© Burgenland Tourismus/Foto Lexi

Chronik Burgenland
09/01/2019

Urlaub im Kellerstöckl: Idylle mit Schattenseiten

Die kleinen Häuschen werden von Touristen gut angenommen, doch ein Gesamtkonzept fehlt.

von Michael Pekovics

Sie stehen oft mitten in den Weingärten oder in Kellervierteln, abgeschieden von der Außenwelt, die im südlichen Burgenland sowieso schon weitaus idyllischer, weil naturbelassener ist als im Rest des Landes.

Die Rede ist von den Kellerstöckln, jenem touristischen Angebot, das seit rund einem Jahr auch vom international tätigen Ferienhausanbieter Novasol vermarktet wird. Rund 60 Kellerstöckl gibt es derzeit im Angebot.

Im ersten Jahr wurden 8.000 Nächtigungen im Südburgenland gezählt, das sind im Schnitt 133 Nächte pro Kellerstöckl. Deren Eigentümer müssen sich nicht um die Vermarktung kümmern, Novasol erhält für die Vermittlung Provision.

Laut Rainer Karbon, Country Manager bei Novasol, bleiben die Gäste durchschnittlich 8,5 Nächte – und je weiter die Anreise der Gäste ist, desto länger auch ihr Urlaub. Zum Vergleich: Im ganzen Burgenland liegt dieser Wert bei unter 3.

Mehr Steirer als Wiener

Rund die Hälfte der Gäste kommt aus dem Inland, die andere aus dem Ausland. Davon kommen wiederum 80 Prozent aus Deutschland, aber auch aus den Niederlanden und Dänemark.

Interessant: Nicht etwa Wiener, sondern Steirer sind jene österreichischen Gäste, die am häufigsten in den südburgenländischen Kellerstöckln urlauben.

Für Landtagspräsidentin Verena Dunst (SPÖ), unter deren landesrätlichen Federführung das Projekt gemeinsam mit dem Regionalmanagement Burgenland (RMB) in Person von Gerhard Pongracz geboren und entwickelt wurde, ist das eine „Aufwertung des touristischen Angebots“. Jetzt gehe es darum, Pakete zu schnüren und die ganze Region einzubinden.

Tatsächlich hat die eingangs erwähnte Idylle auch ihre Schattenseiten, nämlich im Angebot abseits der malerischen Unterkünfte. Das sei nämlich oft schlichtweg nicht ausreichend vorhanden, wie ein Kellerstöckl-Besitzer, der nicht bei Novasol unter Vertrag ist und anonym bleiben möchte, im Gespräch mit dem KURIER erzählt: „Der nächste offene Buschenschank ist oft kilometerweit entfernt, ein gastronomisches Gesamtkonzept wäre wünschenswert.

Auch die Beschilderung ist ein Problem, weil viele Tafeln veraltet sind und die Gäste nicht wissen, dass nur dann offen ist, wenn ein Buschen dran hängt.“

Außerdem mangle es sowohl an Zusammenhalt in der Region als auch an Unterstützung durch die örtliche Politik. Es gebe zwar viele touristische Projekte, die mit EU-Förderungen „aus dem Boden gestampft“ wurden, aber nicht nachbetreut werden. Das sorge angesichts der verwachsenen Informationsschilder für Verwunderung unter seinen Gästen.

Warum er sich nicht für Novasol als Vermarkter entschieden habe? „Das mache ich selbst auf Plattformen wie Airbnb oder Booking und bin die gesamte Saison über ausgebucht, ohne 30 bis 40 Prozent Provision zahlen zu müssen.“ (Anmerkung: Tatsächlich sind 25 % Provision zu zahlen.)

100 Kellerstöckl als Ziel

Das Angebot von Novasol ist dennoch für viele Kellerstöckl-Besitzer interessant.

Aktuell gibt es 10 weitere, die laut Karbon Interesse an der Vermarktung bekundet hätten. Der Country Manager rechnet mit noch mehr und geht von bis zu 100 Kellerstöckl im Jahr 2020 aus. Dieser Entwicklung wurde mit dem erst unlängst eröffneten Informationsbüro im Weinmuseum Moschendorf, einer zentralen Anlaufstelle für Touristen und Kellernstöckl-Besitzer, Rechnung getragen.

Das bisherige Feedback der Gäste sei zum Großteil positiv, sagt Karbon. Vor allem die Möglichkeit, Hunde mitzunehmen, werde immer wieder als Plus genannt.

Was sich seine Gäste für die Kellerstöckl wünschen würden? „Zäune und Swimmingpools.“

Also doch nicht zuviel an Abgeschiedenheit und Idylle.