© ösa/Anja Jahn

Chronik | Burgenland
03/17/2019

Schimpfen auf Österreichisch: "Deutsche finden uns niedlich"

Wie eine Burgenländerin mit ihrem "Schimpfwörkshop" österreichische Lebenskultur nach Deutschland bringen will.

Unter "A so a Schaas" kann sich hierzulande wohl fast jeder etwas vorstellen – nur nicht Bohnensterz, ein traditionelles burgenländisches Gericht. Das bekommen die Teilnehmer des "Schimpfwörkshops" mit dem Titel "Scheiß di net an! Nimms entspannt" von Isa Stirm in Frankfurt am Main aber serviert und darüber hinaus auch gleich die Doppeldeutigkeit dieses Ausdrucks erklärt: Steht doch "Schaas" auf österreichisch für von Bohnen geförderte Flatulenz ebenso wie für Müll.

"Die Idee ist, österreichischen Schmäh und Lebenskultur nach Deutschland zu bringen", sagt die 42-Jährige, die im Lauf ihrer 17 Jahre in Deutschland zu "Ösa" geworden ist, über ihren "Schimpfwörkshop".

Wie aus Isa Ösa wurde: Ihr Weg nach Deutschland

Isa Stirm ist 42 Jahre alt, verheiratet, Mutter zweier Kinder im Alter von sieben und zehn Jahren und stammt aus einer Großfamilie. Mit 25 Jahren zog es die gebürtige Burgenländerin aus St. Margarethen (Bezirk Eisenstadt-Umgebung) raus aus Österreich  – zunächst nach Hamburg. Dort wurde sie zur "Ösa" – ein Wortspiel aus Ösi, der gerne verwendeten Bezeichnung von Deutschen für Leute aus Österreich, und ihrem Vornamen Isa.  "Ösa" will sich  in ihrer neuen Heimat, aktuell lebt sie mit ihrer Familie in Frankfurt am Main, als "Botschafterin  für österreichische Lebenskultur" einen Namen machen.

Gegenseitiges Beleidigen sei nicht das Ziel, eher wolle sie einen Rahmen bieten, in dem die Teilnehmer "Dampf ablassen" können und locker werden - Speis und Trank versteht sich von selbst, sind die Eltern im Burgenland doch Winzer.

Warum empfinden Deutsche Österreicher oft als niedlich?

"Österreich ist so etwas wie der kleine, freche Bruder von Deutschland, der Sachen macht, die sich die sehr fleißigen und sehr pünktlichen Deutschen oft nicht trauen." Vielleicht empfinden gerade deshalb viele Deutsche den grantelnden österreichischen Schmäh als "niedlich", meint Stirm und liefert als Beispiel das in Österreich gebräuchliche Wort Mistkübel für Papierkorb. Das sei sprachlich zwar viel derber, weil Mist in Deutschland einfach nur Müll ist, aber vermittle auch eine gewisse Lockerheit. Generell müsse man in Deutschland auch in Klischees denken, ist Stirm überzeugt. "Also wie glaubt der Deutsche, wie Österreich ist. Das muss man ein bisserl bedienen."

Die Reaktionen auf ihren "Schimpfwörkshop" fallen durchaus unterschiedlich aus. Oft hätten Teilnehmer im Vorfeld Bedenken, weil sie andere Menschen nicht beleidigen wollen. "Aber darum geht es nicht. Es geht darum, einfach mal sich auch selbst zu bejammern und dann zu sagen 'heast, scheiß di ned an' . Es geht eigentlich um einen Kurzurlaub nach Österreich, um Spaß und Entspannung." Tatsächlich wird laut einer Studie der in Wien tätigen Germanistin Oksana Havryliv in Österreich Schimpfen zu 64 Prozent zum Abreagieren benutzt, rund ein Viertel fällt in die Kategorie Scherz und nur 11 Prozent der Schimpfwörter werden tatsächlich gesagt, um jemand zu beleidigen.

"Oida" ist nicht nur ein Wort

Ösas Idee ist es auch, den "Schimpfwörkshop" als Teambuildingmaßnahme für Unternehmen anzubieten. Und zwar als "Stressabbau im harten Businessalltag". Denn grundsätzlich möchte Isa Stirm mit ihrer Mission "Österreichische Lebenskultur für alle" schon Geld verdienen. Das beschränkt sich allerdings nicht nur auf die Sprache, im September 2017 hat sie in Frankfurt einen Pop up-Heurigen veranstaltet und das Konzept danach an ein Restaurant verkauft.

"Österreich ist in Deutschland total präsent und sehr positiv besetzt. Ich glaube, dass das Österreichische viel Potenzial hat. Warum soll man das nicht nutzen und gleichzeitig unsere Lebenskultur auf positive Weise weitertragen?" Und wenn der Plan von "Ösa" schlussendlich vielleicht doch nicht aufgehen sollte, kann sie sich noch immer sagen: "A so a Schaas."