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Chronik | Burgenland
05/13/2019

So sollen Überflutungen künftig vermieden werden

In Mattersburg schoss das Wasser von Äckern in die Häuser. Bürgermeisterin Salamon will sich mit Bauern an einen Tisch setzen

„In unserem Keller schaut‘s furchtbar aus, wir können alles wegschmeißen, auch die Heizung ist kaputt“: Das Haus von Familie Rottensteiner in der Mattersburger Mühlgasse ist eines von Dutzenden, das am Samstagabend bis zur Kellerdecke überflutet wurde. Starkregen im Zuge des Tiefs „Zacharias“ hatte dazu geführt, dass Wasser und Schlamm von abschüssigen Äckern binnen kürzester Zeit zum reißenden Strom anschwollen und eine Spur der Verwüstung zogen. 41 Einsatzadressen musste die Stadtfeuerwehr zwischen der ersten Alarmierung um 16.27 Uhr und dem vorläufigen Einrücken um 3 Uhr früh abarbeiten, bilanziert Kommandant Thomas Dienbauer am Sonntag. Vorläufig, weil am Muttertag um 7 Uhr das Aufräumen begonnen hatte, bei dem auch die Mitarbeiter des städtischen Bauhofs zupackten.

Fast 100 Einsätze

Die Gewitterzellen mit Starkregen und Hagel hatten sich über dem Bezirk Mattersburg konzentriert, neben dem Bezirksvorort waren vor allem Sigleß, Forchtenstein (hier musste u.a. eine Familie ihr unterspültes Haus verlassen) und die Erdbeer-Kulturen in Wiesen betroffen. Gegen Mitternacht waren alle Wehren des Bezirks ausgerückt.

Vereinzelte Unwetter gab es auch in den angrenzenden Bezirken Eisenstadt Umgebung und Oberpullendorf. Nach Angaben der Landessicherheitszentrale wurden bis Sonntagfrüh insgesamt 98 Einsätze von 39 Feuerwehren gezählt. Verletzt wurde niemand.

Während die einen bis zum Umfallen gearbeitet haben, machten sich andere einen Jux aus der Katastrophe: Betroffene Bewohner erzählten dem KURIER, dass ein junges Pärchen in einem Geländewagen mehrmals so schnell durch die überfluteten Gassen fuhr, dass die Fontänen die Hausmauern bis zur Dachrinne verschmutzten – die Beifahrerin filmte „den Spaß“. Das Paar muss mit einer Anzeige rechnen.

Wie geht es nach den Unwettern weiter? Landeshauptmann Hans Peter Doskozil (SPÖ) und sein Stellvertreter Hans Tschürtz (FPÖ) haben den Betroffenen noch am Sonntag „rasche Hilfe“ zugesagt: „Das Land Burgenland fördert über die Katastrophenbeihilfe die Behebung von außergewöhnlichen Schäden“. Wie hoch die Schäden sind, lässt sich derzeit noch nicht beziffern.

Damit sich derart schlimme Überflutungen in Zukunft nicht wiederholen, möchte sich Mattersburgs Bürgermeisterin Ingrid Salamon mit den Bauern, Vertretern des Landes und der Landwirtschaftskammer zusammensetzen.

Denn während das Rückhaltebecken an der Wulka gehalten habe, sei das Wasser über die steilen Äcker in die Stadt geflossen. Andere Fruchtfolgen, mehr Quergräben auf den Ackerflächen oder überhaupt mehr Wiesen in unmittelbarer Nähe von bebautem Gebiet seien mögliche Konsequenzen, sagt die Stadtchefin, die selbst bis ein Uhr in der Nacht im betroffenen Stadtteil unterwegs war, um sich ein Bild zu machen.

Hagel zerstört Ananas

In Wiesen hat der Hagel vor allem den Erdbeer-Bauern einen argen Dämpfer versetzt. 50 bis 70 Prozent der Ananas, deren Ernte eben begonnen hat, seien zerstört, schätzt Landwirt Franz Nussbaumer – zumindest seien die meisten versichert. Weil rund 50 Prozent der burgenländischen Erdbeeren aus Wiesen kommen, schaut‘s schlecht aus mit heimischen Früchten.