Chronik | Burgenland
15.01.2012

Schicksal: Freundschaft kann helfen

Ein 18-jähriges Mädchen erkrankte an Depression und wollte sich das Leben nehmen. Freunde helfen ihr nun, wo sie können.

Im April 2011 Jahr änderte sich das Leben der heute 18-jährigen Raphaela T. aus Oberschützen dramatisch. Das Mädchen, das eine ausgezeichnete Schülerin war, erkrankte an einer Depression. Bei einem Besuch im Krankenhaus Oberwart sprang sie plötzlich aus dem 4. Stock in die Tiefe. Seither ist sie auf den Rollstuhl angewiesen.

"Bei mir wurde klinische Depression diagnostiziert. Da kann es vorkommen, dass sich zu Beginn der Behandlung die Symptome verschlimmern. Das war bei mir der Fall", erzählt die junge Frau. Dass sie das überlebt hat, bezeichnen nicht nur Ärzte als Wunder. Sie schlug auf einer Rasenfläche auf, was den Sturz etwas gedämpft haben dürfte.

Trotzdem waren die Verletzungen mehr als lebensbedrohlich. Vor allem der Zustand der Lunge war instabil. "Die Ärzte haben tagelang um mein Leben gekämpft", erzählt Raphaela. Sie wurde mit dem Rettungshubschrauber schwerstverletzt nach Graz geflogen. Das Mädchen hatte unter anderem fünf Wirbelbrüche erlitten. Seither ist Raphaela auf den Rollstuhl angewiesen.

Unterstützung

Allein war sie in der Zeit aber nie. Neben der Familie, ließen die Klassenkameraden nie den Kontakt zu ihr abreißen. "Als wir das erfahren haben, war das ein richtiger Schock für uns", erzählt Freundin Antonia Hafner aus Oberwart. Vor allem die Tage, in der Raphaelas Leben auf der Kippe stand. Eine Psychologin unterstützte die Mitschüler, gemeinsam mit Klassenvorstand und Schulleitung des BORG Oberschützen versuchte man das Geschehene aufzuarbeiten. "Das war für uns eine große Hilfe", berichtet rückblickend David Silic aus Bad Tatzmannsdorf.

Über Facebook wurde und wird noch heute Kontakt gehalten. Als es Raphaela besser ging, stieg auch sie in das Netzwerk ein und tauschte sich mit den Freuden aus. Schließlich kam die Klassengemeinschaft auf die Idee, etwas für Raphaela aktiv tun zu wollen. "Wir sind eine Klasse, wo immer etwas Gebackenes oder Gekochtes mitgebracht wird. Also haben wir in der Schule einen Stand gemacht und dort Mehlspeisen verkauft", schildert Antonia Hafner.

Dabei kam euch einiges an Geld zusammen. Damit wird Raphaela unterstützt. Etwa bei der Anschaffung von Heilbehelfen. „Da zahlt die Krankenkassa leider nur ein Drittel. Und das geht ganz schön ins Geld“, sagt Raphaela. Für sie geht es jetzt einmal darum gesund zu werden. Untersuchungen bei Spezialisten sollen Auskunft geben, ob sie dauerhaft auf den Rollstuhl angewiesen sein wird.

Willkommen

Erst danach steht das Thema Schule und Matura an. "Raphaela ist bei uns jederzeit willkommen und wir werden sie nach Kräften unterstützen", bietet Direktorin Ingrid Weltler-Müller an. Für Raphaelas Klassenkameraden, wie Antonia Hafner und David Silic steht heute schon eines außer Frage: "Auch nach unserer Matura heuer werden wir den Kontakt zu Raphaela sicher nicht abreißen lassen."