Chronik | Burgenland
26.11.2018

Umgebungslärm im Burgenland: Betroffene Orte fehlen

Landesregierung hat Aktionsplan beschlossen. Spezielle Maßnahmen gibt es darin aber nicht

Wer in Österreich für Lärm beziehungsweise lärmgeplagte Bürger zuständig ist, ist erst auf den zweiten Blick erkennbar. Die burgenländische Landesregierung hat Ende Oktober den „Umgebungslärm-Aktionsplan 2018 – Straßen außer A&S“ beschlossen. Diese Aktionspläne werden alle fünf Jahre erstellt, Hintergrund ist die Umgebungslärmrichtlinie der EU.

Im Aktionsplan sind jene Orte aufgelistet, in denen besonders viele Menschen Umgebungslärm ausgesetzt sind (siehe Grafik). Das Problem dabei: Autobahnen und Schnellstraßen zählen nicht dazu, dafür ist der Bund beziehungsweise die österreichische Autobahngesellschaft Asfinag zuständig. Darüber hinaus werden nur Landesstraßen mit einem täglichen Verkehrsaufkommen von mehr als 8.800 Fahrzeugen, also rund drei Millionen Fahrzeuge jährlich, in das Planungsgebiet aufgenommen. Diese Aufnahme ist aber Voraussetzung dafür, dass überhaupt erhoben wird, wieviele Menschen betroffen sind.

Querschnittsmaterie

Das ist auch der Grund dafür, warum die Gemeinden Großhöflein (siehe Zusatzbericht unten) und Müllendorf in der Aufstellung fehlen, obwohl hier die Lärmbelastung aufgrund der Nähe zur A3 besonders hoch ist. Dementsprechend viele Stellungnahmen aus diesen Gemeinden sind deshalb im Evaluierungszeitraum beim Amt der Burgenländischen Landesregierung eingangen. Auch Bürger aus Wulkaprodersdorf, Parndorf und Oberloisdorf gaben Kommentare ab. „Diese Eingaben wurden entweder bearbeitet oder an die zuständigen Stellen weitergeleitet“, sagt Referatsleiter Helmut Hedl, der vom Lärm als „Querschnittsmaterie“ spricht: „Das Thema Lärm beschäftigt viele Abteilungen, jede macht in ihrem Wirkungsbereich, was möglich ist. Es gibt aber weder klare Zuständigkeiten noch ein Budget, vielmehr geht es um Koordination und das Setzen von Schwerpunkten.“

Auf Seite 27 des Aktionsplans finden sich 13 Maßnahmen gegen Umgebungslärm, darunter etwa der Bau der S7, die Weiterführung der B61a, der Bau der „Schleife Eisenstadt“, der Ausbau von Park & Ride-Anlagen oder die Förderung von Lärmschutzfenstern. Von 2013 bis 2017 wurden für letztere rund 450.000 Euro an Förderungen für den Einbau in 216 Gebäuden ausbezahlt.

Verkehr nimmt zu

Insgesamt sind im Burgenland knapp 4000 Menschen tagsüber einer Lärmbelastung von mehr als 60 Dezibel ausgesetzt (Anm: vergleichbar mit einer Nähmaschine oder einem Gruppengespräch); für knapp 2700 Burgenländer liegt die Lärmbelastung in der Nacht bei über 50 Dezibel (Regen, Kühlschrankgeräusche). „Ich habe den Eindruck, dass Verkehrslärm im Burgenland im Vergleich zu anderen Bundesländern ein eher untergeordnetes Problem ist“, sagt Hedl.

Die Problematik könnte angesichts des steigenden Verkehrsaufkommens zunehmen. Wie der Verkehrsclub Österreich herausgefunden hat, benutzen immer mehr Fahrzeuge die burgenländischen Autobahnen und Schnellstraßen (siehe Grafik): Plus 4,5 Prozent auf der A4 bei Zurndorf; plus 1,2 Prozent auf der A3 bei Großhöflein, wo aktuell über 35.000 Fahrzeuge täglich unterwegs sind.