© Posch

Chronik Burgenland
03/08/2020

Südburgenländer in China: Täglich eine Stunde Ausgang

Der 30-jährige Lehrer Benjamin Posch aus Pinkafeld unterrichtet in der chinesischen Stadt Shenyang.

von Thomas Orovits

Beängstigend? „Nein“, sagt Benjamin Posch, „beängstigend ist die Lage für mich nicht – aber vielleicht sehe ich das auch zu locker“. Der 30-jährige Burgenländer lebt in Shenyang, einer Stadt mit annähernd neun Millionen Einwohnern im Nordosten Chinas.

Die Hauptstadt der Provinz Liaoning, die an Nordkorea grenzt, ist von Wuhan, Ausgangspunkt des Coronavirus, weiter entfernt als Wien von der Südspitze Italiens. Aber auch in Shenyang bestimmt die Furcht vor dem Virus seit Wochen das Leben.

Wie viele Menschen infiziert sind, weiß Posch aktuell nicht, Ende Februar sollen es rund 30 gewesen sein.

Posch stammt aus der südburgenländischen 5.800-Einwohner-Stadt Pinkafeld und unterrichtet seit rund eineinhalb Jahren an der deutschen Schule in Shenyang, der Lehrplan ist am bayerischen Schulsystem orientiert. Die meisten Eltern der 55 deutschen Kinder haben ihren Arbeitsplatz im BMW-Werk in der Metropole, die 51 chinesischen Schüler kommen zumeist aus westlich orientierten Haushalten.

Unterricht via Internet

In den eigenen vier Wänden der Schüler findet auch der Unterricht statt: „Wir unterrichten derzeit digital per Videokonferenzen übers Internet oder wenn nötig auch via Telefon“, erzählt Posch dem KURIER.

Nach den Ferien, die der Südburgenländer in Singapur, auf den Philippinen und in Südkorea verbrachte, sollte der Unterricht am 17. Februar wieder starten. Aber die Schulen sind zumindest bis 16. März geschlossen – tatsächlich dürfte es viel länger dauern. Das betrifft auch den Campus mit 6.000 chinesischen Schülern, auf dem sich die deutsche Schule befindet.

Zwei Wochen Selbstquarantäne

Posch, der auch stellvertretender Schulleiter der gesamten deutschen Schule ist, musste sich wie alle anderen Pädagogen – darunter weitere aus dem Burgenland und der Steiermark – in eine zweiwöchige Selbstquarantäne begeben.

Dennoch konnte er auch in dieser Zeit seine Wohnung täglich mit Gesichtsmaske für etwa eine Stunde verlassen – zum Einkaufen.

Fiebermessen im Markt

Jeder in der Wohnsiedlung habe sich online registriert und einen QR-Code erhalten, der zur Identifikation diene. „In den Aufzügen sind Taschentücher-Boxen angebracht, damit man ein Tuch zur Betätigung des Fahrstuhls verwenden kann.“

Auf dem Weg in einen der noch geöffneten Supermärkte werde von Sicherheitsleuten Fieber gemessen und der Code gescannt.

Posch: Wie und wo das passiere, sei ein „bisschen willkürlich“. In den Läden übernehmen entweder Securitys oder in Plastikumhänge gehüllte und vermummte Markt-Mitarbeiter die Kontrollen.

Trotz der Einschränkungen denkt er nicht an den Abbruch seines China-Aufenthalts. Nur wenn die Auswirkungen des Virus aufs tägliche Leben „gravierende Ausmaße“ annähmen, würde er in die Heimat zurückkehren.

Kurzbesuch in Österreich

Kurz reist Posch aber kommende Woche heim. Der begeisterte Fußballer ist in der Ausbildung zum UEFA-A-Lizenz-Trainer. Schien es zunächst, dass er die Heimreise zur dritten Kurswoche verwerfen müsste, nachdem die Lufthansa alle Flüge abgesagt hatte, konnte Posch nun einen Ausweg finden.

Da er aufgrund des derzeitigen Online-Unterrichts seine administrative Arbeit von Österreich aus erledigen kann, hat sein Arbeitgeber das Okay gegeben. Posch muss allerdings früher anreisen und schon zwei Wochen vor Kursbeginn in Österreich verbringen, um eine Infektion ausschließen zu können.

Vor der Abreise hat sich Posch noch die Haare schneiden lassen. „Das geht mittlerweile wieder.“ Während des Haarschnitts durfte er sogar seine Maske abnehmen.

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