Unsere Wirte: Mehr als ein Ort zum Essen

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Gastronomie und Hotellerie profitieren von den Feiertagen – im Jahresverlauf bleibt die Lage vieler Betriebe aber angespannt.

Von Michael Pekovics und Josef Lang

Die burgenländische Gastronomie erlebt in diesen Tagen ein Wechselbad der Gefühle. Einerseits sorgen die Weihnachtsfeiertage für volle Lokale und zufriedene Gäste. Andererseits zeigt sich abseits der Feiertage ein düsteres Bild: Das klassische Wirtshaus, einst gesellschaftlicher Mittelpunkt vieler Gemeinden, verschwindet zunehmend aus den Ortschaften.

Rund um den 25. und 26. Dezember sind Gasthäuser und Restaurants im ganzen Land ausgebucht. „Man gönnt es sich, keinen Aufwand zu haben und stressfrei gut essen zu gehen. Essen im Restaurant, feiern Zuhause“, beschreibt Matthias Mirth, Obmann der Fachgruppe Gastronomie Burgenland, den aktuellen Trend. Vor allem zu Mittag seien die Lokale randvoll, während das Abendgeschäft eher verhalten verlaufe.

Wellness-Boom

Auch die Hotellerie profitiert: „Viele, die dem Weihnachtsstress entgehen wollen, genießen die Feiertage lieber im Hotel und lassen sich kulinarisch verwöhnen“, sagt Ronald Kiss, Obmann der Fachgruppe Hotellerie Burgenland. Besonders die Wellnesshotellerie verzeichne starke Buchungen.

Trotz hoher Zuschläge für Feiertagsarbeit können Betriebe durch den Andrang wirtschaftlich profitieren. Die günstige Lage der Feiertage ermögliche zudem mit wenigen Urlaubstagen eine längere Erholungszeit – ein Umstand, von dem Gastronomie und Hotellerie gleichermaßen profitieren.

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Das geschlossene Gasthaus Waldmann in Draßmarkt.

Abseits dieser kurzen Hochphase sieht die Realität vieler Wirtinnen und Wirte jedoch anders aus. Im Bezirk Oberpullendorf stehen 94 in den vergangenen Jahren geschlossenen Gasthäusern nur 76 geöffneten gegenüber. 

In 20 von 61 Ortschaften gibt es heute kein einziges Wirtshaus mehr – Orte wie Oberrabnitz, Steinberg, Oberloisdorf oder Weingraben sind mittlerweile gastronomische Leerzonen.

Besonders bemerkenswert: In der einstigen Wirtshaus-Hochburg Stoob schlossen zwölf Betriebe, nur vier haben überlebt. Auch in Pilgersdorf mit seinen sieben Ortsteilen existieren nur noch zwei Gasthäuser.

Dagegen zeigen Neutal und der Bezirksvorort Oberpullendorf, dass eine positive Entwicklung möglich ist – in Neutal sind vier Betriebe geöffnet, in Oberpullendorf neun.

Das sind die Probleme

Das Wirtshaussterben ist kein rein regionales Phänomen. Österreichweit sank die Zahl der Gasthäuser von rund 15.000 im Jahr 1986 auf nur noch etwa 5.600 im Jahr 2023. Die Ursachen sind vielfältig: gestiegene Betriebskosten, hohe Steuerlast, zunehmende Bürokratie und ein spürbarer Fachkräftemangel.

Hinzu kommt das Fehlen von Nachfolgerinnen und Nachfolgern. Viele Familienbetriebe finden niemanden, der den aufwendigen und oft unregelmäßigen Betrieb fortführt.

Gleichzeitig verändern sich die Freizeitgewohnheiten: Während früher das Wirtshaus der Treffpunkt für Dorfgemeinschaften war, werden heute viele Freizeitaktivitäten anders organisiert – vom Fitnessstudio über Streamingabende bis zu privaten Treffen daheim.

Branchenvertreter fordern daher gezielte Maßnahmen, um die ländliche Gastronomie zu stärken. Diskutiert werden steuerliche Erleichterungen, Investitionsförderungen für Modernisierung und Revitalisierung sowie stärkere Kooperationen mit regionalen Produzenten. 

Auch neue Konzepte – etwa zusätzliche Dienstleistungen wie Poststellen oder Vereinsräume, thematische Wochen wie Wildbret- oder Ganslwochen oder kulturelle Veranstaltungen – sollen helfen, die Gasthäuser wieder stärker im Dorfleben zu verankern.

So wird Zukunft positiv

„Wer eigene Ideen hat, daran glaubt und an ihrer Umsetzung arbeitet, hat gute Chancen, die Zukunft im Gasthaus positiv mitzugestalten“, heißt es in einem Branchenresümee. Entscheidend bleibe jedoch, dass die Bevölkerung die bestehenden Wirtshäuser auch tatsächlich besucht – denn nur so könne der gesellschaftliche Mittelpunkt vieler Dörfer erhalten bleiben.

Dass der Wunsch nach einer lebendigen Gasthauskultur besteht, zeigen viele diesbezügliche Kommentare, die unlängst im Rahmen der KURIER-Regionalumfrage abgegeben wurden. Das Wirtshaus ist für Bevölkerung mehr als nur ein Ort zum Essen – es ist ein Stück gelebte Kultur, das zu bewahren sich lohnt.

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