Chronik | Burgenland
03.12.2018

Südburgenland: Straßenlaterne als Ladestation

Projekt act4energy: Regionen Oberwart und Stegersbach sind Vorreiter. Modell als Vorbild für lokale Energiezukunft.

E-Fahrzeug parken und an einer Straßenlaterne laden, mobile Klein-Fotovoltaikanlagen ohne Genehmigungspflicht einfach an die Steckdose hängen, die überschüssige Solarenergie des Sommers in lokalen Wasserstoffspeichern für den Winter aufheben – das klingt nach Energiezukunft und genau die wird im südlichen Burgenland derzeit geprobt.

Regionale Energie

Das Projekt act4energy hat es sich zum Ziel gesetzt, nachhaltig erzeugten Strom in die Steckdose zu bringen. Ohne Umweg über Einspeistarife, sondern direkt, zuverlässig und sicher. „Wir schaffen ein regionales Energiesystem, in dem wir die Energie, die in der Region produziert wird, regional nutzen“, sagt Projektinitiator und Mastermind Andreas Schneemann.

 

Statt der im Nordburgenland dominierenden Windenergie, setzt Schneemann auf die im Südburgenland schon seit Jahren wie Schwammerl aus dem Boden schießenden Fotovoltaikanlagen. Mit Bürgerbeteiligungsprojekten wurde schon früh die Bevölkerung miteingebunden und so auf die Energiezukunft vorbereitet. „Von unten nach oben, über alle Parteigrenzen hinweg“, sagt Stegersbachs Bürgermeister Heinz-Peter Krammer, in dessen Gemeinde 2019 die Bauarbeiten für das Innovationslabor beginnen.

Insgesamt zehn Gemeinden beteiligen sich an dem Projekt, dazu unzählige Kooperationspartner – darunter Kapazunder wie Siemens, das Austrian Institute of Technology – bis hin zum Bundesministerium für Verkehr, Innovation und Technologie (BMVIT). Bei einem Energieforum in Eisenstadt trafen die Partner nach dem Auftakt in Stegersbach zu einem zweiten Schritt zusammen, 2019 soll das Projekt bei einer Präsentation in Wien auf die Bundesebene gehoben werden.

Konkrete Lösungen

Die Herausforderungen, vor denen das Projekt steht, sind vielfältig: Lastverschiebungen im Stromnetz, Versorgungs- und Datensicherheit, sowie die notwendige Wirtschaftlich- und eine hohe Benutzerfreundlichkeit sind zentrale Faktoren für das dezentrale System, das gesamtheitlich funktionieren muss.

Konkret geforscht wird etwa an der gebäudeübergreifenden Nutzung von Solarstrom, Datenaustausch mit Blockchain-Technologie und wasserstoffgebundenem Schienenverkehr. „Wir wollen die Forschung auf den Boden bringen“, bekräftigte Michael Hübner (BMVIT). „In der Region haben die Gemeinden bewiesen, dass die Technologie funktioniert, das hat die Bevölkerung mitgenommen“, sagt Schneemann. Die im Burgenland oft erwähnte, weil 2013 erreichte Stromautarkie ist für ihn kein Thema: „Autarkie streben wir nicht an.“ Vielmehr gehe es darum, „lokal erzeugte Energie vor Ort zu verbrauchen und in einen Kreislauf mit verschiedenen Speicherlösungen einzubetten, damit Energie dann da ist, wenn sie gebraucht wird.“ Dabei sei es egal, ob die Energie von der Sonne, aus Wind, von Kleinwasserkraftwerken oder Biomasseanlagen komme.

Eine Möglichkeit wären etwa lokale Wasserstoffspeicher, die im Sommer dezentral gewonnene Energie in Wasserstoff umwandeln, der dann im sonnenarmen Winter Energie liefert. Etwa für das Laden seines E-Autos, das vielleicht schon bald an jeder Laterne möglich sein wird.