kavaliersdelikt"

Für Landesjägermeister Peter Prieler seien die illegalen Abschüsse "kein Kavaliersdelikt": "Es handelt sich dabei um grobe und schwerwiegende Verstöße gegen die Weidgerechtigkeit sowie die Gesetze, auf deren Einhaltung die Jägerschaft großen Wert legt." Der Landesjägermeister betont, dass für die Beschuldigten aber bis auf weiteres die Unschuldsvermutung zu gelten habe.

Bei den Jagdverbandsversammlungen habe er das Thema aufgegriffen. "Ich habe den Jägern gesagt, dass so ein Verhalten nicht tolerierbar ist." Zwei bis drei schwarze Schafe würden aber "auch in den besten Familien vorkommen", so Prieler.

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