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Chronik Burgenland
09/20/2019

Selbsthilfe: "Werden gerufen wie die Feuerwehr"

Die Selbsthilfe will das Bewusstsein über Krankheiten stärken und lädt in die Kuga zum Austausch.

von Claudia Koglbauer-Schöll

Vor 40 Jahren, als er am Beginn seines Berufslebens stand, hat es ihn erwischt – ausgerechnet im Urlaub. Ein Arzt diagnostizierte eine psychische Erkrankung.

Nach jahrelangen Therapien, viel Bewegung und vor allem durch die Unterstützung seiner Familie und Freunde habe er den Weg aus der Krankheit gefunden. „Heute geht es mir gut“, sagt Johann Wutzlhofer.

„Aus Dankbarkeit“, engagiert er sich nun als Obmann bei der Selbsthilfe Burgenland (SHG).

38 Gruppen im Burgenland

Derzeit sei der Austausch mit anderen Betroffenen im Burgenland in mittlerweile 38 Selbsthilfegruppen möglich, sagt Wutzlhofer. Nicht nur für psychisch Kranke, auch für Menschen mit körperlichen Leiden soll der Austausch ein Anker sein.

„Der größte Verein ist der Herzverein, da gibt es rund 1000 Mitglieder“, sagt der Obmann.

Laut einer Schätzung wird das Angebot der Selbsthilfegruppen derzeit von 2.500 Personen im Burgenland genützt.

Sie sollen den Betroffenen neben der medizinischen Behandlung auch eine Möglichkeit zu Gesprächen mit Gleichgesinnten sowie Psychohygiene bieten.

Gerade in Zeiten, in denen die Menschen immer älter werden und psychische Erkrankungen zunehmen, sei die Selbsthilfe eine „tolle Ergänzung zum Gesundheitssystem“, sagte Sonja Windisch, die beim Amt der Landesregierung für den Gesundheitsbereich zuständig ist. So erhalte man dort etwa nützliche Tipps für den Alltag.

Offenes Ohr für Angehörige

Ein offenes Ohr finden aber auch Angehörige der Erkrankten.

Angelika Klug, Obfrau der Selbsthilfegruppe für Angehörige psychisch Erkrankter (HPE), weiß, was Nahestehende durchleben.

Bei ihrem Sohn ist 1998 im Alter von 17 Jahren die Krankheit ausgebrochen „Ich hatte zuvor nicht viel Ahnung von psychischen Erkrankungen bzw. dem Umgang mit Erkrankten“, sagt Klug. Sie habe sich dann mit Gleichgesinnten ausgetauscht.

„Es ist schwer, zu sehen, wenn unsere Lieben leiden. Bei einem Gespräch erfährt man, dass die Gefühle bei anderen Angehörigen ähnlich sind. Das verschafft schon eine gewisse Erleichterung.“

Die HPE-Obfrau bietet telefonische Beratungen an, ebenso wie persönliche Termine in den Beratungsstellen – alles vertraulich und kostenlos. „Wir werden oft gerufen, wie die Feuerwehr.“

Gesundheitsstraße

Wer sich über die diversen Angebote der Selbsthilfegruppen informieren möchte, hat heute, Samstag, Gelegenheit dazu: In der Kuga in Großwarasdorf findet der erste „Tag der Selbsthilfe“ statt.

Etwa 20 burgenländische Selbsthilfegruppen werden von 10 bis 17 Uhr ihr Angebot präsentieren und Interessierte beraten. Zudem gibt es eine Gesundheitsstraße u. a. mit Blutdruckmessungen und Gehörtests sowie medizinische Vorträge mit renommierten Ärzten.

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