Chronik | Burgenland
03.10.2018

Schüler und Studenten als „Statistik-Touristen“

Gleich 50.000 Nächtigungen mehr im Burgenland – wie es zu dem wundersamen Anstieg kam.

Ein Plus von 0,9 Prozent an Nächtigungen verzeichnet der Burgenland Tourismus von Jänner bis August 2018. Sprich 19.616 Übernachtungen mehr als im Vergleichszeitraum 2017. Bei den Nächtigungszahlen sticht eine Gemeinde heraus – Pinkafeld. Die Zahl der Übernachtungen stieg von 11.085 im Jahr 2017 auf 60.390 – nahezu eine Versechsfachung. Das hat Auswirkungen auf die gesamte burgenländische Statistik und verhinderte sogar einen Rückgang.

Doch neue Hotelprojekte gab es keine in der Gemeinde – der Zuwachs entfällt auf drei Step-Gästehäuser (steht für Sport, Training, Education und Park) mit etwa 650 Betten, die eigentlich als Schülerheime errichtet wurden. „Es sind grundsätzlich immer noch Internate für Schüler und Studenten“, erklärt Andrea Liebmann, Geschäftsführerin von Step. In den Ferien werden sie jedoch als Hostel touristisch genutzt. „Dadurch haben wir jedes Jahr rund 10.000 Nächtigungen in den Ferien“, sagt SPÖ-Bürgermeister Kurt Maczek. Die anderen 50.000 Nächtigungen seit Jänner 2018 brachten die Schüler und Studenten im Internat.

Statistik

Laut Statistik Austria „werden die Nächtigungen von Personen in der Tourismusstatistik erfasst, die im Gästeverzeichnis sind. Dabei können auch Nächtigungen von Schülern während des gesamten Schul- und Studienjahres gezählt werden, die ein Gästeverzeichnisblatt haben. „Wir überlassen diese Entscheidung den Gemeinden und wir müssen das akzeptieren“, heißt es von einer Sprecherin der Statistik Austria: „Es gab darüber Korrespondenz mit der Gemeinde und mit dem Land“. Für die Statistik Austria zählen normalerweise nur Nächtigungen von Jugendgästehäusern oder Jugendherbergen, nicht aber jene in einem Internat oder Arbeiterwohnheim. Weder in Oberwart, Güssing noch in Oberschützen sind Schüler, die im Internat wohnen, in der Statistik geführt.

Grund für den Anstieg sei die neue Hotelsoftware der Step-Gästehäuser. „Wir können die Schüler und Studenten nicht herausfiltern, somit werden diese jeden Monat mitgemeldet. Das verfälscht natürlich die Statistik“, sagt Liebmann. Der zuständige FP-Landesrat Alexander Petschnig wollte auf Nachfrage keinen Kommentar über eine Verfälschung der Tourismuszahlen abgeben. „Die liegt auch nicht vor, es ist alles im Rahmen des Gesetzes“, sagt sein Sprecher.