Chronik | Burgenland
09.10.2018

Spitäler-Chef Keckeis: „Ich schlafe selbst im Nachtzug gut“

Neuer Krankenhaus-Chef. Harald Keckeis muss die Spitalsversorgung neu organisieren, ohne ein Haus zu schließen

 

Harald Keckeis (45) ist seit 1. September Chef der landeseigenen Krankenanstaltengesellschaft. Sein Vorgänger wurde fristlos entlassen und hat geklagt, derzeit laufen Vergleichsgespräche. Auch sonst lastet viel auf Keckeis – von Einsparungen in Spitälern bis zum Neubau des Krankenhauses Oberwart.

KURIER: Vorarlbergern sagt man Gelassenheit nach. Bei Ihnen muss Mut dazukommen, sich den Krages-Job anzutun. Harald Keckeis: Ich liebe Herausforderungen und schaue nicht in die Vergangenheit.

Hat Ihnen Ihr Vorgänger René Schnedl zu- oder abgeraten? Ich kenne Schnedl aus der Zeit vor seiner Krages-Tätigkeit, der Kontakt ist aber schon sehr lange her. Es war meine persönliche Entscheidung.

Spitalslandesrat Doskozil verlangt binnen eines Jahres einen Masterplan für die fünf Spitäler, weil bis 2021 kumuliert ein zusätzlicher Finanzbedarf von 220 Millionen Euro entstünde, wenn alles so bliebe. Wo und wie viel wollen Sie sparen? Der Hinweis auf die 220 Millionen Euro war sozusagen ein Aufschrei. Es geht aber nicht um Einsparen im klassischen Sinn, es geht um Kostendämpfung. Der Masterplan soll das Leistungsangebot zwischen den Standorten neu abstimmen. Das wird schon deshalb nötig, weil ab 2021 das Krankenanstalten-Arbeitszeitgesetz für alle verpflichtend wird (mit maximal 48 Wochenstunden, derzeit sind bis zu 55 Stunden möglich, Anm.). Um gesetzeskonform zu bleiben, werden wir zusätzliches Personal brauchen.

Ist die von Doskozil gegebene Standortgarantie für alle fünf Spitäler eine unzulässige Einschränkung für den Masterplan? Nein, weil wir für alle Standorte sinnvolle Aufgaben haben werden. Spitalsärzte sagen, es müssten wieder Verbünde mehrerer Häuser mit einer Leitung kommen? Zuerst müssen wir erarbeiten, was in Zukunft wo angeboten werden soll. Dann wählen wir die geeignete organisatorische Form, um die Ziele zu erreichen. Da könnte eine Verbundlösung Vorteile bringen, das streite ich nicht ab.

Im Süden: Oberwart wird Schwerpunktspital für Akutfälle, Güssing und Oberpullendorf Standort für geplante OP‘s? Zur konkreten Arbeitsteilung kann ich noch nichts sagen, aber in Oberwart bleibt sicher das Schwerpunktspital. Güssing und Oberpullendorf werden unterstützen und die Grund- und Notfallversorgung für die Region leisten.

Müssen Ärzte flexibler werden, was den Arbeitsort betrifft? Das glaube ich schon, wobei das heute schon teilweise passiert, etwa bei der Ausbildung. In ländlichen Regionen ist es unabdingbar, standortübergreifend zu denken.

In Oberwart sollen bis zu acht Internisten fehlen? Internisten werden nicht nur bei uns gesucht. Da bilden wir im Hinblick auf 2021 bereits entsprechend aus.

Rekrutiert man noch stärker in Ungarn und der Slowakei? So lange das sprachlich möglich und rechtlich zulässig ist. Aber wir müssen auch den Heimmarkt bearbeiten und vor allem intern ausbilden.

2015 wurden die Grundgehälter der Spitalsärzte bis zu 30 Prozent angehoben, gibt‘s bald wieder mehr für 550 Ärzte? Die Ärzte haben einen ordentlichen Gehaltsanstieg bekommen. Gehalt ist aber nicht alles, es geht auch um Betätigungsfelder und um Rahmenbedingungen wie Arbeitszeit und Kinderbetreuung.

Wie teuer wird das Krankenhaus Oberwart, die 160 Millionen Euro sind überholt, die ÖVP hält 300 Millionen für möglich? Das werden wir sagen, wenn alle Fakten auf dem Tisch liegen. 2019, vor Baubeginn, wird das klar sein.

Haben Sie schlaflose Nächte, weil eine Kostenexplosion wie beim Wiener Krankenhaus Nord drohen könnte? Nein, ich schlafe selbst im Nachtzug von Vorarlberg ins Burgenland gut.

Vergleichsgespräche sind im Finale

Eigentlich müsste der Krages-Geschäftsführer noch René Schnedl heißen, doch der Mitte 2014 für fünf Jahre bestellte Manager wurde im Frühjahr 2017 fristlos entlassen – mit den Umständen und Folgen beschäftigen sich immer noch Gerichte sowie Landes- und Bundesrechnungshof.

Der damals noch für die Krages zuständige Landesrat Norbert Darabos  (SPÖ) hatte dienstrechtliche „Verfehlungen  und Unregelmäßigkeiten“ als Gründe für den Rauswurf von Schnedl und des Krages-Chefjuristen genannt. Sogar die Staatsanwaltschaft Eisenstadt wurde vom Land bemüht, sie legte aber zwei Anzeigen gegen Schnedl zurück.

Der geschasste Krages-Chef und der frühere Chefjurist zogen gegen die Entlassung vor das Arbeits- und Sozialgericht Wiener Neustadt. Das Verfahren um den  Chefjuristen ist Anfang September zu Ende gegangen, noch warten beide Seiten auf das Urteil. Mit Schnedl hat das Land schon vor Monaten Vergleichsgespräche begonnen, die laut Schnedls Rechtsanwältin Gerda Mahler-Hutter bisher gut verlaufen und relativ weit gediehen seien, eigentlich fehle nur noch ein „finales Gespräch“, wo es um konkrete Summen gehen dürfte. Der von Schnedl im Vorjahr vor Gericht geltend gemachte Gesamtstreitwert beträgt 218.800 Euro.

Wie viel die Causa der Krages am Ende des Tages kosten werde, könne er noch nicht sagen, meinte Schnedls Nachfolger Harald Keckeis gestern, Montag.