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Chronik Burgenland
08/31/2019

SPÖ Burgenland schreibt Nationalratswahl ab

Kurz-ÖVP liegt bei Nationalratswahl auch im Burgenland vorn; bei Landtagswahl ist sie chancenlos, weil LH Doskozil auch für Kurz-Fans wählbar ist

von Thomas Orovits

Burgenlands SPÖ gerät auf die Verliererstraße – bei Bundeswahlen. Bei zwei der drei letzten Urnengänge gingen die Roten nur als Zweite ins Ziel. Beim ersten Durchgang der Bundespräsidentenwahl 2016 lag der kürzlich verstorbene Rudolf Hundstorfer weit hinter dem freiheitlichen Lokalmatador Norbert Hofer (die Stichwahl verlief ohne SPÖ). Bei der EU-Wahl im Mai war die ÖVP das erste Mal seit 1966 bei einer Bundeswahl wieder vor der seit 1964 regierenden Landeshauptmannpartei SPÖ, mit 3.663 Stimmen Vorsprung. Dagegen nahm sich der einzige rote Sieg, bei der Nationalratswahl 2017, mit 212 Stimmen Überhang gegenüber der Kurz-ÖVP karg aus.

Noch einmal geht sich das nicht aus. Landeshauptmann Hans Peter Doskozil und Parteimanager Christian Dax zeigten sich jüngst im ORF „realistisch“ und gaben für die Nationalratswahl am 29. September nicht Platz eins (wie es unter Hans Niessl üblich gewesen wäre), sondern nur das Halten der bisherigen zwei Mandate als Ziel an.

Gut vorgebaut, denn nach KURIER-Informationen aus den Parteien prognostizieren interne Daten einen deutlichen ÖVP-Sieg auch im Burgenland. Ein renommierter Wahlforscher bestätigt das im Hintergrundgespräch. Demnach wird Türkis außer in Wien in allen Ländern die Nase vorn haben, auch im roten Kärnten und Burgenland.

Ja mehr noch, der Demoskop sieht die zwei Grundmandate der ÖVP, wie zuletzt für Niki Berlakovich und Christoph Zarits, gut abgesichert; Gaby Schwarz sollte wieder ein Bundesmandat ergattern.

Hingegen wackle das Grundmandat der SPÖ im Regionalwahlkreis Süd, wo die SPÖ schon 2017 hinter die ÖVP fiel. Deshalb ist die Platzierung des Süd-Spitzenmanns Christian Drobits auch auf Platz eins der Landesliste keine Verlegenheitslösung, sondern pure Absicherung. Sollte die SPÖ das Grundmandat im Süden verpassen, kommt Drobits über die Landesliste ins Hohe Haus. Maximilian Köllner im Norden scheint gesetzt.

SPÖ bei Landtagswahl ungefährdet

Was bedeutet das für die Landtagswahl im Jänner 2020? Nichts. Denn, so parteiinterne Daten, 25 Prozent der Kurz-Wähler bei der Nationalratswahl votieren dann im Land für Doskozil und die SPÖ. Der Wahlforscher hält es gar für möglich, dass sich der Abstand zur ÖVP von 2015 (12,8 Prozent) vergrößert. Der Kurz-Effekt schlage nur in Ländern mit ÖVP-Landeshauptleuten stark durch.

Deshalb grenzt sich Doskozil auch bei jeder Gelegenheit von der Bundes-SPÖ ab: Burgenland first. Zu gewinnen gibt‘s für die Roten nur mehr im Land etwas. Burgenlands SPÖ wandelt auf den Spuren der bayerischen CSU.