Zwischen Leerstand und Plänen: Wenn die Schule verschwindet
Nach Schulzusammenlegungen und neuen Bildungscampi stehen im Südburgenland mehrere Schulgebäude leer.
Von Gernot Heigl
Wie viel Schule braucht ein Ort? Die Debatte um den Bildungscampus Pinkaboden und das Votum in Deutsch Schützen-Eisenberg gegen ein Schul-Aus zeigen, wie eng Bildungsfragen mit Ortsleben und Identität verbunden sind. In mehreren Schulen im Südburgenland ist es still geworden: Nach Übersiedlungen von Lehrkräften und Kindern stehen Stockwerke oder ganze Gebäude leer. Drohen Abriss und Verfall – oder gibt es neue Nutzungsideen?
In Oberwart steht seit Ende Juni 2025 das zweistöckige gemeindeeigene Volksschulgebäude leer. Wegen der Nähe zu HAK, zweisprachigem Gymnasium und HBLA „laufen derzeit Gespräche mit der Bundesimmobiliengesellschaft“, sagt Bürgermeister Georg Rosner (ÖVP), „ob der Bereich in die Bundesschulen eingegliedert wird.“ Auch die frühere Musikschule ist von der ehemaligen Synagoge in den neuen Campus übersiedelt. Für die frei gewordenen Räume gibt es bereits Interesse; eine Vermietung könnte demnächst erfolgen, heißt es aus der Stadtgemeinde.
Offene Fragen
In Güssing ist Bürgermeister Vinzenz Knor (SPÖ) mit dem Land im Gespräch. Für die Volksschule, die seit der Übersiedlung in den neuen Campus seit zwei Jahren leer steht, wäre aus seiner Sicht „etwas in Richtung Pflegekompetenzzentrum“ ideal. „Aktuell warten wir auf Rückmeldung.“ Auch Wohnungen waren bereits einmal Thema. „Gut Ding braucht Weile“, sagt Knor. „Lieber warten wir noch ein bisserl, haben dann aber die beste Lösung für die Bevölkerung gefunden.“
In Güssing ist Bürgermeister Vinzenz Knor (SPÖ) mit dem Land über die Zukunft der ehemaligen Volksschule im Gespräch.
Die Volksschulkinder aus Limbach wurden Ende des vergangenen Schuljahres in die Klassen von Kukmirn integriert. Für das jetzt leer stehende Gebäude gibt es einige Überlegungen. „Wir brauchen in Limbach einen Allzweckraum, etwa für Wahlen oder für den Chor. Da könnten wir das Erdgeschoß mit Sanitäranlagen und Turnsaal verwenden“, sagt Bürgermeister Werner Kemetter (ÖVP). „Im Obergeschoß könnten dann Miet- oder Kaufwohnungen entstehen.“
Konkrete Pläne
Interesse zeigt aber auch der Betreiber einer Privatschule, ebenso wie der Verein „Kulturwerkstatt Dorfleben Limbach“, der vor Kurzem gegründet worden ist. „Weil Anfang Dezember das Gasthaus im Ort geschlossen wurde, will der Verein die Räumlichkeiten als Kommunikationszentrum nutzen und Platz für Kunst und Kultur schaffen“, so der Ortschef. „Eine Entscheidung könnte noch heuer fallen.“
Weit fortgeschritten sind die Pläne in Moschendorf. Die Gemeinde will die seit Juni 2025 leer stehenden zwei Volksschulklassen dem Verein „Fufluns“ zur Verfügung stellen. „Im Obergeschoß sollen Vernissagen, Theaterstücke, Ausstellungen, Workshops, Lesungen und mehr stattfinden“, freut sich Bürgermeister Thomas Behm (ÖVP). Die Gemeinde adaptiert dafür die Elektro- und Sanitäranlagen des 60 Jahre alten Gebäudes und investiert rund 50.000 Euro. Die laufenden Kosten zahlt der Verein, der Kindergarten bleibt in Betrieb. Die Eröffnung des Kunst- und Kulturbereichs könnte laut Bürgermeister Behm noch im Juli erfolgen.
KURIER lädt zur Diskussionsveranstaltung
Um die Zukunft kleiner Schulstandorte und mögliche Kooperationen geht es auch bei der Diskussionsveranstaltung „KURIER live – Pinkatal: Schule, Campus, Zukunft“ (18. Juni, 18 Uhr, stadl Bildein, Anmeldung). Nach dem Votum in Deutsch Schützen-Eisenberg sollen Argumente, Sorgen und Perspektiven sachlich aufgearbeitet werden.
Kommentare