© Ronald Fenk

Chronik Burgenland
03/17/2020

Türkises Tandem will ÖVP aus dem Tief strampeln

ÖVP-Chef Sagartz und Parteimanager Fazekas sind seit Jahren ein eingespieltes Team

von Thomas Orovits

Fragt man Christian Sagartz und Patrik Fazekas, was sie am jeweils anderen besonders schätzen, stößt man auf einen scheinbar unzerstörbaren Kern: Man könne einander blind vertrauen und sich aufeinander verlassen, geben der neue ÖVP-Chef Sagartz und sein neuer Landesgeschäftsführer Fazekas – getrennt voneinander – zu verstehen. Und es sei auch nicht ungewöhnlich, dass man „bei einem Achtel Wein zusammensitzt und über Privates plaudert“, so Fazekas.

Vor gut drei Wochen hat der 39-jährige Pöttschinger Sagartz die Volkspartei nach einem Tiefschlag übernommen: Bei der Landtagswahl im Jänner verbuchte die ÖVP mit 30,6 Prozent das zweitschlechteste Ergebnis seit 1945. Mit mehr als 19 Prozentpunkten hinter der absolut regierenden SPÖ ist der Abstand zwischen den Volksparteien so groß wie nie.

Auf Sagartz, der die vergangenen fünf Jahre Klubchef im Landtag war und seit einigen Wochen einziger Burgenländer im EU-Parlament ist, wartet sehr viel Arbeit.

Dabei vertraut er neben Neo-Klubchef Markus Ulram und dem neuen zweiten Landtagspräsidenten Georg Rosner vor allem auf Fazekas, seit 2015 Mitglied des Landtags. Nach dem Studium der Wirtschaftsberatung an der FH Wiener Neustadt hat der neue Parteimanager zuletzt in der Wiener ÖAMTC-Zentrale im Liegenschaftsmanagement gearbeitet. Im türkisen Parteihaus plant er keine größeren personellen Umbauten. Allein Pressesprecherin Bettina Eder wird sich beruflich verändern; Yannic Sommer ist mittlerweile Büroleiter des Hornsteiner Bürgermeisters Christoph Wolf. Finanziell habe die verpasste Rückkehr in die Landesregierung keine Delle verursacht, ein Sparpaket für die ÖVP-Landespartei sei nicht nötig, so Fazekas.

Der 30-jährige Mittelburgenländer kennt seinen Chef beinahe sein halbes Leben – seit 2006: Sagartz war damals in den Landtag eingezogen und Chef der Jungen Volkspartei, HAK-Schüler Fazekas in der ÖVP-nahen Schülerunion aktiv. Der Ältere gab den Anstoß für die ersten politischen Gehversuche des Jüngeren.

Mittlerweile hat Fazekas Sagartz schon zum zweiten Mal indirekt beerbt. Erst folgte Fazekas Wolf als JVP-Chef (2013 bis 2019) nach und jetzt als Landesgeschäftsführer. Beide Funktionen hat vor Wolf auch Sagartz ausgeübt.

Den bisher größten Erfolg erreichten Sagartz und Fazekas 2019 bei der EU-Wahl. Sagartz heimste fast ein Drittel der ÖVP-Stimmen als Vorzugsstimmen ein, gemanagt von Fazekas. Das „Netzwerk“ und die Fähigkeit, „eine persönliche Bindung zu Funktionären aufzubauen“, sieht Fazekas als Trümpfe seines Chefs.

Ob der Parteitag, bei dem Sagartz zum Nachfolger von Thomas Steiner an der Parteispitze gewählt werden soll, vor dem Sommer stattfindet, entscheidet Corona.

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