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Wie ein Start-up aus Güssing Schwindel schneller erkennen will

Das Unternehmen Vertify entwickelt eine Smartphone-Technologie zur Abklärung von Schwindel. Nun wird die Beteiligung der Wirtschaftsagentur Burgenland erhöht.
Sieben Personen stehen auf einer Terrasse vor einem Gebäude, im Hintergrund sind Dächer und ein bewaldeter Hügel zu sehen.

Schwindel zählt zu jenen Symptomen, die in der Medizin besonders häufig vorkommen – und für Betroffene oft besonders mühsam sind. Rund jeder sechste Patient in der Hausarztpraxis leidet darunter, bei Menschen über 80 Jahren ist sogar jede zweite Person betroffen. Die Ursachen sind komplex, die Abklärung führt oft über mehrere Fachärzte, MRT- oder CT-Untersuchungen.

Genau hier will das österreichische Healthtech-Unternehmen Vertify mit Sitz in Güssing und Graz ansetzen. Das Unternehmen entwickelt seit Jänner 2020 eine auf Machine Learning basierende Eye-Tracking-Technologie für Smartphones. Mit dem Produkt „VertifyMed“ sollen Augenbewegungen aufgezeichnet und automatisch ausgewertet werden. Kombiniert wird das mit einem digitalen Anamnese-Fragebogen. Ziel ist, dass Hausärzte die Ursache von Schwindel bereits in der ersten Anlaufstelle besser eingrenzen können – in wenigen Minuten.

Mehr Anteile fürs Land

Noch befindet sich „VertifyMed“ in Zertifizierung. Das Unternehmen ist zertifiziert, die CE-Kennzeichnung als Medizinprodukt in der EU ist geplant. Dennoch bereitet Vertify bereits den nächsten Wachstumsschritt vor. Im Rahmen einer aktuellen Finanzierungsrunde stockt die Wirtschaftsagentur Burgenland ihre bestehende Beteiligung an dem Unternehmen auf.

An Bord sind außerdem die Invest AG als Ankerinvestor, die Raiffeisen-Landesbank Steiermark und Lalider Ventures. Das Kapital soll für den regionalen und internationalen Vertriebsaufbau, den Roll-out sowie die Weiterentwicklung der Produkte verwendet werden. Laut Unternehmen könnten durch die Technologie im Versorgungsweg Kosteneinsparungen von rund 30 Prozent möglich sein.

„Standort gestärkt“

Landeshauptmann Hans Peter Doskozil sieht in Vertify ein Beispiel für technologische Entwicklung am Standort Burgenland. Das Unternehmen schaffe „konkreten gesellschaftlichen Nutzen und medizinischen Mehrwert für Patientinnen und Patienten“. Zugleich werde damit der Technologiestandort Burgenland gestärkt. Gerade in der Medizintechnik sei es wichtig, Zukunftstechnologien am Standort zu entwickeln und mit österreichischem Kapital Wachstum zu ermöglichen.

Auch Klaus Stinakovits, Geschäftsführer der Wirtschaftsagentur Burgenland, verweist auf die langfristige Begleitung des Unternehmens. Mit der Invest AG habe man zudem einen der etabliertesten Investoren Österreichs gewinnen können. Nach erfolgter medizinischer Zulassung wolle man am Unternehmenserfolg entsprechend partizipieren.M. Pekovics

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